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Rückblick

Struktur

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Die Basis der Männerarbeit in der Hannoverschen Landeskirche sind die zahlreichen Männergruppen und Männerprojekte, die in Kirchengemeinden, manchmal auch gemeindeübergreifend in Regionen oder Kirchenkreisen tätig sind. Es gibt in der Landeskirche etwa 600 Männer, die ehrenamtlich die Leitung in den knapp 350 Männergruppen und die verantwortliche Mitarbeit in den übergemeindlichen Gremien wahrnehmen.

Alle Leitenden einer Männergruppe oder eines Männerprojekts sind verbunden in Sprengelarbeitsgemeinschaften. Auf regionaler Ebene werden hier Informationen weitergegeben, Themen bearbeitet und Beratung für die örtliche Männerarbeit geleistet. Ehrenamtliche Sprengelleitungsteams koordinieren und fördern die Arbeit im Sprengel. Sie wurden bis zum Jahr 2012 in allen Sprengeln von einem hauptamtlichen Referenten der Männerarbeit begleitet. Ein ehrenamtlicher Landesbeauftragter vertritt die Belange der Ehrenamtlichen auf der Ebene der Landeskirche.

Die Männerarbeit der Landeskirche Hannovers ist eng verbunden mit der Männerarbeit der EKD, mit Partnern in der Ökumene sowie den evangelischen Landeskirchen. Wir beteiligen uns in diesem Rahmen an Publikationen, Ausschüssen, Projekten z.B. zur Gestaltung von Fachkonferenzen oder der Präsentation der Männerarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Die Männerarbeit arbeitet mit anderen Arbeitsfeldern des Hauses kirchlicher Dienste und insbesondere im Fachbereich Erwachsene eng zusammen und ist darüber hinaus mit vielen Kooperationspartnern verbunden, z.B. dem Sozialministerium, dem Väternetzwerk, der ev. Aktionsgemeinschaft für Familienfragen und kirchlichen Bildungseinrichtungen. In diesen Bezügen beteiligt sich die Männerarbeit am gesellschaftlichen Diskurs über Fragen der Geschlechtergerechtigkeit.

Im Arbeitsfeld Männerarbeit des Hauses kirchlicher Dienste arbeiten zur Zeit neben dem Landespastor für Männerarbeit vier weitere Referenten im Umfang von 3,0 Stellen und eine Sachbearbeiterin im Unfang einer 0,5 Stelle. Die Präsenz von Referenten mit Dienstsitz in den Sprengeln besteht nur noch in fünf der sechs Sprengel. Sie wird im Jahr 2014 nur noch in drei Sprengeln aufrecht erhalten werden können und perspektivisch ganz entfallen.

Bedeutung

Männerarbeit ist als Thema insgesamt im Aufwind. Neben den überwiegend traditionell geprägten Männergruppen mit zum Teil jahrzehntelanger Tradition entstehen in etlichen Gemeinden neue Männerangebote, häufig in Projektform. Ein niedrigschwelliges Format ist das Männerfrühstück. Die Treffen sind unregelmäßig zwischen einmal im Monat bis zwei Mal im Jahr. Die Teilnehmer verpflichten sich zu nichts. Sie gehen keine kontinuierlichen Bindungen ein. Die Männerarbeit im Haus kirchlicher Dienste ermutigt zu solchen Gründungen. Nicht selten entwickelt sich aus der projekthaften Arbeitsweise auch ein kontinuierliches Angebot.

In nicht wenigen Gemeinden gehört Männerarbeit zum Kernbestand des Gemeindelebens, in anderen ist sie kaum bekannt. Die Gemeindetraditionen sind in dieser Beziehung sehr unterschiedlich. Es ist zu begrüßen, dass Männerarbeit zunehmend auch auf Kirchenkreisebene in Erscheinung tritt. Männerfrühstückstreffen oder Kirchenkreis-Projekte sind geeignet, die oftmals stille und kontinuierliche Gemeindearbeit sichtbar und öffentlich erkennbar zu machen und auszudehnen.

Die Wahrnehmung der Situation von Männern hat in den vergangenen Jahren nicht nur als gesellschaftliches Thema an Bedeutung gewonnen. Auch in der Kirche wird bemerkt, dass eine gleiche Teilhabe von Männern und Frauen am kirchlichen Leben häufig nicht gegeben ist. Zunehmend wird die Frage gestellt, wie das kirchliche Leben so gestaltet werden kann, dass es Männern und Frauen einen Zugang eröffnet und eine Beteiligung ermöglicht, die ihnen entspricht.

Zielsetzung und Arbeitsweise

In der Männerarbeit geschieht thematische Auseinandersetzung mit männerrelevanten Fragestellungen. Die Veränderung gesellschaftlicher Rollen spielt hierbei eine ebensolche Rolle wie die theologische Zuspitzung christlicher Glaubenstradition auf die Lebenswelt von Männern. Anhand von Jahresthemen werden die thematischen Schwerpunkte erarbeitet und mit Material und Handlungsimpulsen für die Weiterverwendung in der Gruppenarbeit vorbereitet.

Die ehrenamtliche Männerarbeit in Gruppen und Kreisen wird durch Vernetzung und Begleitung unterstützt. Referenten der Männerarbeit beraten Gruppenleiter und Kirchenvorstände, sie informieren, halten den Kontakt und sorgen für Verbindung. Auf diese Weise wird die konkrete Gemeindearbeit gefördert und zugleich die Zugehörigkeit zur Männerarbeit der Landeskirche unterstützt. Diese nachgehende Arbeit kann künftig aufgrund zurückgehender Personalressourcen nicht mehr im gewohnten Umfang gewährleistet werden, sondern wird nur noch auf Anfrage in Anspruch genommen werden können.

Ein Schwerpunkt der landeskirchlichen Männerarbeit liegt auf der Fortbildung und Qualifikation haupt- und ehrenamtlicher Männer für die Arbeit in Kirchengemeinden, aber auch in Einrichtungen, Kindertagesstätten und fachspezifischen Bildungszusammenhängen. Die Angebote betreffen sowohl grundlegende gemeindepädagogische Fähigkeiten als auch thematische Fragestellungen, die für die Männerarbeit von Bedeutung sind. Die Angebote reichen von Fachtagen bis zu mehrtägigen Seminaren und finden sowohl in Hannover als auch in der Fläche der Landeskirche statt.

Männerarbeit zielt darauf ab, Männer ins Gespräch über ihre Lebenssituation zu bringen, Krisensituationen zu bewältigen, neue Sichtweisen zu eröffnen, Glauben kennenzulernen und Engagement zu wecken. In der Seminar- und Freizeitarbeit wird Biografiearbeit, Selbst-reflexion und Glaubensstärkung geleistet. Solche Angebote sind häufig zugleich fachliche wie persönliche Fortbildungen. Sie bieten einen geschützten Raum und finden außerhalb von Gemeindekontexten statt. Kirchliches Teilhabeverhalten verändert sich insofern, als andere Erfahrungsorte als die Kirchengemeinde an Bedeutung gewinnen. Hierin liegt eine Perspektive, die die Gemeindearbeit ergänzt und ihr zugleich wieder zugute kommt.

Arbeitsprojekte

Für den Bereich der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers informiert ein Jahresprogramm über die Angebote für Männer und trägt zur Verbreitung der Anliegen der Männerarbeit bei. Regelmäßig wiederkehrendes Arbeitsmaterial wird überwiegend gemeinsam mit der Männerarbeit der EKD erarbeitet, wie zum Beispiel das Werkheft zur Gestaltung des Männersonntags am dritten Sonntag im Oktober. Der Männersonntag, der in den Kirchengemeinden von Männergruppen gestaltet wird, dient dazu, die Belange von Männern und ihre spezifischen Perspektiven zur Sprache zu bringen und damit ein Zeichen zu setzen, dass diese Anliegen in der Kirche Raum finden. 2013 ist zur Unterstützung dieses Anliegens erstmals ein männertheologischer Predigtpreis ausgesetzt worden, um die theologische Arbeit im Blick auf die Männer zu fördern. Ebenfalls in Kooperation mit den Arbeitsstellen für Männerarbeit in den evangelischen Landeskirchen werden thematische Handreichungen erarbeitet und Fachkonferenzen gestaltet. Kindertagesstätten werden durch die jährliche Vater-Kind-Aktion zum Einbeziehen der Väter in ihre Arbeit motiviert.

Zu den kontinuierlichen landesweiten Angeboten der Männerarbeit gehören die jährliche Landesarbeitstagung als zentraler Ort für die Fortbildung und Vernetzung der ehrenamtlichen Funktionsträger der Männerarbeit. Das Ideenforum Männerarbeit gibt Impulse für die Gruppenarbeit. Wechselnde Fachtage zu männerrelevanten Fragestellungen bieten thematische Fortbildung. Die Arbeit in den Männergruppen der Kirchengemeinden erhält durch ein bundesweites Jahresthema der Männerarbeit einen inhaltlichen Impuls, der zu Beginn jedes Jahres durch einen Studientag eingebracht wird. Gemeinsam mit den Arbeitsfeldern des Fachbereichs Erwachsene im Haus kirchlicher Dienste werden Seminare zur Qualifizierung in Gruppenleitungskompetenz angeboten und Schwerpunktprojekte zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Themen durchgeführt.

Als zentrale Großveranstaltung ist in den Jahren 2008, 2010 und 2012 ein landeskirchlicher Männertag durchgeführt worden, der neben guter Resonanz auch eine erkennbare öffentliche Ausstrahlung entfaltet hat. Nach innen ist die Wirkung identitätsstiftend und gemeinschaftsfördernd. Die sichtbare Außenwirkung trägt dazu bei, die kirchliche Arbeit mit Männern bekannt zu machen und neues Interesse zu wecken. Verschiedene von der Männerarbeit gestaltete Rundfunkgottesdienste haben ebenfalls ein gutes Echo gefunden und die Männerarbeit für eine breite Öffentlichkeit erkennbar gemacht.

Themenschwerpunkte

Aus der Männerarbeit ist in der Vergangenheit ein starker Impuls zur Vater-Kind-Arbeit ausgegangen, dessen Anliegen es war, mit jüngeren Männern über ihre Lebenssituation ins Gespräch zu kommen und sie zu aktiver Wahrnehmung ihrer Vaterrolle zu ermutigen. Dieser Aspekt hat erfreuliche Resonanz gefunden und ist vielfach übernommen, angewendet und weitergeführt worden. Bildungseinrichtungen, Kindertagesstätten, Familienzentren und kirchliche Mitarbeiter in Kirchengemeinden bieten vielerorts Vater-Kind-Freizeiten an. Die Männerarbeit hat selbst Vater-Kind-Wochenenden und -Festivals durchgeführt und unterstützt weiterhin kooperierende Träger bei der Einbringung solcher Formate. Auch bleibt die Vater-Kind-Arbeit ein Anliegen, das durch Beratung und weitere Impulsgebung von Seiten der Männerarbeit gefördert und unterstützt wird.

Das Thema des Älterwerdens ist unter Männern vielfach präsent und wird häufig zum Gegenstand in Gruppenveranstaltungen. Regionale Fachtage sind über mehrere Jahre in wechselnden Regionen der Landeskirche mit guter Resonanz angeboten worden. Der demografische Wandel als gesellschaftliches Phänomen und der persönliche Umgang mit den späteren Lebensphasen wird auf diese Weise intensiv aufgegriffen und bearbeitet.

Die Frage nach einer männerbewussten Theologie und Spiritualität wird in verschiedenen Modellprojekten bewegt und erprobt. Einkehrtage, Cursillo-Wochenenden, Weggemeinschaften, Visionstage, „KraftRaum“-Gottesdienste und ein Glaubenskurs für Männer sind Bausteine, die multipliziert werden können, um Männern auf der Suche nach einer ihnen gemäßen Glaubensform zu helfen.

Das Projekt „Rosenstraße 76 – Häusliche Gewalt überwinden“, das 2012/13 gemeinsam mit dem Frauenwerk und der Arbeitsstelle Friedensdienst aufgelegt wurde, hat an fünf Orten der Landeskirche ein gesellschaftlich relevantes Thema aufgegriffen und breite Aufmerksamkeit erfahren. Insbesondere ist hierbei eine intensive Vernetzung mit außerkirchlichen Institutio-nen, Gruppen und Einrichtungen gelungen.

2013 ist mit dem Jazztheater „Lass Mann gut sein“ ein Projekt erarbeitet worden, das an 15 Aufführungsorten der Landeskirche das Thema Toleranz zur Darstellung bringt. Durch die ungewöhnliche Verbindung aus szenischer Darstellung und Jazz-Musik werden auch kirchenfernere Zielgruppen angesprochen.