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Rückblick

Geldverwaltung zur Haftvermeidung

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Ein großer Erfolg in der sozialpolitischen Arbeit war die Aufnahme der Geldverwaltung zur Haftvermeidung in den Aufgabenkatalog, weil hierdurch eine verlässliche Finanzierung dieser sehr zeitaufwändigen Arbeit sichergestellt werden konnte.

An diesem zusätzlichen Schwerpunkt kann deutlich gemacht werden, wie Präventionsarbeit im Bereich der Straffälligenhilfe idealer Weise gestaltet werden kann: Wenn Menschen gegen Regeln verstoßen, erfolgt eine Bestrafung. Sanktionen können sein: Belehrung, Verweis, Auflagen, Weisung, Geldbuße und Haft. Insbesondere die Haftstrafe hat erhebliche negative Folgen für die Verurteilten. Es drohen Arbeits- und Wohnungsverlust, Trennung vom Partner, von der Familie, gesellschaftliche Stigmatisierung und mehr.

Eine Inhaftierung ist nicht immer nötig. Bei Untersuchungshaft und Ersatzfreiheitsstrafe für nicht einbringliche Geldstrafen gibt es die Möglichkeit der Geldverwaltung mit den Angeboten von Ratenzahlung als Alternative zur Inhaftierung. Dafür organisieren die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den Anlaufstellen gemeinsam mit den Menschen, die von Haftstrafen bedroht sind, Regulierungsverträge und Entschuldungsprogramme.

Durch diese Geldverwaltung wurden in den vergangenen Jahren Hunderte von Betroffenen darin unterstützt, in ihrem sozialen Umfeld zu bleiben, ihre Arbeitsstelle zu erhalten und ihre wirtschaftliche Situation zu stabilisieren.

In 2011 konnten durch alle Anlaufstellen in Niedersachsen ca. 1.400 Menschen ihre Haftstrafen durch Zahlung von Geldbußen vermeiden, die dem Land rund 300.000 EUR einbrachten. Gleichzeitig konnten durch die geringere Zahl von Inhaftierungen ca. 2 Mio. EUR eingespart werden.

Das Land selbst finanziert diese Geldverwaltung mit derzeit ca. 100.000 EUR pro Jahr. Eine Investition, die sich für alle Beteiligten lohnt! Längst nicht allen Menschen kann derzeit dieses Angebot gemacht werden. Dazu müssten die personellen Kapazitäten in den Anlaufstellen mit weiteren Landesmitteln ausgebaut werden.

Anti-Gewalt-Training

Über eine Projektfinanzierung wurde auch das Anti-Gewalt-Training (AGT) gefördert, das zum Ziel hatte, den Teilnehmern den „Umgang mit der Sprache“ zu vermitteln, die Selbstbeherrschung zurückzugewinnen und aggressive Verhaltensmuster abzubauen.

Zielgruppe dieses Trainings waren Erwachsene bis 30 Jahre, die durch massive Gewalttaten aufgefallen sind und vom Gericht die Auflage zur Absolvierung eines Anti-Gewalt-Trainings bekommen haben.

Zwei Mitarbeiter/innen der Anlaufstelle für Straffällige in Osnabrück haben vor Durchführung dieses Trainings eine Zusatzausbildung absolvieren können und bieten seitdem pro Jahr zwei Kurse über einen Halbjahreszeitraum an. Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass zwei Drittel der Teilnehmer nicht wieder einschlägig in Erscheinung getreten sind - ein weiteres Beispiel erfolgreicher Resozialisierung und Präventionsarbeit durch die Anlaufstellen. Aufgrund einer geringen personellen Ausstattung vieler Anlaufstellen kann dieses Angebot derzeit noch nicht von allen durchgeführt werden.