Bild: Jens Schulze
Konföderation
Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen entstand 1971. Zu ihr gehören die vier evangelisch-lutherischen Landeskirchen Braunschweig (rund 380.000 Mitglieder), Hannover (knapp 3 Millionen), Oldenburg (447.000) und Schaumburg-Lippe (61.000) sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer (188.000). Die fünf Kirchen haben sich zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land Niedersachsen gemeinsam zu vertreten und Gemeinschaftsaufgaben wahrzunehmen.
Als eigene Organe hat die Konföderation eine Synode mit einer Amtszeit von sechs Jahren, in der die Mitgliedskirchen entsprechend ihrer Größe mit insgesamt 48 Kirchenparlamentariern vertreten sind. Außerdem gehören ein Rat, in dem jeweils ein leitender Theologe einer der Mitgliedskirchen den Vorsitz führt, und eine Geschäftsstelle in Hannover dazu. Vorsitzender ist zurzeit der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.
Zu den Einrichtungen der Konföderation gehören die Evangelische Erwachsenenbildung, der Kirchliche Dienst in Polizei und Zoll, der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) und der Verband Evangelischer Publizistik Niedersachsen-Bremen, in dem auch die Bremische Evangelische Kirche Mitglied ist. Ein Beauftragter vertritt die Konföderation beim Landtag und in Schulangelegenheiten.
Die Konföderation hat gemeinsame Gesetze über das Mitarbeiterrecht und die Mitarbeitervertretungen verabschiedet, außerdem eine Prüfungsordnung für Theologen. Fragen des Dienstrechts für kirchliche Mitarbeiter regelt eine Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission, paritätisch besetzt mit Vertretern von Arbeitnehmern und Dienststellen. Der Rechtshof der Konföderation ist ein eigenes kirchliches Verwaltungsgericht.
Diese Kirchen gehören zur Konföderation
Eine aktuelle Debatte: Zukunft der Konföderation
Die hannoversche Landeskirche strebt eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit mit den anderen evangelischen Kirchen in Niedersachsen an. Eine sogenannte Föderation "Evangelische Kirche in Niedersachsen" könne ein Zwischenschritt zu einer gemeinsamen Kirche sein, sagte Landeskirchenamtspräsident Burkhard Guntau vor der Landessynode in Hannover. Hierbei würden die fünf Landeskirchen weitgehend eigenständig bleiben, aber gleichzeitig so viele Aufgaben wie möglich zusammen wahrnehmen.
Seit 1971 arbeiten die fünf Kirchen in einer Konföderation miteinander. Während sich die Synoden von Braunschweig und Schaumburg-Lippe in der vergangenen Woche positiv zu einer verbindlicheren Föderation äußerten, betrachtet die Oldenburger Kirche die Vorschläge mit großer Skepsis. Alle Kirchen sind sich einig, dass sie ihre Eigenständigkeit in dem Zusammenschluss bewahren wollen.
Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer sprach sich gegen eine Föderation aus. Die Kirche wäre allerdings aufgrund ihres besonderen Status als reformierte und damit nicht lutherische Kirche ohnehin als assoziiertes Mitglied gedacht.
Der Vorschlag ist das Ergebnis eines gemeinsamen Ausschusses, der von dem Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich moderiert wurde. Dem Konzept zufolge sollen so eine verlässliche Verbindlichkeit und eine straffe Organisation hergestellt werden. Dabei sollen die regionalen Identitäten erhalten bleiben.
Guntau betonte, es sei unabdingbar, dass alle vier lutherischen Landeskirchen Vollmitglieder der Föderation würden. Ziel sei es, durch gemeinsame Strukturen Kosten zu sparen. Der Vorsitzende des Landessynodalausschusses des hannoverschen Kirchenparlaments, Jörn Surborg, hält mehrere Formen der Zusammenarbeit für möglich. Es könne die vorgeschlagene Föderation sein, aber auch verbindliche Regelungen mit ein oder zwei anderen Landeskirchen seien möglich.
Vor zwei Jahren war der Versuch, eine einheitliche Kirche in Niedersachsen auf den Weg zu bringen, am Widerstand der kleineren Kirchen gescheitert. Nur die hannoversche Kirche, die drei Viertel des Landes umfasst und knapp drei Millionen Mitglieder zählt, votierte für einen Zusammenschluss. Guntau zufolge wird das weitere Vorgehen am 29. November im Rat der Konföderation abgesprochen.
40 Jahre Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen
Politiker und Kirchenvertreter blicken in einem neuen Buch auf die 40-jährige Geschichte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen zurück. "Aus Sicht der Landesregierung sind es vier Jahrzehnte intensiver, vertrauensvoller und erfolgreicher Zusammenarbeit", schreibt Ministerpräsident David McAllister (CDU). Weitere Beiträge stammen unter anderem vom Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag, Stefan Schostok, und vom Wolfsburger Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU).
Die evangelischen Landeskirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer hatten sich 1971 zu der Konföderation zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land besser zu vertreten und gemeinsame Aufgaben besser wahrzunehmen. Sie folgten damit einem Impuls aus der Politik: 1946 formte sich unter der Aufsicht der Briten das Land Niedersachsen aus den ehemaligen Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe.
Seit zwei Jahren diskutieren die Kirchen intensiv darüber, ob sie sich ähnlich wie das Bundesland zu einer gemeinsamen Evangelischen Kirche in Niedersachsen vereinigen oder zumindest enger zusammenarbeiten sollen. Ein erster Vorstoß des Ratsvorsitzenden der Konföderation, des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber, war 2009 am Votum der kleineren Kirchen gescheitert, die eigenständig bleiben wollten.
Bislang arbeiten die Kirchen in der Erwachsenenbildung, Publizistik und Polizeiseelsorge sowie in rechtlichen und politischen Fragen zusammen. Der scheidende Ratsvorsitzende Weber schreibt als Mitherausgeber im Vorwort des Buches, die Konföderation habe "Potenzial zur Fortentwicklung". Allerdings müsse der Zusammenhang von "Eigenständigkeit und Kooperation" bedacht werden.
Der künftige Ratsvorsitzende, Landesbischof Ralf Meister aus Hannover, erklärt im Schlusswort, 65 Jahre nach der Gründung des Landes Niedersachsen sei es sinnvoll, die Konföderation "konsequent und mit den Erfahrungen anderer Fusionierungen weiterzuentwickeln". Die hannoversche Landeskirche umfasst als weitaus größte der fünf Kirchen etwa drei Viertel Niedersachsens.
Das Buch aus dem Lutherischen Verlagshaus in Hannover gibt einen Überblick über die Arbeitsfelder der Konföderation und stellt die fünf Kirchen näher vor. Ministerpräsident McAllister nennt als Beispiele für das Zusammenwirken von Kirche und Bundesland den Religionsunterricht an Schulen, den Schutz von Sonn- und Feiertagen sowie das Flüchtlingsrecht. Hier habe das gemeinsame Ringen um gute Lösungen zu allseitig anerkannten Ergebnissen geführt.
SPD-Fraktionschef Schostok schreibt, die evangelische Kirche habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder konstruktiv-kritisch in die politischen Debatten des Landes eingebracht. Die Konföderation lege häufig "den Finger in schmerzhafte Wunden" der Gesellschaft und sei für die Sozialdemokraten ein wichtiger Ansprechpartner.
Politiker und Kirchenvertreter blicken in einem neuen Buch auf die 40-jährige Geschichte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen zurück. "Aus Sicht der Landesregierung sind es vier Jahrzehnte intensiver, vertrauensvoller und erfolgreicher Zusammenarbeit", schreibt Ministerpräsident David McAllister (CDU). Weitere Beiträge stammen unter anderem vom Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag, Stefan Schostok, und vom Wolfsburger Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU).
Die evangelischen Landeskirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer hatten sich 1971 zu der Konföderation zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land besser zu vertreten und gemeinsame Aufgaben besser wahrzunehmen. Sie folgten damit einem Impuls aus der Politik: 1946 formte sich unter der Aufsicht der Briten das Land Niedersachsen aus den ehemaligen Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe.
Seit zwei Jahren diskutieren die Kirchen intensiv darüber, ob sie sich ähnlich wie das Bundesland zu einer gemeinsamen Evangelischen Kirche in Niedersachsen vereinigen oder zumindest enger zusammenarbeiten sollen. Ein erster Vorstoß des Ratsvorsitzenden der Konföderation, des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber, war 2009 am Votum der kleineren Kirchen gescheitert, die eigenständig bleiben wollten.
Bislang arbeiten die Kirchen in der Erwachsenenbildung, Publizistik und Polizeiseelsorge sowie in rechtlichen und politischen Fragen zusammen. Der scheidende Ratsvorsitzende Weber schreibt als Mitherausgeber im Vorwort des Buches, die Konföderation habe "Potenzial zur Fortentwicklung". Allerdings müsse der Zusammenhang von "Eigenständigkeit und Kooperation" bedacht werden.
Der künftige Ratsvorsitzende, Landesbischof Ralf Meister aus Hannover, erklärt im Schlusswort, 65 Jahre nach der Gründung des Landes Niedersachsen sei es sinnvoll, die Konföderation "konsequent und mit den Erfahrungen anderer Fusionierungen weiterzuentwickeln". Die hannoversche Landeskirche umfasst als weitaus größte der fünf Kirchen etwa drei Viertel Niedersachsens.
Das Buch aus dem Lutherischen Verlagshaus in Hannover gibt einen Überblick über die Arbeitsfelder der Konföderation und stellt die fünf Kirchen näher vor. Ministerpräsident McAllister nennt als Beispiele für das Zusammenwirken von Kirche und Bundesland den Religionsunterricht an Schulen, den Schutz von Sonn- und Feiertagen sowie das Flüchtlingsrecht. Hier habe das gemeinsame Ringen um gute Lösungen zu allseitig anerkannten Ergebnissen geführt.
SPD-Fraktionschef Schostok schreibt, die evangelische Kirche habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder konstruktiv-kritisch in die politischen Debatten des Landes eingebracht. Die Konföderation lege häufig "den Finger in schmerzhafte Wunden" der Gesellschaft und sei für die Sozialdemokraten ein wichtiger Ansprechpartner.
Friedrich Weber/Hans Otte: Eigenständig und kooperativ - Evangelisch in Niedersachsen, Lutherisches Verlagshaus Hannover 2011, 208 Seiten, 29,95 EUR