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Gedenken an den Atombombenabwurf in Hiroshima vor 70 Jahren in der Ruine der Aegidienkirche in Hannover am 6.August 2015. Bild: Cordula Paul

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Aussendungsfeier in Oldenburg, Bild: Annika Richter/Evangelische Zeitung

Wenn der Glaube in der Liebe zur Tat wird

Landessuperintendent Dieter Rathing widmet seine diesjährige Sprengelbereisung im Spätsommer und Herbst Friedrich Wilhelm Raiffeisen - der christliche Sozialreformer wurde vor 200 Jahren geboren. Was ist aus seinem Genossenschafts-Gedanken geworden, wo leben seine Ideen heute fort? Zur Einstimmung in das Thema lesen Sie hier einige Gedanken von Peer-Detlev Schladebusch vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitsfeld. Nähere Informationen zur Sprengelbereisung zu gegebener Zeit an dieser Stelle...

Der Wirtschafts-Revolutionär

Was kann einer allein schon bewirken? 
Erst recht, wenn er aus armen Verhältnissen kommt, kränklich ist und in einem 300-Seelen Dorf lebt? Genau: Er kann die Weltwirtschaft revolutionieren! Und er hat es einfach getan. Es war ihm eine Christenpflicht, seine Mitmenschen nicht verhungern zu lassen. So gründete er den „Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“ im Hungerwinter 1846/47 in Weyerbusch im Westerwald. Er nahm einen Kredit auf. Gegen Schuldscheine vergab er zu Selbstkosten Getreide, Brot und Saatkartoffeln an die Armen. Er entwickelte daraus einen Selbsthilfeverein und später den Darlehnskassen-Verein. Die Idee der Selbsthilfe, der Selbstverantwortung und der Selbstverwaltung in Genossenschaften war geboren.

Social business aus evangelischer Überzeugung
Im Jahr 2018 feiern die Genossenschaften weltweit den 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Dieser Mann aus einfachen Verhältnissen hat aus seiner evangelischen Überzeugung wesentlich den Gedanken des fairen und sozialen Wirtschaftens jenseits der Metropolen realisiert. Er tat es so überzeugend, dass dieser Gedanke ein weltweiter Exportschlager wurde. Heute gibt es 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder in über 100 Ländern. Mehr als 100 Millionen Arbeitsplätze stellen Genossenschaften bereit. Durch einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb fördern die Mitglieder eine faire Wirtschaft und ein soziales Miteinander. 

Einer für alle – alle für einen
Das ist bis heute Motto der der Genossenschaften. Nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Refrain, den die Deutsche Nationalmannschaft zur WM 1974 im Song „Fußball ist unser Leben“ schräg dahinträllerte. Ausgangspunkt des Mottos war für Raiffeisen das Bibelwort aus 2. Korinther 5,14-15: „Denn es ist die Liebe von Christus, die uns antreibt. Wir sind nämlich zu der Überzeugung gelangt: Wenn einer für alle gestorben ist, dann sind damit zugleich alle gestorben. Christus ist für alle gestorben, damit die Lebendigen nicht länger nur für sich selbst leben. Sie sollen vielmehr ganz für den leben, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde.“ Diese Kraft des Evangeliums macht einfach Lust, die Wirtschaftswelt verantwortlich mitzugestalten.

Zukunftsmodell für nachhaltige Entwicklung
Auf allen Kontinenten bekommen auch heute arme Leute ohne Sicherheiten keinen Kredit von den Banken. Das System der Mikrofinanzierung hat die Gedanken von Raiffeisen erfolgreich aufgenommen. Eigenverantwortung ermutigt anders als Almosen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und selbst erfolgreich zu sein. Menschen bekommen ein neues Selbstbewußstein. In der Verantwortungsgemeinschaft bebauen und bewahren sie diese Erde.

Peer-Detlev Schladebusch