Demografischer Wandel

Nachricht 23. Mai 2014

Kirchengemeinden, Vereine und Politiker auf dem Lande müssen noch enger zusammenarbeiten, um die Dörfer in Zeiten des demografischen Wandels lebenswert zu erhalten. Ein großes Gewicht werde dabei dem Ehrenamt zukommen, betonten Vertreter von Kirche, Diakonie und Verwaltung im Landkreis Diepholz am Freitagabend während einer Podiumsdiskussion in der Diepholzer Michaeliskirche. Der evangelische Landessuperintendent Dr. Burghard Krause regte an, die Ehrenamtsarbeit professioneller zu organisieren und wertschätzender mit den Engagierten umzugehen.

Der Osnabrücker Regionalbischof Krause diskutierte mit der Geschäftsführerin der Diakonischen Werke Diepholz und Syke-Hoya, Marlis Winkler, dem Ersten Kreisrat im Landkreis Diepholz, Wolfram van Lessen, und der dortigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Astrid Schlegel über die Frage "Wie steigern wir die Lebensqualität im ländlichen Raum?" Die Hanns-Lilje-Stiftung der Hannoverschen Landeskirche hatte dazu rund 50 weitere Politiker, Vertreter von Verbänden und Vereinen sowie Mitarbeiter von Kirche und Diakonie aus der Region eingeladen.
Der Staat werde in Zukunft aufgrund der immer größer werdenden Zahl alter Menschen nicht mehr ein "Füllhorn an Geldern zur Verfügung haben", sagte van Lessen und ergänzte mit Blick auf ehrenamtliches Engagement: "Eine Gesellschaft, die sich selber helfen kann, wird immer wichtiger."
Marlis Winkler warnte, dass es bei allen bereits gut funktionierenden Nachbarschafts- und Unterstützungssystemen noch immer Gruppen gebe, die rausfielen. Dazu gehörten vor allem alleinerziehende Mütter und alte Menschen, die auf dem Lande keinen bezahlbaren Wohnraum fänden.
Astrid Schlegel plädierte dafür, mit kleinen Projekten in einzelnen Ortsteilen zu beginnen, wie etwa einem Fahrdienst oder einem Sorgentelefon für alte Menschen. Wenn sie erfolgreich seien, könnten sie ausgedehnt werden. Der Diepholzer Polizeidirektor Bernd Kittelmann wies angesichts des Altersdurchschnitts der Anwesenden von deutlich über 50 daraufhin, dass auch Jugendliche in solche offenen Diskussionen einbezogen werden sollten. Denn auch die Landflucht junger Menschen sei ein Problem. Insgesamt war die Diskussion und auch die 8 Gesprächsgruppen zuvor im Rahmen eines „World Cafès“ von vielen positiven Beispielen im ländlichen Raum geprägt und viele Teilnehmer begrüßten diesen fachlichen Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft.   
Der Freitagabend war der Auftakt für die Veranstaltungsreihe "Stadt, Land, Lust", die den Sommer über noch an fünf weiteren Orten in Niedersachsen Station machen wird. Die Lilje-Stiftung hat jeweils Führungspersönlichkeiten aus Diakonie, Kirche, Politik und Wirtschaft eingeladen, sich über die Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels auszutauschen. Den Abschluss bildet am 14. Oktober ein Treffen von Landesbischof Ralf Meister mit Ministerpräsident Stephan Weil in der Michaeliskirche Hildesheim. Sie sollen im Gespräch die Vorschläge aus den Regionen aufnehmen.
Pressebericht von M. Schwager  24.05.2014