kopf

Ausblick

Vom Spezial- zum Querschnittsthema

zukunft

Die örtliche soziale Arbeit im Feld der Migration wird zunehmend zum „Querschnittsthema“ innerhalb diakonischer Handlungsfelder. Wie bereits jetzt in vielen Feldern der sozialen Arbeit geschehen, werden Menschen mit Migrationshintergrund und mithin auch Menschen mit dem „Status Flüchtling“ die Regeldienste der sozialen Arbeit (wie Familienberatung, Schwangerenberatung, Alten- und Gesundheitshilfe etc.) verstärkt in Anspruch nehmen.

Schulungen für Angebote gegen Diskriminierung und für Teilhabe

In der vorschulischen Erziehung in der Schule und in Ausbildung und Beruf gibt es viele unüberwindbar scheinende Hemmnisse für die Teilhabe.

Deshalb werden Familien bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützt. Projekte und weitere Maßnahmen zielen auf präventive Hilfen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Beispielhaft zu nennen sind: Kunst und Kultur, (Tanz, Theater, Skulpturen, Malen…) Sprachunterstützung (e-lernen, Mutter Kind, Analphabeten), Schulteilhabe Hausaufgabenhilfen, Begegnung (Sprach-  und Erzählkaffee), Feste und Feiern (Leben der Vielfalt) Sport, Internationale Gärten etc.

Das Diakonische Werk der Landeskirche schult haupt- und ehrenamtlich tätige Mitarbeitende durch Veranstaltungen, auch in der Zusammenarbeit auf Bundes- und Landesebene. Ferner werden gemeinsam mit den Mitarbeitenden die Konzepte der Migrationsarbeit weiterentwickelt. Mit den Grundlagen arbeitet das Referat Migration an der Erstellung des Qualitätshandbuches Migration auf Bundesebene mit.

Migrationsberatung sichern

Alle entsprechend ausgerüsteten Bundesprogramme helfen nur, wenn in den Kirchenkreisen und für Träger eine Planungssicherheit für Migrationsberatungsstellen erhalten bleibt. Deshalb ist eine strategische Planung der Landeskirche fr dieses Handlungsfeld sinnvoll.

Die notwendige Kompetenz (- Erweiterung) der Fachkräfte in Fragen der kulturellen Hintergründe der Ratsuchende ist hierfür eine Voraussetzung. Ferner besteht die Notwendigkeit der weiteren interkulturellen Öffnung der sozialen Dienste insgesamt, auch um Barrieren und Schwellenängste der Hilfesuchenden zu beseitigen.

Angesichts der Tatsache, dass sich das DRK 2013 aus der Friedlandarbeit zurückzieht und die Caritas ihr Engagement einschränkt, bleibt es der Dia- konie überlassen als einzige nichtstaatliche Stelle im zentralen Aufnahmelager Niedersachsens Menschen Hilfen anzubieten. Die Landeskirche wird ein Konzept dazu aufstellen, in welcher Weise sie weiterhin in Friedland mitarbeiten kann und will.

Das gilt in analoger Weise auch für das Aufnahmelager in Braunschweig und das Lager in Bramsche, von dem aus abgewiesene Asylbewerber auf ihre Rückkehr in ihre Heimatländer vorbereitet werden.

Aktenstück Migration

Voraussichtlich zur Sommersynode 2014 wird die Steuerungsgruppe Migration der Synode ein zusammenfassendes Aktenstück zum Thema Migration vorlegen. Darin soll berichtet werden, was die Landeskirche auf diesem Handlungsfeld gegenwärtig tut, welche weiteren Perspektiven und Heraus- forderungen identifiziert wurden und welche Vorschläge zur Weiterarbeit bedenkenswert erscheinen.

Dies wird insbesondere die Fragen betreffen,

  • ob und wie die Mitte der neunziger Jahre geschaffenen Stellen zur Asylantenberatung weiterarbeiten können
  • was die Landeskirche unter Integrationsarbeit versteht und in welcher Weise sie hier weitervoranschreiten will
  • in welcher Weise die Diakonie in ihrem Engagement für Friedland weiterhin gefördert werden kann und soll
  • in welcher Weise die Landeskirche die niedersächsische Politik gegenüber Asylsuchenden begleiten wird.

Menschen ohne Papiere

Nach Schätzung des DW leben bis zu 20.000 Menschen ohne gültige Papiere - und damit illegal - in Niedersachsen. Sie halten sich mehrheitlich – ca. 5000 - insbesondere in der Großstadt Hannover auf.

Diese Menschen brauchen mit ihren Familien Schutz und Hilfe. Das Diakonische Werk Stadtverband Hannover ist seit 2007 Träger eines Leuchtturmprojektes zur Unterstützung von Menschen ohne Papiere. Es ist dem DW gelungen, weitere verbandsübergreifende Unterstützung für diese Arbeit im rechtlichen „Graubereich“ aufzubauen.

Die landeskirchlichen Haushalts- und Kollektenmittel sollen künftig schwerpunktmäßig in beiden benannten Arbeitsbereichen eingesetzt werden.

Härtefallkommission

In der Härtefallkommission des Landes Niedersachsen geht es um die Bearbeitung von humanitären Härtefällen für Ausländer, die sich in Deutschland aufhalten.

In den zurückliegenden Jahren ist in der Politik der Landesregierung und ihrer Vertreter in der Kommission der Humanitätsaspekt allerdings so sehr in den Hintergrund getreten, dass die Kommissionsmitglieder aus Kirchen und Freier Wohlfahrt ihre weitere Mitwirkung gegenüber dem Innenminister an die Bedingung geknüpft haben, dass die Ordnung, die Praxis und die Entscheidungskriterien der Kommission geändert würden. Dies ist unter der neuen Landesregierung geschehen.

Es bleibt abzuwarten und kritisch zu begleiten, ob die Arbeiten in der neu zusammengesetzten Kommission nun menschengerechter erfolgt.