kopf

Ausblick

Ziel

zukunft

Grundlegendes und langfristiges Ziel der Männerarbeit ist es, Männer im Raum der Kirche in ihrer spezifischen Lebenssituation wahrzunehmen, ihre Fragen und Erwartungen aufzugreifen und ihnen Gelegenheit zu einer ihnen gemäßen Teilhabe am kirchlichen Leben zu geben. Knapp unter 50 % aller Kirchenmitglieder sind männlich, aber sie treten häufig nur in weit geringerem Maß in Erscheinung. Dies ist weniger auf ein geringes Interesse an Fragen der Religion und Lebensdeutung zurückzuführen als vermutlich auf eine Angebotsstruktur, die ihnen weniger entspricht.

Um mit Männern ins Gespräch zu kommen, bedarf es häufig besonderer Gelegenheiten. Diese können darin bestehen, dass ihnen spezifische Räume für Gemeinschaft und Kontakt geboten werden. Manchmal widersprechen aber auch geschlossene Angebotsformen dem Bedürfnis nach Freiheit und Selbstbestimmung. Oft ist erst das gemeinsame Tun ein Zugang zu vertieftem Kontakt. Sprache, Umgangsformen, Geselligkeitsmuster können Hindernisse darstellen, bei bewusster Gestaltung aber auch neue Verbindungen bewirken.

Zunehmend wird bemerkt, dass hier eine besondere Sensibilität vonnöten ist. Verantwortliche in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen zeigen sich aufgeschlossen und suchen nach geeigneten Wegen, sich auch den Männern in der Kirche bewusster zuzuwenden. Das Anliegen einer geschlechtergerechten Kirche, in der sich die Menschen mit ihren spezifischen Bedürfnissen wahrgenommen fühlen, wird auf diese Weise voran gebracht. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass gelegentlich auch Männer selbst den Raum der Kirche für sich entdecken. Es entstehen durchaus neue Männerprojekte in Kirchengemein-den, die häufig auf die engagierte Initiative Einzelner zurückgehen, aber dann für das Ganze eine große Bereicherung bedeuten.

Umbruchssituation

In Divergenz zu dieser Entwicklung befindet sich die Männerarbeit als landeskirchliche Fachdienststelle in einer tief greifenden Umbruchssituation. Die Ausstattung mit hauptamtlichen Stellen wird sich drastisch reduzieren. Von 5,5 Referenten- und Sachbearbeiter-Stellen im Jahr 2012 werden im Jahr 2018 noch 1,5 Stellen zur Verfügung stehen. Dieser Abschmelzungs-prozess um etwa 75 % der hauptamtlichen Personalressourcen hat bereits begonnen und erfordert eine konzeptionelle Neuausrichtung.

Während in der Vergangenheit eine flächendeckende Präsenz von Mitarbeitern in den Sprengeln der Landeskirche vorgehalten wurde, wird die Begleitung künftig nur noch von einer zentralen Dienststelle aus geleistet werden können. Um auch unter diesen Voraussetzungen eine Vernetzung der ehrenamtlich Mitarbeitenden und eine Identität als Männerarbeit der Landeskirche aufrecht zu erhalten, bedarf es neuer Knotenpunkte, an denen Verbindungen gepflegt werden und neue Kontakte aufgebaut werden können.

Netzwerke

Die Männerarbeit ist als ehemals selbstständiger Verband des „Männer- werkes“ in seinem Charakter eine Laienbewegung. Dem ehrenamtlichen Engagement wächst nun wieder eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur werden die einzelnen Männerkreise und Männerprojekte überwiegend ehrenamtlich und in großer Selbstständigkeit verantwortet. Zusätzlich wird auch die Koordinierung an den persönlichen Einsatz vieler einzelner Mitarbeitender geknüpft sein.

Den Sprengelleitungsteams wächst die Aufgabe zu, die Männerarbeit auf regionaler Ebene zu vernetzen. Sie sind dabei darauf angewiesen, dass in den Kirchenkreisen Ansprechpersonen gewonnen werden, die mit den einzelnen Männergruppen in Kontakt stehen und die Entwicklungen mitverfolgen. Auf diese Weise soll ein Netz aufgebaut werden, das Informationen von der zentralen Fachstelle bis hin zu den einzelnen Gemeindeangeboten möglich macht. Dieser Informationsfluss ist die Voraussetzung dafür, dass Angebote überhaupt ihre Zielgruppe erreichen und lebendige Teilhabe möglich wird.

Variabilität

Die Form ehrenamtlicher Mitarbeit in der Kirche befindet sich aber ebenso im Wandel. Langfristige Bindungen treten gegenüber zeitlich begrenztem Engagement zurück. Es wird deshalb damit zu rechnen sein, dass die Vernetzung innerhalb der Männerarbeit vielfachen Schwankungen unterliegen wird und kaum jemals vollständig und verlässlich erreicht werden kann. Es bedarf einer ständigen nachgehenden Aufmerksamkeit neue Verbindungslinien zu ziehen und bestehende zu stabilisieren.

Dennoch wird damit zu rechnen sein, dass sich die Männerarbeit von ihrem einstmals stabilen Grundmuster zu einem vielfach variablen Gebilde entwickelt. Gleichwohl bleibt die Aussicht, dass dieser Organismus ein lebendiger Teil der Kirche bleibt, der sowohl in den Kirchengemeinden als auch in den eigenen Strukturen Wirkkraft entfaltet.

Kooperationen

Die Männerarbeit ist bestrebt, Kooperationen mit anderen Trägern männerspezifischer Angebote innerhalb der Kirche einzugehen. Neben der Kompetenz einer zentralen Fachstelle und der Verbindung mit der Basis sind die konkreten Seminar- und Freizeitangebote von wesentlicher Bedeutung, um Männern Erlebnis- und Erfahrungsräume anzubieten, die im Gemeinde- kontext nicht möglich sind. Hier geschieht vielfach nicht nur fachliche Bildung und persönliche Entwicklungsarbeit, sondern in diesen Angeboten liegt häufig die Keimzelle für eigenes persönliches Engagement und Multiplikation der Männerarbeit. Ausgehend von eigenen Erfahrungen werden Männer motiviert, in ihrem eigenen Wirkungsbereich entsprechende Angebote zu entwickeln oder daran mitzuarbeiten.

Um diese Formate zu initiieren wird die Männerarbeit der Landeskirche eine enge Verbindung zu Bildungsträgern. Beispielhaft kann die 2012 geschlos- sene Kooperationsvereinbarung mit dem Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg genannt werden, die als Modell erprobt wird und sich möglicherweise auch auf andere Bereiche übertragen lassen soll. Es besteht die Hoffnung, dass auf solche Weise in den Sprengeln der Landeskirche Orte geschaffen werden, an denen Männerarbeit erkennbar wird und die als regionale Identifikationspunkte Wirkung entfalten.

Geschlechterperspektive im Fachbereich

Im Haus kirchlicher Dienste ist die Männerarbeit eng verbunden mit der Frauenarbeit, der Besuchsdienstarbeit und der Arbeit mit Älteren. Diese Arbeitsfelder bilden den Fachbereich „Erwachsene“. Das Spezifikum liegt in der Wahrnehmung der Menschen in ihren besonderen Lebenssituationen. In der engen Zusammenarbeit kommt zum Ausdruck, dass hier ein gemeinsames Interesse verfolgt wird, nämlich für Chancengleichheit und gerechte Teilhabe für alle einzutreten.

Der jeweils besondere Blickwinkel wird hierbei ernst genommen und bekommt damit eine gemeinsame Ausrichtung. Die Zusammenarbeit konkretisiert sich in gemeinsamen Projekten zu gesellschaftlich relevanten Themen. Insbesondere werden große Entwicklungen auf ihre Bedeutung für die kirchliche Arbeit hin untersucht. Die Bedeutung des demografischen Wandels oder die Veränderungen im Familienbild für die kirchliche Arbeit zu erschließen, wird in den kommenden Jahren ein herausforderndes Anliegen sein.