kopf

Ausblick

Armut

zukunft

Das Thema Armut bleibt – leider – aktuell.
Die vielfältigen Initiativen und Projekte werden vertieft und in der Fläche ausgebaut. Die anwaltliche Funktion gegenüber Land und Kommunen, aber auch – was z.B. die Verwendung von Diakoniekollekten in Gemeinden und Mitteln eines Diakoniefonds des Kirchenkreises angeht – gegenüber den kirchlichen Körperschaften fortgeführt.

Weitere fachliche Themen in der Kirchenkreissozialarbeit werden zukünftig die Berechnung eines angemessenen Regelbedarfes und die Anrechnung der tatsächlichen Wohn- und Heizkosten im SGB II und SGB XII sein. Außerdem wird die Finanzierbarkeit von Energiekosten perspektivisch eine Rolle spielen. Dazu wird immer wieder sozialpolitisch zum Teil mit Aktionen Stellung genommen werden.

Weitere Schwerpunktsetzungen

Die Themen- und Hilfefelder der Kirchenkreissozialarbeit sind vielfältig. Die Mitarbeitenden sind zu Schwerpunktsetzungen gezwungen. Diese wird nur durch eine enge Kooperation mit anderen diakonischen Beratungsangeboten und diakonischen Trägern zu leisten sein, indem Synergien vor Ort genutzt werden. So wird als Diakonie „Marke“ im Sozialraum präsent.

In den nächsten Jahren wird die Veränderung des Beratungssettings Einfluss auf die Entwicklung in der Allgemeinen kirchlichen Sozialberatung nehmen. Die Niedrigschwelligkeit dieses Angebotes muss gewährleistet bleiben. Stichworte sind dabei: Vernetzung im Sozialraum, zum Beispiel mit den Familienzentren und Erreichbarkeit, zum Beispiel durch dezentrale Angebote in der „Fläche“.

Auf- und Ausbau gemeinwesendiakonischen Arbeitens

Inhaltliche Herausforderungen ergeben sich in der Kirchenkreissozialarbeit durch die sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich. Neben der Möglichkeit der individuellen Problemlagenbewältigung ist es notwendig, an diesen Stellen gemeinwesenorientierte Kompetenzen einzusetzen, die ein Agieren vom „Fall zum Feld“ ermöglichen. So kann zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel dem Bildungs- und Teilhabepaket, durch die Initiierung von Projekten und Initiativen unter der Beteiligung von Betroffenen zur Verbesserung der Situationen von Menschen in prekären Lebenslagen beigetragen werden. Bei der Fülle möglicher Themen gilt es in Absprache mit dem Kirchenkreis eine Priorisierung vorzunehmen.

Sollte die „Initiative Gemeinwesendiakonie“ von Diakonischem Werk und Haus Kirchlicher Dienste von den landeskirchlichen Gremien befürwortet und finanziert werden, erhielte die gemeindiakonische Ausrichtung von Gemeinden und Kirchenkreisen einen erheblichen Anschub, sich in dieser Richtung weiter zu entwickeln.

Neues Rahmenkonzept Kirchenkreissozialarbeit

Die innerkirchlichen Strukturen haben sich in den letzten sechs Jahren verändert: Kirchenkreise werden zusammengelegt, größere Verbünde entstehen. Deshalb ist die Kirchenkreissozialarbeit herausgefordert, ein daran orientiertes, in der Landeskirche verankertes, allgemeingültiges und eigenständiges fachliches Profil zu entwickeln. Dieses muss in Ergänzung beziehungsweise in Abgrenzung zu anderen professionellen Beratungsangeboten in der Diakonie wie Schuldnerberatung oder Schwangerenberatung erfolgen. Diese haben sich in den letzten Jahrzehnten als eigene Fachbereiche aus der Kirchenkreissozialarbeit entwickelt.

Ausgangspunkt für die Ausbildung eines aktualisierten eigenen Profils in der Kirchenkreissozialarbeit kann das derzeit im Entwurf befindliche neue Rahmenkonzept für die Kirchenkreissozialarbeit des Diakonischen Werks Hannovers sein. Dieses befindet sich noch im Abstimmungsprozess. In ihm wird unter anderem der Entwicklung Rechnung getragen, dass in größeren Organisationsstrukturen, wie zum Beispiel den Verbänden, die Funktion einer Geschäftsführung für mehrere diakonische Angebote implementiert wurde.

Regionale Ausprägung der Kirchenkreissozialarbeit

Kirchenkreissozialarbeit agiert und reagiert in den regionalen Gegebenheiten, Anforderungen und Schwerpunkten mit eigenen Konzepten. Mit Bezug auf die Rahmenkonzeption der Kirchenkreissozialarbeit der Landeskirche ist es deshalb nötig, im jeweiligen Kirchenkreis eine regionale Aufgaben- und Managementstruktur zu entwerfen. Diese beschreibt Funktion, Rolle, Zuständigkeit, Verantwortlichkeit, Schwerpunktsetzung sowie die explizite Aufgabenbenennung der Kirchenkreissozialarbeit vor Ort.

Dabei sind die innerkirchlichen Austausch- und Vernetzungsstrukturen zu benennen und Möglichkeiten zu schaffen, diakonische Positionen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, Fachfragen und sozialen Problemen im Kirchenkreis im „Gegenstromverfahren“ zu entwickeln und zu veröffentlichen. Ein hilfreiches Instrument zur Steuerung dieser regionalen Prozesse kann das vom DW entwickelte Kennzahlenbenchmark sein.

Kirchenkreissozialarbeit als unverzichtbare Aufgabe des Kirchenkreises

Mit ihrer Kirchenkreissozialarbeit gibt ein Kirchenkreis seiner diakonischen Verantwortung einen prägnanten Ausdruck. Angesichts der zunehmenden Komplexität der Sozialpolitik im Allgemeinen und der damit einhergehenden sich verschärfenden sozialpolitischen Auseinandersetzungen braucht es professionelle diakonische Kompetenz. Die besondere Bedeutung der diakonischen Kirchenkreissozialarbeit liegt in ihrer Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben und Refinanzierungen. Durch die Finanzierung der Kirchenkreissozialarbeit aus Kirchensteuermitteln setzen die Kirchenkreise ein deutliches diakonisches und sozialpolitisches Zeichen. Dieses ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Kirchenkreise und ihre Kirchengemeinden darin unterstützt, ihren ureigenen diakonischen Auftrag im Dienst am Nächsten und in der daraus erwachsenen sozialpolitischen Verantwortung zu erfüllen.

Diese genuine diakonische Funktion der Kirchenkreissozialarbeit innerhalb der vielfältigen Aufgaben eines Kirchenkreises muss auch in Zeiten knapper Kassen in Gemeinden und Kirchenkreisen deutlich vertreten und geteilt werden. Die Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, weiterhin eine adäquate grundständige Ausstattung in der Kirchenkreissozialarbeit mit Personalstellen vorzuhalten. Nur so kann auch dem Wunsch der Menschen nach einer allgemeinen niedrigschwelligen Beratung entsprochen werden.