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Ausblick

Chancen nutzen

zukunft

Chancen nutzen – nicht nur Problemanzeigen formulieren, so lässt sich das inhaltliche Motto des KED gut formulieren, dem auch die Zielsetzung für die nächsten sechs Jahre zugeordnet wird.

Die Entwicklungszusammenarbeit steht vor großen Herausforderungen, weil sich die Kräfteverhältnisse global verschieben. Die große Wirtschafts- und Finanzkraft wandert gegenwärtig von Europa und den USA vor allem nach China, Indien, Brasilien. Bereits jetzt sind vor allem China und Indien in Afrika aktiv, um dort Nahrungsmittel anzubauen oder Rohstoffe zu fördern. Sie treffen auf offene Türen bei den Regierungen afrikanischer Länder, denn sie haben nicht die negativen Folgen einer Kolonialgeschichte zu verantworten.

Inhaltliche Standards der Entwicklungszusammenarbeit, wie sie die europäischen Geldgeber und damit auch die kirchlichen Hilfswerke formulieren, wie z.B. die Verantwortung der Regierungen der Empfänger- länder, Korruptionsbekämpfung, Mindeststandards bei den Arbeits- bedingungen, Wahrung der Menschenrechte, Schutz von Frauen vor Gewalt – das sind keine Kriterien, von denen Indien oder China ihre Kooperation mit afrikanischen Staaten abhängig machen und besonders Chinesen sagen auch ganz klar, dass die Entwicklungszusammenarbeit in erster Linie den Interessen ihres Landes dient.

Kriterien der Entwicklungspolitik

Die Diskussion um Kriterien der Entwicklungspolitik wird sich verändern und zwar nicht nur im Sinne der Tradition der europäischen Menschenrechts-werte. Die Empfängerländer selbst entscheiden, mit wem sie unter welchen Bedingungen kooperieren wollen. Ob das jeweils für die Mehrheit der armen Bevölkerung in diesen Ländern von Vorteil ist, kann durchaus bezweifelt werden. Dennoch müssen die Akteure in Europa mit diesem neuen Selbstbewusstsein umgehen lernen.

Die gewachsene Wirtschaftskraft ehemaliger Entwicklungs- und Schwellen-länder führt zu der Überlegung, ob unsere kirchlichen Hilfswerke überhaupt noch Projekte in diesen Ländern betreiben sollten. Diese Frage wird bei Brot für die Welt selbstverständlich schon diskutiert. Ist es nicht viel mehr Pflicht und Aufgabe der gewachsenen Mittelschichten dieser Länder, Verantwortung für das Gemeinwohl und damit auch für die arme Bevölkerung zu übernehmen? Und müssen nicht die Regierungen dieser Länder mit einer entsprechenden Steuer- und Sozialpolitik dafür sorgen, dass hier ein verantwortungsvoller Umverteilungsprozess vollzogen wird?

Sowohl die Wirtschaftskraft ehemaliger Entwicklungs- und Schwellenländer als auch deren Engagement z.B. in afrikanischen Ländern führt dazu, dass sich die Engagierten in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit an komplexere Verhältnisse gewöhnen müssen. Das traditionelle Argument, dass die im Süden arm sind, weil wir im Norden reich sind, stimmt in seiner allgemeinen Aussage nicht mehr. Die Veränderungen zu einer breiteren Teilhabe der Bevölkerung am Reichtum eines Landes müssen in dem Land selbst geschehen und vor allem unter Verantwortung der Bevölkerung, die ihre jeweilige Regierung wählt. Ein Engagement für und in den Ländern ist damit nicht ausgeschlossen, aber es sollte unter dieser Prämisse geschehen.

Schlichte Denkmuster ablegen

Europa und die USA seien die einzig mächtigen Länder, die vor allem Einfluss nehmen, etwa auch bei den UN-Konferenzen zur Ratifizierung der Klimaschutzabkommen, diese Vorstellung ist längst nicht mehr haltbar. Wenn Indien oder China nicht im Boot sind, lässt sich wegen deren hohen Bevölkerungszahlen und dem wachsenden Konsum global wenig bewegen.

Die Engagierten müssen also schlichte Denkmuster aus der Entwicklungszusammenarbeit bei der Analyse von Verhältnissen ablegen. Gleichzeitig müssen aber einfache Formen des Engagements angeboten werden. Auch wenn klar wird, dass die Verhältnisse von global ungerecht verteilten Lebensverhältnissen nicht von jedem einzelnen insgesamt verändert werden können, muss aufgezeigt werden, wo und wie man einen Teil zur Veränderung beitragen kann.

Eine Möglichkeit besteht darin, den eigenen Lebensstil im Hinblick auf den Konsum zu verändern. Denn wenn überall so viel Ressourcen verbraucht, bzw. soviel Kohlendioxid ausgestoßen würde wie in Deutschland oder in den USA, würden wir nicht mit einer Erde auskommen, sondern bräuchten gleich fünf. Gerade bei jungen Erwachsenen können mit der interaktiven Ausstellung zum individuellen ökologischen Fußabdruck gute Erfahrungen gemacht werden.

Lebensstil und Klimabelastung

Der Lebensstil mit dem hohen Fleischkonsum, der Massentierhaltung beinhaltet, betrifft auch Menschen in Südamerika und in Westafrika. Den Kleinbauern in Südamerika wird es schwer gemacht neben großflächigen Sojaanbau zu bestehen – allein schon wegen deren Pestizidausbringung, die Wasser und Böden verseucht. In Westafrika wiederum landen die Teile der Geflügelproduktion aus Europa, die in Deutschland nicht gekauft werden. Das zerstört nicht nur die dortige Geflügelaufzucht von Kleinbauern, sondern es ist auch gefährlich für die Gesundheit, weil es kein funktionierendes System einer geschlossenen Kühlkette gibt.
Der Lebensstil in Deutschland hängt mit den Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern zusammen und deshalb kann durchaus beim Einkauf von Produkten darauf geachtet werden, negative Auswirkungen zu vermeiden.

Auch der Aspekt der Klimabelastung gibt Möglichkeiten der Steuerung über den Lebensstil. Häufige Flugreisen und viel Autofahren belasten die Klimabilanz – und sind jeweils individuelle Entscheidungen.
Die EKD hat schon lange dazu aufgerufen, in den Einrichtungen auf ökofaire Beschaffung umzusteigen. Aus vielen Gründen ist das im jeweiligen Einzelfall gar nicht einfach. Um die kirchlichen und diakonischen Einrichtungen zu ermutigen, in diesem Bereich voran zu gehen, hat der KED den Fairtrade Award „Der faire Einkaufswagen“ ausgeschrieben. Auch in 2014 wird er wieder ausgelobt. Kirchengemeinden sowie kirchliche und diakonische Einrichtungen können sich bewerben.

Globale Zusammenhänge

Entwicklungspolitische Bildung mit Projekten und Veranstaltungen ist herausgefordert, verwickelte globale Zusammenhänge zu thematisieren, die auch uns hier in Deutschland betreffen. Anklage oder wütende Empörung allein helfen nicht in der noch weiter gewachsenen Komplexität und Ungleichzeitigkeit von Prozessen. Vielmehr ein nüchternes Auseinandersetzen und Beschäftigen mit dem jeweiligen Thema. Zuhören, Hinhören, Akzeptieren von Standpunkten, ohne dabei den eigenen aufzugeben, ihn ebenfalls zu artikulieren, dies sind Bestandteile einer Kommunikationskultur, die im Zuge gestiegener globaler Komplexität immer wichtiger werden. Bei den Veranstaltungen des KED werden kleine zeitlich befristete Lernorte dafür geschaffen, indem wir diese Form der Begegnung und des Gesprächs bei uns etablieren. Menschen mit unterschiedlichen nationalen, kulturellen und religiösen Hintergründen sind dabei. Das Thema verbindet und betrifft alle unterschiedlich – allein dies wahrzunehmen, ist eine Bereicherung.

Was die konzeptionell-strukturellen Herausforderungen angeht, so würde der KED gern die Kirchenkreise dazu ermuntern, im Rahmen ihrer Partnerschafts- und Eine-Weltarbeit die Fördermöglichkeiten der Inlandsarbeit von Brot für die Welt intensiver zu nutzen. Hier können neben Sachmitteln auch anteilige Personalkosten im Rahmen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit beantragt werden. Unterstützend und beratend wirkt der Ausschuss für entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik (ABP) in Niedersachsen.

Die Bildungs- und Begegnungsarbeit lebt besonders von dem Augenmerk auf die jungen AkademikerInnen mit Auslandserfahrung und auf die Internationalen Studierenden. Dies geschieht nicht nur im Hinblick auf die veränderten globalen Verhältnisse, in denen die jungen AkademikerInnen als Vertreter der Mittelschicht in ihren Herkunftsländern ein wesentlicher Motor für die Entwicklung des Landes sein werden. Dies gilt auch für die anstehenden Transformationsprozesse in Europa im Hinblick auf einen Ressourcen ärmeren Lebensstil. Aber auch die engagierten Menschen in der Eine-Welt und Partnerschaftsarbeit unserer Kirchengemeinden und Kirchenkreisen brauchen diese Art der Bildungsarbeit, um alte Denkmuster zu überprüfen und angesichts der komplexer gewordenen Problemstellungen noch bei ihrem Engagement zu bleiben.

Um diese Arbeit mit jungen AkademikerInnen fortführen zu können, werden über den 01.01.2016 hinaus beide Referentenstellen und die Stelle unseres Sozialpädagogen benötigt. Hier wird zu überlegen sein, wie diese Stellen fortgeführt werden können.