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Rückblick

Hohe Nachfrage und fachliche Kompetenz

vergangen

Im Jahr 2012 sind laut Daten der Creditreform deutschlandweit leicht ansteigend 3,26 Millionen Haushalte überschuldet. Fast 90 % aller Schuldner sind zwischen 20 und 59 Jahren alt und oftmals „nachhaltig zahlungsgestört". Die Nachfrage nach Schuldnerberatung ist damit ungebrochen hoch und führte in den letzten Jahren zum Teil zu langen Wartezeiten. Ihre positiven Effekte für die SchuldnerInnen und die Gesellschaft – zur wirtschaftlichen und sozialen Reintegration – sind unbestritten. Gesellschaftliche Entwicklungen und neue gesetzliche Rahmenbedingungen erfordern eine ständige Anpassung der Beratung. Die letzten sechs Jahre in der diakoni- schen Schuldnerberatung waren zum einen von inhaltlich-fachlichen Entwicklungen, aber auch von Fragen der Finanzierung gekennzeichnet.

Da diakonische Schuldnerberatungen auch als Beratungsstellen im Rahmen der Insolvenzordnung anerkannt sind, benötigen die Beraterinnen und Berater rechtliches Spezialwissen zur Insolvenzordnung und ständige Vertiefung dessen. Dies stellen spezielle regelmäßige juristische Schulungen des Landesverbandes sicher.

Girokonten für Schuldner

Girokonten sind heute insbesondere durch den elektronischen Zahlungsverkehr unverzichtbar. Dennoch haben geschätzte 670.000 Erwachsene in unserem Land keinen rechtlichen Zugang zu einem Girokonto. Initiativen, dies zu ändern, scheiterten im Bundestag zuletzt am 19. April 2013.

Das zum 1. Juli 2010 eingeführte Pfändungsschutzkontos (P-Konto) ermöglichte Schuldner einen Zugang zu einem Girokonto, welches für den Zahlungsverkehr zur Verfügung steht. Das erleichterte die Beratung, führte jedoch zugleich zu neuen Anforderungen an die Beratungsleistenden.

Prävention

Um Schulden bereits frühzeitig vorzubeugen, förderte das Diakonische Werk der Landeskirche Hannovers in den letzten Jahren verstärkt Projekte zur Prävention für junge Menschen, zuweilen auch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Bisher gut gelungene Projekte, zum Beispiel der Finanzführerschein an Schulen, hat die diakonische Schuldnerberatung noch stärker in die regionale Öffentlichkeit getragen und zum Teil dadurch eine Refinanzierung durch die Kommune erlangt.

Veränderte Klientel

Der Vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2013 erkennt das höchste Risiko zur Überschuldung bei alleinlebenden Männern. Aber auch Alleinerziehende befinden sich mit 14 Prozent der Klienten überproportional häufig in einer Überschuldungssituation. Ihr Anteil ist damit doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Ferner beobachten die diakonischen Schuldnerberatungsstellen in den vergangenen Jahren auch eine zunehmende Nachfrage von alten Menschen (Stichwort: Altersarmut) und psychisch Kranken. Mit einer veränderten Klientel verlagern sich auch Themenschwerpunkte. So spielen z.B. Fragen der Kranken- versicherung eine höhere Rolle als früher.

Fort- und Weiterbildung

Die Ausweitung der Klientel und der fachlichen Themen erfordert eine Ausweitung und Vertiefung der beraterischen Kompetenz z.B. mit den Themen „Migranten in der Schuldnerberatung“, „Grundlagen der Gesprächsführung“, „psychisch kranke Klienten“ und „Wer ist Schuld an den Schulden?“

Durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Landesverband und dem Sprecherrat des Arbeitskreises Schuldnerberatung (AKS) konnten klare fachliche Akzente für die Professionalisierung in der diakonischen Schuldnerberatung gesetzt werden. In den letzten Jahren stand dabei die Entwicklung des diakonischen Profils in Abgrenzung zu anderen (kommerziellen) Schuldnerberatungsstellen und Angeboten, beispielsweise von Rechtsanwälten, im Fokus.

Finanzierung von Schuldnerberatungen

Auch wenn die Arbeit der Schuldnerberatungsstellen in Niedersachsen bisher eine relativ auskömmliche finanzielle Grundlage besitzt, die eine nahezu kostendeckende Finanzierung ermöglicht, sind einzelne Finanzierungsmöglichkeiten zweckgebunden - wie beispielsweise die Finanzierung auf der Grundlage der Insolvenzberatung. Dort zeichneten sich in den letzten Jahren immer wieder gesetzliche Veränderungen ab, die die Finanzierungsgrundlage in der diakonischen Schuldnerberatung durch die Insolvenzberatung zerstört hätten. Koordinierte, massive sozial-politische Aktionen auf der Bundes- und Landesebene haben 2013 zur Beibehaltung der derzeitigen Regelung in der Novellierung des Gesetzes geführt.

Trotzdem zeichnet sich an dieser Stelle eine „schlechtere“ zukünftige Refinanzierung ab, da diese bisher nicht an die allgemeine Preissteigerung angepasst ist. Eine Herausforderung wird deshalb sein, mit dem Land Niedersachsen über eine angemessene Vergütung zu verhandeln. Ein leichter Rückgang bei den beantragten Verbraucherinsolvenzen führt ebenfalls zu einer tendenziellen Verringerung dieser Refinanzierungsmöglichkeit.