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Rückblick

Konfessioneller Religionsunterricht

vergangen

Ein wesentliches Element der Mitverantwortung von Kirche für die Schule ist der konfessionelle Religionsunterricht. Auch aufgrund der Erfahrungen des nationalsozialistischen Totalitarismus wurde gerade der Religionsunterricht im Grundgesetz verankert. Nach Art 7,3 GG gilt: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.“

Er wird als konfessionelles Fach erteilt, in Übereinstimmung mit dem zweiten Satz dieses Grundgesetzartikels, wonach der Religionsunterricht „unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ wird. Damit wird dieser Unterricht zu einer „res mixta“, einem gemeinsam von Staat und Religionsgemeinschaft verantworteten Unterricht.

Dies hat seinen Grund darin, dass der Staat, gerade weil er nach dem Grundgesetz zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, die Inhalte und Ziele des von ihm garantierten Religionsunterrichtes nicht bestimmen kann. 

Die Rahmenbedingungen für den Religionsunterricht sind im Erlass „Regelungen für den Religionsunterricht und den Unterricht Werte und Normen“ (RdErl. d. MK v. 10.5.2011 – 33-82105 – VORIS 22410)  festgelegt. Der Religionsunterricht wird überwiegend von staatlichen Lehrkräften erteilt; um die Unterrichtsversorgung an einzelnen Schulen zu verbessern, erteilen zusätzlich Schulpastorinnen und –pastoren sowie katechetische Lehrkräfte Evangelische Religion.

Die Kirchen der Konföderation haben die Einsichtnahme in den Religionsunterricht an kirchlich (evangelisch) gebundene Repräsentanten der niedersächsischen Landesschulbehörde übertragen.

Die ihr vom Staat gewährten Mitwirkungsrechte bei den Lehramtsprüfungen, bei den Akkreditierungsverfahren für den Lehramtsstudiengang, der Erstellung von Lehrplänen, Kerncurricula oder Bildungsstandards, der Gestaltung von Stundenvorgaben für den Religionsunterricht und den fachlichen Auflagen für den Religionsunterricht (Schulbücher) nimmt die Konföderation konsequent wahr.

Die Kirchen unterstützen, qualifizieren und begleiten, auch seelsorgerlich, die (angehenden) Religionslehrkräfte ebenso wie die Fachberaterinnen und –berater oder die Studienleiterinnen und Studienleiter. Diese Aufgaben übernehmen für die Landeskirche insbesondere das Religionspädagogische Institut in Loccum und die mit ihm verbundene Arbeitsstelle für evangelische Religionspädagogik Ostfriesland, die Beauftragten für Kirche und Schule in den Regionen und die Mentorinnen und Mentoren für die Lehramtsstudierenden Evangelische Religion.

Darüber hinaus pflegen die Superintendentinnen und Superintendenten in ihren Kirchenkreisen den Dialog mit den Schulen, und begleiten die Situation des Religionsunterrichts ebenso wie die Religionslehrkräfte.

Vokation und Begleitung

Zur Mitverantwortung der evangelischen Kirchen für den Religionsunterricht gehört auch die Erteilung der Vokation bzw. der Widerruflichen Unterrichts- bestätigung (für Mitglieder einer evangelischen Freikirche) (vgl. Kirchen- gesetz der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen über die kirchliche Bestätigung von Religionslehrkräften in der Fassung vom 17. Juni 2006 (KABl. S.94), zuletzt geändert am 12. Dezember 2011 (KABl. S.260).

Damit unterstreichen die evangelischen Landeskirchen ihre partnerschaft- liche Zusammenarbeit mit den Religionslehrkräften und „verpflichten sich…, die Lehrkräfte durch begleitende Fortbildungsmaßnahmen, durch das Angebot von persönlicher Begleitung und Beratung und durch Bereitstellung von didaktischen und methodischen Hilfen zu unterstützen.“ (Kirchengesetz § 1, Abs. 2)  

Gegenwärtig sind zunächst auf fünf Jahre befristete Stellen (0,5) für Men- torinnen und Mentoren zur Begleitung von Lehramtsstudierenden im Fach Evangelische Religion (an den Standorten Hannover, Hildesheim, Göttingen, Lüneburg und Osnabrück) durch die Landeskirche eingerichtet worden, um die Lehramtsstudierenden sowohl seelsorgerlich zu begleiten, ihnen Angebote zu machen, Kirche, ihre Gemeinden, Einrichtungen und Veranstaltungen näher kennenzulernen und um ihnen durch Exkursionen, Gottesdienste und gemeinsame Projekte Erfahrungen im Glauben zu eröffnen. Diese Angebote werden bisher sehr nachgefragt und von den Studierenden wertgeschätzt.

Religionsunterricht als Bildungsauftrag

Der christliche Glaube ist für die Reformatoren, insbesondere für Martin Luther und Philipp Melanchthon, nur als ein gebildeter Glaube denkbar.

Glaube braucht Bildung, aber Bildung braucht auch Religion. Der Religions- unterricht ist ein wesentlicher Bestandteil des Bildungsauftrages von Schule, weil er die zur Identitätsbildung unverzichtbare Beschäftigung mit religiös geprägter Weltwahrnehmung und Weltdeutung in die Schule trägt. Sein Gegenstand sind die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des menschlichen Lebens in evangelischer Perspektive. Die Religion stellt insbesondere die Frage nach dem Sinn der Wirklichkeit unter Berücksich- tigung der Person und ihren subjektiven Erkenntnis-, Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten in existenziell bedeutsamen Situationen.

Schüler und Schülerinnen lernen im Religionsunterricht diese verschie- denen Wirklichkeitszugänge zu unterscheiden und zwischen den Perspek- tiven zu wechseln. Die biblischen Schöpfungsgeschichten etwa ersetzen nicht das naturwissenschaftliche Welterklärungsmodell, aber sie werfen ein anderes Licht auf die Entstehung der Welt.

Das religiöse Verstehen ist somit nicht dem naturwissenschaftlichen oder philosophischen gleich, wohl aber gleichwertig. Im Religionsunterricht wird deutlich, dass die Religion ein eigenständiger Bereich menschlicher Kultur ist und menschliches Leben und unsere Gesellschaft prägt. Gerade ange- sichts der Globalisierung und der pluralen kulturellen und religiösen Lebens- zusammenhänge, in denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, wird religiöse Bildung immer wichtiger.

Der Religionsunterricht an der öffentlichen Schule ist ein unverzichtbarer Ort existentieller Verwurzelung und Identitätsbildung, ethischer und religiöser Urteilsbildung sowie der Orientierung in der Welt und der Ausbildung kul- tureller und religiöser Toleranz (Vgl. 10 Thesen des Rates der EKD zum Religionsunterricht 2006). 

Das Fach Religion in Niedersachsen

Im Bundesland Niedersachsen kann das Fach Religion seit 1998 konfessionell-kooperativ erteilt werden.

Katholische Bistümer und evangelische Kirchen haben sich in gemeinsam wahrgenommener Verantwortung darauf geeinigt, dass evangelische und katholische Schüler und Schülerinnen für bestimmte Schuljahrgänge zeitlich befristet gemeinsam unterrichtet werden können. Evangelische und katholische Lehrkräfte übernehmen dann wechselweise den Unterricht.

Dabei darf kein Kind an einer öffentlichen Schule zum Religionsunterricht gezwungen oder religiös vereinnahmt werden. Ausdrücklich regelt Art. 7,2 GG: „Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.“ Ersatzfach ist hier im Bereich der weiterführenden Schulen das Fach „Werte und Normen“.

Negative und positive Religionsfreiheit hält das Grundgesetz so in der Balance. So hat jeder Mensch einerseits auch in der Schule das Recht, sich religiös zu bilden und seiner Religiosität Ausdruck zu verleihen. Andererseits kann er auf eine religiöse Bildung verzichten. Da aber der Staat ein grundsätzliches Interesse an einer ethischen Bildung und einer Werteorientierung für alle Schülerlinnen und Schüler hat, muss er dann am Unterricht Werte und Normen in den weiterführenden Schulen teilnehmen, sofern wie bei der Einrichtung des Religionsunterrichts die Zahl von 12 Schülern an einer Schule erreicht wird.

Förderung

Der Religionsunterricht ist auf die kirchliche Unterstützung auf allen Ebenen angewiesen, um in der Schule zu „bestehen“. Es ist notwendig, den Kontakt mit Schulleiterinnen und Schulleitern, mit Eltern und Schülerinnen und Schülern zu suchen und zu pflegen, um deutlich zu machen, dass der Religionsunterricht einen unverzichtbaren Beitrag zur schulischen Bildung leistet und welchen Beitrag genau er dabei leistet, auch für das Zusammenleben einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft. Der Religionsunterricht braucht die Kirche(ngemeinden) als Ort gelebter Religion, um Schülerinnen und Schülern Begegnungen mit der Praxis christlichen Glaubens zu eröffnen.

Die Landeskirche fördert den Religionsunterricht darüber hinaus durch besondere Maßnahmen, wie den Schülerlandeswettbewerb Evangelische Religion oder seit 2013 den Abiturpreis für herausragende Leistungen im Fach Evangelische Religion.

Alle für den Religionsunterricht in Niedersachsen relevanten Texte finden sich in: Religionsunterricht in Niedersachsen. Dokumente – Erklärungen – Handreichungen, hg. vom Katholischen Büro Niedersachsen und der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Hannover 2012. Die Broschüre kann kostenlos bestellt werden bei der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Rote Reihe 6, 30169 Hannover