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Rückblick und Information

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Nicht nur in Niedersachsen ist die Schule im Fokus des öffentlichen und des politischen Interesses. Es ist mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass die frühkindliche Elementarbildung in Kindertagesstätten und die schulische Bildung in der Regel entscheidend sowohl für die Entwicklung des Einzelnen als auch der Gesellschaft sind. Für die aktuellen und zukünftigen beruflichen Herausforderungen und für die oft sehr differenzierten und komplexen Anforderungen der zunehmend global gestalteten Gesellschaft schafft die schulische Bildung eine Grundlage. Aber das Zusammenleben verlangt auch deutlich höhere Kompetenzen im Umgang mit der Pluralität und Komplexität der Lebensformen und der möglichen Lebensentwürfe, mit der Multikulturalität und Multireligiosität und schließlich mit biografischen Brüchen und Krisen. Dies alles verschärft sich auf dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. 

Herausforderungen

Für das schulische Bildungssystem stellen sich Herausforderungen, die im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu bewältigen sind, aber auch im Interesse einer gelingenden gesellschaftlichen Weiterentwicklung:

  • Die frühkindliche Bildung ist weiter auszubauen, gerade um der Chancengleichheit für Kinder aus bildungsfernen Schichten willen. Dazu gehört auch der Aufbau von Familienzentren, die Bildungsangebote auch für Eltern machen, z.B. Sprachförderung von Migranten. Dafür sind die Erzieher und Erzieherinnen entsprechend zu qualifizieren.
  • Die Zusammenarbeit von Kindertagesstätten und Grundschulen ist um der Vernetzung von frühkindlicher und schulischer Bildung, aber auch um eines guten Überganges willen auszubauen.
  • Die hohe Zahl von Bildungsverlierern, besonders unter Einwanderern bzw. von Einwandererkindern ebenso wie die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss ist deutlich zu verringern.
  • Viele Schulen sind ein Brennpunkt des multikulturellen und multireligiösen Zusammenlebens und stehen vor der Herausforderung, den Schülerinnen und Schülern die Entwicklung der dafür notwendigen sozialen, emotionalen und religiösen Kompetenzen zu eröffnen.
  • Der Bildungsbegriff darf sich nicht allein daran orientieren, dass Schüler und Schülerinnen ein für die Ausbildung, Studium und Beruf allein relevantes Wissen erwerben. Bildung hat darüber hinaus die Aufgabe, Orientierungs- und Handlungskompetenz zu ermöglichen, Sinnfragen zu bearbeiten und umfassende Kompetenzen "zur Selbstregulation und eigenständigen Lebensführung in sozialer Verantwortung" (Thomas Rauschenbach) zu vermitteln.
  • Das Schulsystem in Niedersachsen befindet sich gegenwärtig in einem Umbruch.

Entwicklung

Aufgrund der abnehmenden Schülerzahlen zum einen und dem Wahlverhalten der Eltern beim Übergang in die weiterführenden Schulen zum anderen werden Schulen geschlossen oder zusammengelegt. In vielen, insbesondere in den ländlichen Regionen ist absehbar, dass ein dreigliedriges Schulsystem nicht aufrecht erhalten werden kann. Es zeichnet sich ein zweigliedriges System der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen ab: Gymnasien und Gesamtschulen. 

  • Um der Vereinbarkeit von Familie und Beruf willen, aber auch insbesondere zur Förderung der Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Schichten, werden immer mehr Schulen zu (gebundenen) Ganztagsschulen.
  • Mit Beginn des Schuljahres 2013/14 ist die Umsetzung der Inklusion, also der sich immer weiter verstärkenden gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung, das große schulpolitische Projekt der Landesregierung. Dies bringt eine erhebliche Veränderung in den Schulen mit sich und stellt eine große pädagogische und didaktische Herausforderung dar.
     

In dieser Situation konzentriert sich das kirchliche Engagements an kommunalen Schulen auf:

  • Die Landeskirche tritt entschieden ein für die Ermöglichung von Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen, denn eine gegenwärtig zentrale Herausforderung aller Bildungsarbeit ist die Verwirklichung von Bildungsgerechtigkeit, die eine wesentliche Grundlage von Befähigungs- und Teilhabegerechtigkeit darstellt. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Armut und mangelnder Bildung. Die unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten der einzelnen Kinder und Jugendlichen, die in Armut aufwachsen, werden oftmals noch nicht hinreichend gefördert, und die Teilhabe am sozialen, kulturellen und kirchlichen Leben wird durch Armut sehr erschwert. Deshalb haben Landessynode, Diakonisches Werk und Landeskirchenamt die Aktion "Zukunft(s)gestalten" (Link) ins Leben gerufen, die die Bildungschancen von durch Armut betroffenen Kindern verbessern will.
  • Es ist heute Aufgabe der Kirche aufzuweisen, dass nur eine Bildung, die auch auf religiöse Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zielt, eine umfassende, für die Entfaltung der Persönlichkeit notwendige Bildung ist. Das kulturelle und religiöse Gedächtnis dieses Landes ist seit Jahrhunderten entscheidend durch das Christentum mitgeprägt. Dies bedeutet, dass nur die- oder derjenige, die bzw. der das kulturelle und religiöse Gedächtnis "lesen" (im Sinne von Verstehen) kann, auch Kenntnisse über den christlichen Glauben besitzt. Dazu gehören insbesondere auch Kenntnisse über die Bedeutung von christlichen Festen und Feiertagen, für deren angemessene Gestaltung an kommunalen Schulen sich die hannoversche Landeskirche einsetzt. Das Verständnis des religiösen und kulturellen Gedächtnisses der Gesellschaft ist eine wesentliche Voraussetzung für den multikulturellen und multireligiösen Dialog in der Gesellschaft, der sich gegenwärtig in besonderer Weise an den Schulen fokussiert. Hierfür müssen sowohl vertiefte Kenntnisse und Kompetenzen in der eigenen Religion wie auch Wissen und Kompetenzen in den fremden Religionen erworben werden.
  • Vom Gedanken der Gottesebenbildlichkeit her, tritt die hannoversche Landeskirche für die Vermittlung eines umfassenden Bildungsbegriffes an öffentlichen Schulen ein und tut dies auch mit eigenen Angeboten mit dem Ziel der Entfaltung der einzelnen Schülerpersönlichkeit. Es geht dabei neben der religiösen Bildung um die Förderung insbesondere der emotionalen, sozialen und ästhetischen Bildung.
  • Wenn Ganztagsschulen zu einem wesentlichen Lern- und Lebensort von Kindern und Jugendlichen werden, wird es für die Zukunft der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wesentlich drauf ankommen, dass die schulnahe Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu einem zweiten Standbein der Arbeit der Evangelischen Jugend wird (Link Evangelische Jugend und Schülerinnen- und Schülerarbeit).

Die landeskirchliche Teilnahme am öffentlichen Diskurs insbesondere um die schulische Bildung konkretisiert sich dadurch, dass sie aktuelle Beiträge und Stellungnahmen zu bildungspolitischen Themen, konkreten schulischen Einzelfragen oder Fragen der Elementarpädagogik verfasst. Sie führt regelmäßige Gespräche, aber auch Tagungen und große Foren durch, mit den an öffentlichen Bildungseinrichtungen, insbesondere im Bereich von Schulen Tätigen, mit (Religions)lehrkräften, Schulleitungen, Mitarbeitenden in der Schulaufsicht oder in der Ausbildung Verantwortlichen genauso wie mit Schülerinnen und Schülern, Eltern oder Politikerinnen und Politikern. Sie gestaltet im 3 jährigen Turnus gemeinsam mit den anderen Kirchen der Konföderation und den katholischen Bistümern ein Programm auf der Bildungsmesse „Didacta“. Ein wesentliches inhaltliches Anliegen ist dabei das Eintreten für die religiöse Bildung, "Bildung braucht Religion", und damit auch für den Religionsunterricht (Link). Sie fördert inhaltlich und finanziell die Errichtung von „Räumen der Stille“ an kommunalen Schulen. Die Beauftragten für Schule in den Regionen versuchen gemeinsam mit den Superintendenten und Superintendentinnen sowie den Mitgliedern der Schul- und Bildungsausschüsse der Kirchenkreise eine Vernetzung zwischen Kirche und Schule aufzubauen.
Alle diese Maßnahmen und Projekte werden dauerhaft weiter gebraucht, weil Kirche ein vitales Interesse an der religiösen Bildung von Kindern und Jugendlichen besitzt.