Ausblick

Zwei Fragestellungen

zukunft

 

Für die nächsten Jahre ergeben sich zwei Fragestellungen für eine kirchliche Arbeit mit Führungskräften und Unternehmensleitungen:

Wie kann die Verbindung vom Management und Spiritualität noch enger werden?

In einer oft gnadenlosen Wirtschaftswelt mit ihren Zwängen zur ständigen Optimierung braucht es die weitere Aktivierung der Ressource des Glaubens als maßgebliche Bestimmungsgröße der einzelnen Führungskraft, die alle Arbeit transzendiert.

Dies ist zum einen wichtig, damit einzelne Menschen nicht zerbrechen, zum anderen, damit sie ihr Tun aus einer ethischen Haltung heraus gestalten. Unser kirchliches Handeln gegenüber Führungskräften, also angestellten Managern wie selbständigen Unternehmern, sollte sich noch mehr daran orientieren, dass auch sie ein Ebenbild Gottes sind und geistliche Begleitung brauchen.

Hier gilt es besonders in der Seelsorge noch mehr zuerst den Menschen in seiner Rolle zu sehen und ihm auf Augenhöhe zu begegnen und nicht primär als Funktionär der Wirtschaft. Dies gilt auch für einen eigenen Ansatz der Begleitung von weiblichen Führungskräften in einer noch männerdominierten Wirtschaftswelt. Natürlich bedarf es dazu neben der seelsorgerlichen Kompetenz auch eine Kenntnis der Wirtschaft und der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Führungskräften.

Konzeptionell ist deshalb der Ansatz eines Priestertums aller Glaubenden auch auf Führungskräfte auszuweiten. Spiritual Consulting hat dies ansatzweise versucht, einmal in der Profilierung von Führungskräften in der Mitwirkung in Gottesdiensten, Andachten und Bibelarbeiten, besonders in den Retraiten und auch auf Pilgertouren. Dies stößt auf ein gutes Interesse, weil Führungskräfte zunehmend neben ihrer rationalen Seite auch ihre spirituelle Seite weiterentwickeln möchten.

Zum anderen haben wir eine Reihe von sogenannten „Laienpredigten aus dem Wirtschaftsleben“ gestartet, wo Führungskräfte zu einem Text aus der Bergpredigt eine Auslegung schreiben, die zur Zeit in den Göttinger Predigten im Internet veröffentlicht werden. Diese Ansätze sind weiter auszubauen, um religiös suchenden Führungskräften ein Angebot der Mitwirkung und der eigenen Glaubensentwicklung in den Traditionen unserer Kirche und unserem evangelisch-lutherischen Profil zu ermöglichen und sie nicht dem Markt der Esoterik oder fernöstlicher Lehren oder einem freikirchlichen Rigorismus zu überlassen.

Eine interessante weitergehende Fragestellung ist in den nächsten Jahren, ob es gelingt, Führungskräfte in Hinsicht auf evangelische Verantwortungseliten zu begleiten. Die diesbezügliche Orientierungshilfe der EKD von 2011 stellt hier einen guten und sachgerechten Rahmen dar, ist aber wenig angewandt worden, weil sich alle vor einem falschen Elitebegriff fürchten. Gemeint ist, sich aus einer Glaubensgewissheit heraus für andere einzusetzen, für ein faires Wirtschaften wie für die Schwachen in dieser Gesellschaft, und dazu seine Kompetenz und seine Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen.

Hier gilt es, immer wieder Plattformen zu finden, wo eine Verbindung von Glauben und Handeln, von evangelischer Spiritualität und Ethik eingeübt werden kann. Kirche und kirchliches Handeln müssen sich dazu nicht nur als moralische Instanz verstehen, sondern auch als geistliche Größe und dies in ihrem Handeln praktisch anschaulich zeigen und Führungskräfte inklusiv mit hineinnehmen.

Wie können Unternehmen ihre Verantwortung besser wahrnehmen?

Kirche und kirchliches Handeln hat immer auch mit der Verbesserung der konkreten Lebens- und Arbeitssituationen zu tun, und verlangt in den Entscheidungen Verantwortung vor Gott und den Menschen. Die Handelsebene von Ethik verlagert sich immer mehr auf das Handeln von Unternehmen. Deshalb bezieht sich der Ansatz von Spiritual Consulting nicht nur auf den Einzelnen, sondern auch auf Unternehmensleitungen. Hierbei ist im kirchlichen Handeln zu unterscheiden zwischen börsengeführten Unternehmen und Familienunternehmen, die grundsätzlich anders arbeiten. Zusätzlich sind auch die eher genossenschaftlich strukturieren Unternehmen wie große Kanzleien oder Gesellschaften zu beachten.

Die Beratung und Begleitung von Vorständen wird in Zukunft eine noch größere Bedeutung bekommen, weil hier die Entscheidungen fallen und die Kultur des Unternehmens geprägt wird. Zunehmend kommen Unternehmen mit ihren Führungskräften für ein bis zwei Tage in kirchliche Räume wie Klöster oder Akademien, um so etwas wie den spirituellen Geist in ihre Arbeit mit einfließen zu lassen. Es braucht weiterhin und verstärkt kompetente geistliche Begleiter von Vorständen, die sich zugleich im wirtschaftlichen Bereich auskennen und dort sicher agieren können.

Dazu gehört auch eine geistliche Unabhängigkeit gegenüber jeglicher wirtschaftlicher Logik, um sich hier nicht einspannen zu lassen, sondern aus dem Evangelium heraus immer wieder eigene Impulse setzen zu können. Dies ist in Zukunft eine wichtige Aufgabe und ein spannender Prozess.

Für die kommenden Jahre mit dem Reformationsjubiläum 2017 können dazu die wirtschaftsethischen und auch wirtschaftskritischen Schriften Martin Luthers einen Ansatz bieten, aus denen heraus über die Verantwortung von Unternehmen intensiver nachgedacht und gerungen wird und zugleich eine Verbindung zur evangelisch-lutherischen Kirche hergestellt werden kann.