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Rückblick

Neue Beratungsstellen

vergangen

Erfreulicherweise konnten – gegen den Trend – in drei Kirchenkreisen Lebensberatungsstellen neu eingerichtet werden:

Die Lebensberatung in Bremervörde hat im Jahr 2008 ihre Arbeit aufgenommen und konnte ihr Angebot im Zeitraum von fünf Jahren kontinuierlich ausbauen. So zählen mittlerweile Ehe-, Lebens- und Familienberatung, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, das Projekt „wellcome“ (frühe Hilfen) und Trauerbegleitung zu den Arbeitsfeldern dieser kleinen neuen Beratungsstelle.

Die Lebensberatung in Bramsche hat 2010 – als Projekt des Kirchenkreises ermöglicht durch Zuwendungen der Niedersächsischen Sparkassenstiftung – ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist besonders im Bereich der Einzel- und Paarberatung tätig und wurde als neues kirchliches Angebot im Kirchenkreis stark nachgefragt. Da aber leider eine verlässliche Anschlussfinanzierung für das auf drei Jahre angelegte Projekt nicht realisiert werden konnte, wird die Beratungsstelle zum Herbst 2013 ihre Arbeit wieder einstellen müssen.

Im Kirchenkreis Burgdorf hat der Kirchenkreistag beschlossen, eine neue Beratungsstelle für Ehe- und Lebensberatung zu begründen. Dabei kooperiert sie mit der Beratungsstelle im KK Langenhagen.

Wartezeiten: Offene Sprechstunden und veränderte Anmeldepraxis

Die Problemlagen bei Paaren und Familien nahmen in den letzten Jahren, wie die Statistik ausweist, stetig zu. Die Grenze der Beratungskapazität in den Beratungsstellen wurde erreicht und damit auch die Grenze der bearbeitbaren Fälle, da Beratungsprozesse nicht beliebig verkürzt bzw. auf ein Minimum beschränkt werden können. Die Beratungsstellen versuchten die entstehenden Wartezeiten kurz zu halten. Dazu fanden sie kreativ Wege, den „Wartestau“ z. B. durch offene Sprechstunden oder kurze Anmeldegespräche möglichst früh zu sichten. Der tatsächliche „Bedarf“ ist kaum zutreffend zu beziffern. Auf jeden Fall wächst er weiter. Das kirchliche Beratungsangebot dagegen ist an Grenzen (z.B. der Finanzierung vor Ort) gestoßen.

Wachsender Beratungsbedarf bei gleichzeitiger Kapazitätsverringerung

Die kirchliche Lebensberatungsarbeit genießt innerhalb und außerhalb der Kirche großes Vertrauen, was zu einer erfreulich hohen, stetig steigenden Nachfrage in diesem kirchlichen Arbeitfeld führt.

Im Rahmen des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) und des Aktenstücks 98 wurden die ursprünglich zweckgebundenen Mittel für die Lebensberatungsarbeit als Sonderkreislauf aufgelöst. Die den einzelnen Beratungsstellen zugedachten Mittel flossen in die Gesamtzuweisung ein und sind damit frei verfügbar. Sie kommen damit auch Kirchenkreisen zugute, die bislang keine Lebensberatung angeboten haben. Die Erwartung, dass – angeregt durch die Diskussion um die Grundstandards – in manchen Kirchenkreisen auch zusätzliche Angebote der Lebensberatungsarbeit entstehen könnten, hat sich in der Fläche der Landeskirche nicht erfüllt. Die gewünschte Kooperation zwischen Kirchenkreisen findet nur partiell statt (z.B. zwischen Bremerhaven und Wesermünde und zwischen Langenhagen und Burgdorf). Bei den großen Beratungsstellen z.B. in Göttingen und Hannover haben die Kürzungsauflagen für die Kirchenkreise dazu geführt, dass die Arbeit nahezu eingestellt bzw. drastisch zurückgefahren werden musste. Dies ist angesichts der Nachfrage und der angebotenen Fachlichkeit der Beratung kaum verantwortbar.

Verschwiegenheitspflicht und Personenschutz

Ein nicht hoch genug zu schätzendes Gut ist Personenschutz durch verlässliche Verschwiegenheit, wie sie als verpflichtendes Element u.a. auch zur Lebensberatungsarbeit gehört. Wie dieses Gut auch in den Zusammenhängen von Kindeswohlgefährdung (SGB VIII), gerichtlich angeordneter Beratung (FamFG), Psychosozialer Betreuung (SGB II) oder auch im Bereich von Internet-Kontakten als Datenschutz verlässlich gewährleistet werden kann, beschäftigte nicht nur die Teams in den Lebensberatungsstellen.

Vielmehr wurden diese Fragen auch regelmäßig bei der Fachberatung, bei den Treffen der Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung (AGL), wie auch im Bereich der Fortbildung thematisiert. Im Interesse sorgfältiger fachlicher Praxis wurde eine „Arbeitsgruppe Verschwiegenheitspflicht“ gebildet, um im Kontakt mit Diakonischem Werk und Landeskirchenamt ein möglichst hohes Maß an Handlungsklarheit und Rechtssicherheit für die Praxis zu erreichen. Nur in Ausnahmefällen erteilte das Landeskirchenamt eine Entbindung von Beraterinnen von ihrer Verschwiegenheitspflicht.

Qualitätssicherung durch Fortbildung

Berufliche Professionalität beruht nicht allein auf guter Ausbildung oder ergänzender Weiterbildung. Sie verdankt sich ebenso der fachlichen Impulse, die aus regelmäßiger berufsbegleitender Fortbildung erwachsen. Ein entsprechendes Fortbildungsprogramm für Beratungsfachkräfte und in vergleichbaren Feldern Tätige wird von der Hauptstelle seit vielen Jahren angeboten und erfährt regen Zuspruch. Dass trotz angespannter Finanzlage der Fortbildungsbereich der Hauptstelle für Lebensberatung im Jahr 2007 wieder besetzt werden konnte, kann als eine bewusste Entscheidung der Landeskirche im Interesse der Qualitätssicherung fachlicher Arbeit verstanden werden.

Lebensberatung und Gemeindeseelsorge

Bemerkenswert ist, dass in den vergangenen Jahren Gemeindeseelsorge und Lebensberatung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen und Schwerpunktsetzungen als gemeinsames Kernangebot der Kirche deutlicher in den Blick kamen. In Veranstaltungen oder Projekten wurden sie bewusst miteinander verschränkt.

Diesen wichtigen Aspekt evangelischer Lebensberatung betonte auch ein Positionspapier der Evangelischen Hauptstellenkonferenz von 2011 und verwies unter anderem auf erwartbare gemeinsame Handlungsfelder speziell im „Kasualbereich“.

Wenn Gemeindeseelsorge und Lebensberatung Hand in Hand arbeiten, beruht das meist auf guten wechselseitigen Kontakten: Menschen aus Gemeinde- und Jugendseelsorge werden z.B. an eine Lebensberatungsstelle verwiesen. Und Mitarbeiter/innen aus den Lebensberatungsstellen kommen z.B. zu Bildungsveranstaltungen in Gemeindegruppen, wirken bei Kirchenkreisveranstaltungen mit oder bieten auch Supervision an.

Supervision – Beratung im beruflichen Kontext

In den zurückliegenden Jahren zeigte sich, dass in zunehmendem Maße Supervisionsanfragen an die Lebensberatungsstellen gerichtet wurden bzw. um Vermittlung von Supervisionsfachkräften gebeten wurde. Dies hing zum Teil wohl auch mit dem stärkeren Bewusstsein in der Öffentlichkeit und damit auch in der Landeskirche für Fragen von beruflichen Überlastungs- und Erschöpfungssituationen (Burnout) zusammen. Angesichts dieser Entwicklung hat sich schon vor einigen Jahren die „Arbeitsgruppe Supervision“ gebildet mit dem Ziel, das in den Beratungsstellen vorhandene Fachkräftepotential zu bündeln und Interessierten besser zugänglich zu machen. Dank eines Zuschusses des EKFuL-Fachverbandes konnte 2007 ein Regionalverzeichnis der Supervisionsfachkräfte erscheinen (2. Auflage 2009), das bei der Hauptstelle für Lebensberatung in Hannover zu beziehen ist und zukünftig als Online-Ausgabe weitergeführt werden soll.

Multiprofessionalität – eine fachliche Grundvoraussetzung

Die kompetente Wahrnehmung der vielgestaltigen Aufgaben in der Lebensberatung erfordert unterschiedliche fachliche Voraussetzungen, wie sie in den beruflichen Grundausrichtungen der Mitarbeitenden der Lebensberatungsstellen wie auch in unterschiedlichen Zusatzausbildungen gegeben sind.

Die multiprofessionelle Zusammensetzung der Teams, wie sie z.B. im Bereich der Erziehungsberatung gewährleistet sein muss, stellt nicht nur einen günstige Rahmenbedingung dar, sondern ist ein fachliches Erfordernis. Dieses Element multiprofessioneller Fachlichkeit als Qualitätsmerkmal bei der (Wieder)Besetzung von Stellen zu berücksichtigen, gestaltete sich angesichts unterschiedlich dotierter Stellen nicht immer einfach, musste aber beim Zusammenwirken von Träger, Team und Fachberatung unbedingt im Blick bleiben. Die Multiprofessionalität der Teams als Ausweis fachlicher Qualität zu wahren, bleibt - gerade auch angesichts ungewisser Finanzmittel - auch eine Herausforderung für die Zukunft.