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Ausblick

Modellvielfalt macht Konfirmandenarbeit bunter

zukunft

Die Konfirmandenarbeit ist bunter geworden. Die Modellvielfalt entspricht den Arbeitsbedingungen in den Gemeinden, aber auch den religionspädago- gischen Überlegungen in den Kirchenvorständen, die neue Ordnungen in der letzten Zeit erlassen haben.

In manchen Regionen existieren noch sehr disparate Modelle und inhaltliche Konzeptionen zwischen „alt“ und „neu“. In anderen Regionen ist die Vielfalt noch nicht in ein gemeinsam verantwortetes Regionalkonzept eingeordnet, was in wieder anderen Regionen der Landes- kirche für die Jugendlichen gerade eine Wahlmöglichkeit eröffnet und den Schritt zur Teilnahme an der Konfirmandenarbeit erleichtert. Zusammen mit der Beratung für die Konfirmandenarbeit in unserer Landeskirche ist weiter für die Entwicklung der Konfirmandenarbeit vor Ort auf der Grundlage der Richtlinien zu sorgen. Dabei werden die Chancen und Möglichkeiten von Kooperationen angesichts der demographischen Entwicklung und der zu erwartenden Personalentwicklung in der Landeskirche weiter zu fördern sein.

Verantwortung von Kirchenvorständen

Die Verantwortung der Kirchenvorstände und der Kirchenkreisvorstände im Bereich Konfirmandenarbeit wurde gestärkt. Die Verantwortung für gelin- gende Arbeit mit Konfirmanden und Konfirmandinnen liegt nicht allein beim Pfarramt. Einheitliche Grundstandards im Kirchenkreis etwa im Blick auf Einladungsweisen, terminliche Absprachen mit Schulen, Gottesdienst-besuche, Honorarregelungen für Mitarbeitende u.a. erhöhen die Attraktivität der Konfirmandenarbeit insgesamt. Es gibt zunehmend Kirchenkreise, die den Auftrag des Konfirmandengesetzes ernst nehmen, für einheitliche Rahmenbedingungen in der Konfirmandenarbeit Sorge zu tragen.

Wünschenswert wäre, wenn dies nicht nur unter strukturellen Aspekten ge- schieht, sondern mit dem dezidierten Ziel, die Konfirmandenarbeit weiter zu entwickeln und die religionspädagogischen und inhaltlichen Ziele, wie sie auch in den Rahmenrichtlinien der Landeskirche ausgeführt sind, gemein- sam zur Grundlage der Arbeit zu machen.

Weiterer Aufwind nötig

Die Konfirmandenarbeit braucht weiteren Aufwind. Insbesondere in den städtischen Räumen sinken die Anmeldezahlen, auch wenn man die demographischen Entwicklungen berücksichtigt.

Die Werbekampagne für die Konfirmandenarbeit „Für Dich ist alles drin“, die zeitgleich mit der Veröffentlichung der Rahmenrichtlinien in die Landes- kirche gestartet wurde, entfaltet sichtbare Wirkung und die Rückmeldungen sind sehr positiv. Bereits 50% der Konfirmandengruppen in der Landeskirche nutzen für ihre „Konfer-Zeit“ die von der Landeskirche zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellten Materialien. Es muss aber weiter überlegt werden, wie die Konfirmandenarbeit gestärkt und die Teilnehmendenzahl, auch von Kindern und Jugendlichen, die noch nicht getauft sind, erhöht werden kann. Auch die Zugriffe auf die eingerichtete Website mit Informationen und Material zur Konfirmandenarbeit sind hoch.

Weiterbildung

Den letzten Weiterbildungskurs für Konfirmandenberatung haben im Januar 2012 sechs neue Beraterinnen und Berater aus der Hannoverschen Kirche abgeschlossen und wurden für fünf Jahre berufen, im Jahr 2013 haben sich (von den 2008 zuerst berufenen) 18 für weitere fünf Jahre berufen lassen, so dass derzeit 24 Beraterinnen und Berater in unserer Landeskirche arbeiten. Am neuen Weiterbildungskurs 2013, der im Januar 2015 endet, nehmen sieben Personen teil, so dass langfristig eine Anzahl von um die 20 Aktiven gesichert ist. Dazu ist es nötig, alle drei Jahre eine solche Weiterbildung anzubieten.

Die Nachfrage von Gemeinden und Regionen nach Beratungen schwankt zwischen 10 und 25 Beratungen pro Jahr. Die meisten Beratungen finden im Rahmen von Umstrukturierungsprozessen, Stellenkürzungen und Regiona- lisierungen statt. Hier wäre eine stärkere Einsicht und Bereitschaft unter den hauptamtlich Verantwortlichen für die Konfirmandenarbeit wünschenswert, sich Beratung und Unterstützung zu suchen.

Zugleich wird im Jahresgespräch mit Pastorinnen und Pastoren sowie Diakoninnen und Diakone verstärkt auf die Möglichkeit zur Nutzung der Konfirmandenberatung hingewiesen. Zunehmend werden die Beraterinnen und Berater aber auch im Rahmen von Visitationen herangezogen und beraten die Kirchenkreisvorstände bei den mit dem neuen Gesetz für die Konfirmandenarbeit (2011) anstehenden Genehmigungsverfahren für die gemeindlichen Ordnungen für die Konfirmandenarbeit. Dies stärkt ihre fachliche Stellung im Kirchenkreis spürbar.

Vernetzung

Vernetzungen zwischen Konfirmanden- und Jugendarbeit sind weiter zu fördern. In vielen Kirchenkreisen werden entsprechende Modelle erprobt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Konfirmandenarbeit wesentlich darüber entscheidet, ob Jugendliche nach der Konfirmation einen Weg in die evangelische Jugendarbeit finden. Umgekehrt benennen Konfirmierte in der Rückschau die Freizeiten bzw. Camps oder Fahrten mit dem Segelboot zu 90% als einen Höhepunkt ihrer Konfirmandenzeit. Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit sind aufeinander angewiesen.

Jugendliche Teamer

Die Zahl der ehrenamtlich mitwirkenden Jugendlichen in der Konfirmanden- arbeit steigt erfreulicherweise ständig an. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, Konfirmandenarbeit nachhaltig zu gestalten. Die Jugendlichen enga- gieren sich auch nach der Konfirmation. Hier geht es um die Zukunft von Kirche und die Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden in allen Bereichen von Kirche. Dieses Engagement gelingt nur dann, wenn die Jugendlichen als Mitarbeitende ausreichend qualifiziert sind.

Die Ausbildung und Schulung von Jugendlichen im Bereich Kirche kann dabei nicht unabhängig von den Strukturen der Evangelischen Jugend durchgeführt werden. Teamer-Ausbildung ist Jugendarbeit. Zugleich kann die Ausbildung von Ehrenamtlichen für eine Konfirmandenarbeit in den Gemeinden und Regionen nicht unabhängig von den Anforderungen und spezifischen Rahmenbedingungen vor Ort geschehen. Die Ausbildung von ehrenamtlichen Jugendlichen für die Konfirmandenarbeit soll in Verantwor- tung der Kirchenkreisjugenddienste und in Zusammenarbeit mit den Ge- meinden geschehen. Hier liegt eine gemeinsame Aufgabe von Gemeinden und Kirchenkreisen. Teamer-Treffpunkte, Gestaltung von Jugendgottes- diensten und andere Aktionen über die eigentliche Konfir- mandenarbeit hinaus machen die Teamer-Arbeit für Jugendliche attraktiv, brauchen aber hauptamtliche Betreuung und entsprechende Ressourcen.

Im Blick auf die Ausbildung von Ehrenamtlichen für die Konfirmandenarbeit gelten dabei die gleichen Qualitätskriterien wie für gute Konfirmandenarbeit bzw. wie für gute Jugendarbeit. Die Jugendlichen müssen in den Kursen Gelegenheit haben, sich Wissen und Fähigkeiten zu erarbeiten, sie müssen begleitet werden, um als Persönlichkeiten bzw. als "sprachfähige Vorbilder im Glauben" wachsen zu können, und sie müssen in einer Gruppe von Gleichaltrigen für sich und für andere aktiv werden können.

Gottesdienst

Das Verhältnis von Gottesdienst und Konfirmandenarbeit ist noch mehr in den Fokus zu rücken. Kirchenkreis- und Pfarrkonferenzen haben sich in den letzten Jahren intensiv mit diesem Thema befasst und auch in vielen Kirchenvorständen wird über Gottesdienstgestaltung und Gottesdienst- programme nachgedacht. Das Jugendgottesdienst-Projekt "Nähme ich Flügel ...“, das vom Evangelischen Zentrum für Gottesdienst und Kirchen- musik, Hildesheim, dem Landesjugendpfarramt und dem Religionspädago- gischen Institut Loccum in die Wege geleitet und erfolgreich abgeschlossen wurde zeigte ebenfalls gute Resonanz. Hier gilt es für die Zukunft noch stärker die Konfirmanden- (und Jugend-) Arbeit und das regionale Gottesdienst- programm aufeinander zu beziehen und Jugendlichen Chancen zur Beteiligung zu eröffnen.

Eine Herausforderung bilden dabei die Sonntagsgottesdienste, die den Jugendlichen in Form, Sprache und Atmosphäre fremd bleiben und am Ende der Konfirmandenzeit noch kritischer gesehen werden als am Anfang. Alternative Gottesdienstformen stoßen dagegen auf Zustimmung. Die Entwicklung von Jugendgottesdiensten und genuinen Konfirmanden- gottesdiensten und die angemessene Beteiligung von Konfirmanden und Konfirmandinnen am sonntäglichen Gottesdienstprogramm bleibt eine dringliche Aufgabe.

Inklusion

Die deutliche Bejahung einer inklusiven Konfirmandenarbeit durch die Landeskirche stellt die Gemeinden und die jeweiligen Konfirmanden- gruppen vor große Herausforderungen, löst aber auch Respekt und not- wendige Diskussionen aus. Die Konfirmandenarbeit ist ein Bereich, in dem schon immer mit heterogenen Gruppen gearbeitet wurde. Durch die Rah- menrichtlinien und die Info-Broschüre der Landeskirche zur inklusiven Konfirmandenarbeit wie auch die Arbeitsmaterialien des RPI wird die Diskussion um eine „Inklusive Gemeinde“ häufig ausgehend von der Konfir- mandenarbeit geführt oder angeregt. Es ist gut, wenn die Landeskirche Zeichen setzt, die diesen Prozess begleiten und voranbringen.