Interreligiöse Parallelen lassen schmunzeln

Nachricht

Landessuperintendentin besucht Langenhagener Moschee

Moscheebesuch klein
Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann besuchte im Rahmen der Visitation die Moscheegemeinde in Langenhagen. V.l.n.r.: Dr. Ingrid Spieckermann, Iman Fatith Aydin, Ilhan Ünsal, Pastor Torsten Kröncke, Ugur Aydin und Kantor Arne Hallmann. (Foto S. Heinze)

Es war der spontane Wunsch von Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spieckermann, im Rahmen ihrer Visitation der Elisabeth-Kirchengemeinde Langenhagen und des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen auch die Ditib-Selimiye-Moschee in der Bahnhofstraße zu besuchen. Der Gemeindevorstand um Ilhan Ünsal machte dies mit mehreren Mitgliedern des Vorstandes sofort möglich. Die Besuchergruppe, der neben der Landessuperintendentin auch Pastor Torsten Kröncke und Kantor Arne Hallmann aus der Elisabethgemeinde angehörten, wurde zunächst durch die Räume der Moschee geführt, die im Mai 2015 ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Humorvoll wies Ünsal dabei auf eine interreligiöse Parallele hin: Zum wöchentlichen Freitagsgebet versammeln sich die Gläubigen im kleineren Vorraum zum Gebetssaal, während an wichtigen Feiertagen der große Saal überfüllt ist. Auch die geringeren Heizkosten im Winter sprächen für die Nutzung des kleinen Raums, so Ünsal. Stolz berichtete er über das im Nachbarhaus eingerichtete Bildungszentrum, in dem die Gemeinde Fortbildungen, Schulungen und Nachhilfeunterricht anbietet.

Anschließend entspann sich ein lebhaftes Gespräch über die Möglichkeiten weiterer Zusammenarbeit: Beide Seiten wünschen sich viele Begegnungen, insbesondere unter Jugendlichen. Darüber hinaus wünscht sich die Moscheegemeinde, gegenseitig mehr über Glaubensinhalte und religiöse Traditionen zu erfahren. Die Landessuperintendentin schlug gegenseitige „geführte“ Gottesdienstbesuche vor, in denen die Besonderheiten konkret erlebt und erklärt werden können.
Beide Gemeinden blicken bereits auf gelungene Projekte zurück – insbesondere ein interkultureller Konzertspaziergang ist in bester Erinnerung geblieben. „Ängste und Vorurteile bauen sich nur über den direkten Kontakt ab. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass auf der lokalen Ebene der Dialog gepflegt wird“, stellte Landessuperintendentin Spieckermann im Gespräch fest und traf damit auf viel Zustimmung. „Es besteht bei uns der große Wunsch nach gegenseitigem Respekt; das ist in der Begegnung der leitende Gedanke“, so Gemeindevorstand Ünsal. „Wir sehen viele Gemeinsamkeiten und wollen nicht das Trennende in den Mittelpunkt unseres Dialogs mit anderen Religionen stellen.“
Gern hätte die Gemeinde einen deutschsprachigen Imam. Um dies Ziel zu erreichen, nehmen derzeit zwei junge Männer aus der Gemeinde die kostenlose Möglichkeit wahr, in der Türkei Islamische Theologie zu studieren. Auch der Fachbereich Islamische Theologie in Osnabrück, zu dem gute Kontakte bestehen, bietet diese Ausbildung an.

Zur Moscheegemeinde gehören insgesamt rund 600 Menschen. Anders als in christlichen Kirchen ist nur eine Person pro Familie formal Mitglied der Gemeinde, so lässt sich die tatsächliche Zahl nur hochrechnen. Das Einzugsgebiet der Gemeinde umfasst Langenhagen, Isernhagen und Großburgwedel. Finanziert wird die Gemeinde durch Mitgliedsbeiträge und Spenden; davon müssen der Gebäudeunterhalt und die laufende Gemeindearbeit bezahlt werden. Die Kosten für den Imam übernimmt der Dachverband Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), der jeweils für fünf Jahre einen Religionsgelehrten nach Langenhagen entsendet.

(Andrea Hesse/Stefan Heinze)