kopf

Ausblick

Konzipierung der Beratung nach Kriterium Kostenerstattung

zukunft

Durch die Reduzierung der landeskirchlichen Zuschüsse stehen die Fachstellen stark unter dem Druck, ihre Angebote unter Kostenerstattungsgesichtspunkten zu konzipieren und zu verhandeln. Das bedeutet jedoch zugleich, dass sich perspektivisch evangelisch-kirchliche Suchthilfe nicht mehr von denen anderer Wohlfahrtsverbände unterscheiden kann.

Entlastung schafft hier, dass seit Jahren aus landeskirchlichen Mitteln Berufspraktikantenstellen für Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen mitfinanziert werden, die z.T. in der Suchthilfe arbeiten. Hierdurch wird sowohl eine Entlastung der Mitarbeitenden in den Fachstellen erreicht, als auch die Chance eröffnet, neue Angebote, insbesondere im Bereich der Prävention zu entwickeln und zu erproben. Nicht zu unterschätzen ist auch der Effekt der Mitarbeitergewinnung durch die Heranführung interessierter Hochschulabsolventen an die Sucht- und Suchttherapiethematik.

Schaffung größerer Organisationseinheiten

Kleinere Fachstellen für Sucht und Suchtprävention, die sich den Herausforderungen im Präventions-, Beratungs- und Behandlungsbereich stellen wollen, die sich gleichzeitig mit neuen inhaltlichen Themen auseinandersetzen müssen und die zudem das Qualitätsmanagement in ihrer Einrichtung durchzuführen haben, werden schnell an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Nur in größeren Organisationseinheiten werden wir künftig in der Lage sein, diesen Herausforderungen personell und inhaltlich erfolgreich zu begegnen.

Eine Differenzierung in der Qualifizierung der einzelnen Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Themenfeldern kann die Angebotspalette der Fachstellen dem künftigen Bedarf anpassen. Dabei bedarf die Beachtung der Frage der Refinanzierung durchaus auch betriebswirtschaftlicher Kenntnisse und strategischem Verhandlungsgeschick.

Fortbildungen für freiwillige Suchtkrankenhelfer ausbauen

Während der Bedarf an Ausbildungen für freiwillige Suchtkrankenhelfer in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat, werden Fortbildungen zu aktuellen Themen, die von Jahr zu Jahr neu angepasst werden, immer wichtiger. Themen wie „Sucht im Alter“, „alternde Selbsthilfe“, „Selbsthilfe und soziale Medien“ werden künftig eine größere Rolle spielen. Daneben werden die Themen wie Leitung von Selbsthilfegruppen, Motivierende Gesprächsführung und Umgang mit Rückfällen weiterhin auf Bedarf stoßen.

Zum Thema Sucht im Alter veranstaltet die ELAS gemeinsam mit dem NEVAP e.V. (Niedersächsischer Evangelischer Fachverband für Altenhilfe und Pflege) einen Fachtag für alle Mitarbeitenden beider Arbeitsfelder.

Suche nach neuen Arbeitsformen der Selbstorganisation

In den zurückliegenden Jahrzehnten haben Selbsthilfegruppen (z.B. Guttempler, Anonyme Alkoholiker usw.) erheblichen Anteil an der erfolgreichen Arbeit in der Suchthilfe gehabt. Diese Arbeitsform trifft zunehmend weniger die Lebenswelt der jüngeren und mittleren Generation. Was für andere Bereiche gilt, trifft hier ebenso zu: Niemand lässt sich mehr gern für längere Zeiträume einbinden. Angebote der Suchtkrankenhilfe wird hier Neues erproben: Seminarangebote, aufsuchende Strukturen, verstärkte informelle Angebote. Außerdem wird immer dringender der Ausbau der Social Media.

Ausbau der Kommunikationswege über Social Media

Der Umgang mit sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Google Plus für die professionelle Beratung wird ebenso wie die Online-Beratung und Behandlung von Abhängigkeitserkrankten ein weiterer Themenschwerpunkt in den kommenden Jahren sein müssen. Fachlich wird auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Medienkompetenz und Abhängigkeit ihre Bedeutung behalten.

Vernetztes Arbeiten mit den anderen Akteuren der Suchthilfe

Die diakonische Suchthilfe in Niedersachsen wird durch die Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtfragen (ELAS) seit Jahren koordiniert und durch Aus- und Fortbildungen für Ehrenamtliche und Mitarbeitende der Fachstellen begleitet. Die ELAS versteht sich zudem als Fachverband, der sowohl fachliche als auch fachpolitische Themen an die maßgeblichen Stellen in Niedersachsen heranträgt, um Veränderungen und Weiterentwicklungen zu erreichen.

Der Fachreferent im Diakonischen Werk, der gleichzeitig Geschäftsführer der ELAS ist, arbeitet in diesen Funktionen eng zusammen mit der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS), einer Facharbeitsgemeinschaft der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege LAG-FW e.V.

Sozialpolitische Forderungen, Vorgespräche und Stellungnahmen zu Vorhaben im Gesetzgebungsbereich, Finanzierungsfragen und neue Suchthilfeangebote werden mit Vertreterinnen und Vertretern der Landesministerien und Landesämter vorbesprochen und in enger Abstimmung mit der LAG-FW auf den politischen Weg gebracht.