Erster BibelSprengelTag zum Verhältnis Juden und Christen war ein großer Erfolg

Nachricht 12. Oktober 2015

Rund 150 Ehrenamtliche und Hauptamtliche, Christen und Juden, waren am letzten Sonnabend, 10. Oktober 2015, der Einladung von Regionalbischöfin Dr. Ingrid Spieckermann zum Ersten BibelSprengelTag in die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover gefolgt. In Anknüpfung an die einschlägigen Artikel der Verfassungsänderung zum Verhältnis von Christen und Juden durch die Hannoversche Landessynode im November 2013 stand der Tag unter dem Motto "BLICKE WECHSELN - Biblische Bilder von Juden und Christen". "Ich bin begeistert, mit welchem Interesse die Menschen an diesem SprengelBibelTag teilgenommen haben", so die Regionalbischöfin. "Das Konzept, dass Christen und Juden über der Bibel miteinander ins Gespräch kommen, ist voll aufgegangen. Ich bin zudem sehr dankbar, dass trotz des Shabbat Juden mitgewirkt und diese Veranstaltung selber quasi als Gottesdienst gewertet haben."

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Wort-Bild-Collage, in der die Schauspieler Hanna Legatis und Martin-G. Kunze – begleitet von passenden Bildern und Musik – unterschiedliche Texte lasen: von der „bleibenden Treue Gottes zum jüdischen Volk“ (aus der Verfassungsänderung), den 23. Psalm in christlicher und jüdischer Übersetzung, Gedichte von Shoa-Überlebenden, nachdenkliche Texte von Juden und Christen, jüdische Witze, die in das vielschichtige Thema einstimmten.

Es folgte der erste Höhepunkt des Tages. Nach einem Impuls des Publizisten Prof. Micha Brumlik, Frankfurt/Berlin diskutierten Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz, der Landtagsabgeordnete Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen) als Ansprechpartner für islamische Verbände und Konstantin Seidler, Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und Bildungsreferent der Amadeu Antonio Stiftung über das Thema "Juden und Christen - Freund oder Feind? Bibel - Antisemitismus - Israel". Unter der Leitung von Hanna Legatis wurde intensiv und bisweilen kontrovers über dieses Thema gesprochen. Wie nachhaltig die Podiumsdiskussion die Zuhörer beschäftigte, zeigte sich beim anschließenden Mittagessen: An den Tischen wurde das Thema oftmals aufgenommen und intensiv weitergeführt.

Am frühen Nachmittag verteilten sich die 150 Teilnehmer, die teilweise von weither angereist waren, auf 13 Workshops mit einem weiten Themenspektrum. Besonders angefragt waren Workshops zum Verhältnis beider Testamente von Prof. Frank Crüsemann, Bielefeld, ein Jüdisches Lehrhaus zum Thema „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ von Rabbiner Gábor Lengyel, , „Bibliolog und interkulturelle Perspektiven“ der Jüdin Iris Weiss, „Israels bleibende Erwählung: ein christliches Reizthema“ der Koblenzer Alttestamentlerin Prof. Karin Finsterbusch, „Kritik von Juden an israelischer Politik" von Prof. Micha Brumlik, aber auch Workshops zu Problematischen Judendarstellungen in Kinderbibeln (Sup. Volker Menke und Pastor Dirk Schliephake), zu Christentum und Judentum in der Kunst (Pastorin Dr. Melanie Mordhorst-Mayer). Die jüdischen Kantoren Andrey Sitnov und Elija Schwarz führten praktisch, sogar mit dem Shofar, in Liturgie der Synagoge ein.

Der Tag schloss mit einem „Jüdisch-Christlichen Bibelgespräch über Noah – Gottes Bund für alle?“ Der Beauftragte gegen Antisemitismus und für interreligiösen Dialog der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rabbiner Daniel Alter, und der Göttinger Alttestamentler Prof. Hermann Spieckermann fesselten die Zuhörer knapp eine Stunde mit einem überaus interessanten Dialog. "Ich habe heute wieder sehr viel lernen können", resümierte Prof. Spieckermann. "Es ist immer eine Freude, wenn man sich gerade zwischen unseren beiden Religionen austauscht", pflichtete ihm Rabbiner Alter bei. Die Regionalbischöfin verabschiedete die Teilnehmenden mit dem Aaronitischen Segen.

Insgesamt ist der SprengelBibelTag ein großer Erfolg gewesen. Die gebotenen Inhalte, aber auch der rege Teilnehmerzuspruch haben unterstrichen, wie wichtig der jüdisch-christliche Dialog ist. Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprachen den Wunsch nach einer Wiederholung bzw. Weiterführung der Veranstaltung aus.