Jugend

„Salzig bleiben“: Jugend bezieht Stellung
Das hatte es bis Mai 2019 noch nicht gegeben: Rund 250 überwiegend sehr junge Menschen trafen sich für ein Wochenende zur Vollversammlung der Evangelischen Jugend. Dabei stand das Thema Frieden im Vordergrund.

Bis zu vier Delegierte sowie je eine berufliche Person aus jedem Kirchenkreis und den Verbänden eigener Prägung trafen sich im Evangelischen Jugendhof Sachsenhain. In insgesamt 13 Workshops näherten sich die Teilnehmenden dem Thema aus ganz unterschiedlichen Richtungen: u.a. Klimagerechtigkeit, zivile Krisenprävention, Cyberpeace oder Rohstoffe im Handy spielten eine wichtige Rolle. Viele Expert*innen, darunter ein Bundestagsabgeordneter, der Friedenspastor und eine Vertreterin muslimischer Jugendverbandsarbeit waren eingeladen und gekommen, um mit Jugendlichen über ihre Fragen zum Thema zu sprechen. Schnell zeigte sich, dass Frieden an vielen Stellen das tägliche Leben von Jugendlichen berührt. Daraus will die Evangelische Jugend jetzt Konsequenzen ziehen. Jede Workshopgruppe hat zu ihrem Thema wichtige Aspekte und praktische Aktionsmöglichkeiten herausgearbeitet – immer mit Blick darauf, was direkt vor Ort umgesetzt werden kann. So wollen sie beispielsweise zukünftig in ihren Gemeinden und Kirchenkreisen beim Kauf von Elektronik auf Recyclebarkeit, Reparierbarkeit und faire Produktionsbedingungen achten.

Bild: Regula Jantos

Die Vollversammlung hatte als Plenum zu den Themenfeldern Nachhaltigkeit, Musikalische Gestaltung, Spiritualität und Großveranstaltungen 35 Empfehlungen und acht Beschlüsse abgestimmt, die alle im Laufe der Tagung erarbeitet wurden. Zu Nachhaltigkeit lag eine Fülle von Empfehlungen vor, die von einer Gruppe weiter bearbeitet werden und zu einem neuen Standard Evangelischer Jugend für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Landeskirche führen sollen.

So wie die gesamte Vollversammlung von verschiedenen Gruppen junger Menschen aus der Landesjugendkammer heraus vorbereitet wurde, werden auch die entstandenen Ideen und Vorschläge in der Landesjugendkammer weiter bearbeitet. Ziel ist es, daraus Positionen der Evangelischen Jugend abzuleiten, die sich alle Gemeinden für ihre Jugendarbeit zu eigen machen sollten. „Die Vollversammlung war ein erster Schritt und gab uns alltagstaugliche Tipps für den Frieden. Jetzt wollen wir konkrete Forderungen an die Kirche und die Politik daraus ableiten“, sagte Rebecca Lühmann, Vorsitzende der Landesjugendkammer. Ein wichtiger Bereich wird auch Klimagerechtigkeit sein. „Wenn wir von Frieden sprechen, dann gehören Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung automatisch dazu“, erklärte Landesjugendpastorin Cornelia Dassler. „Salzig bleiben“ – dieses Motto entspricht der Brisanz der Frage nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Es dokumentiert das wachsende politische Engagement der Jugend angesichts der Herausforderung durch Krieg und Terror, Klimawandel und Umweltzerstörung und sozialer weltweiter Ungerechtigkeit.

IDEEN FÜR EINE EUROPÄISCHE JUGENDBEWEGUNG

Im Sommer fahren Jugendliche häufig auf Kirchenfreizeiten: nach Italien, Schweden und Kroatien, nach Frankreich oder Spanien. Was wäre denn, wenn auf diesen Freizeiten gezielt der Kontakt zu einer Kirchengemeinde vor Ort gesucht würde? Statt einfach nur Urlaub zu machen, gäbe es eine internationale Jugendbegegnung.

Diese Idee wurde im Rahmen eines Workshops zum Thema „Frieden für Europa“ entwickelt. Bei ihrer Vollversammlung Ende Mai 2019 beschäftigten sich rund 250 junge Menschen unter anderem mit dem Thema Frieden. In insgesamt 13 Workshops näherten sie sich dem Thema aus ganz unterschiedlichen Richtungen: u.a.
Klimagerechtigkeit, zivile Krisenprävention, Cyberpeace oder Rohstoffe im Handy spielten eine wichtige Rolle. Schnell zeigte sich, dass Frieden an vielen Stellen das tägliche Leben der Jugendlichen berührt. Daraus will die Evangelische Jugend jetzt Konsequenzen ziehen.

Kinder beziehen Stellung: Kirchenkreis feiert mit 600 Kindern

Bild: Astrid Farwick

Mit einem zaghaften Blick in den Himmel begann der Kinderkirchentag des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim in Werlte. Aber die paar Tropfen zu Beginn konnten den fast 600 Kindern, Kindergottesdiensthelfern und Jugendteamern um den Kinderkirchentagsbeauftragten Philip Krieger nichts anhaben. „Zu sehen, dass sich aus den Weiten unseres Kirchenkreises, aus Grafschaft und Emsland 600 Leute auf den Weg machen, um hier zu helfen oder mitzufeiern, ist großartig!“, so der Diakon. 20 der 27 Kirchengemeinden hatten sich der Buskette angeschlossen und Kinder, Ideen und Material im Gepäck. Das Motto lautete in diesem Jahr „Jona! Du bist nicht allein“.

Und so sangen die Kinder des Werlter Kinderchors im Gottesdienst zu Beginn auch vom biblischen Jona. Den Jugendlichen gelang es auf spielerische Art, den zunächst ängstlichen und dann immer mutiger werdenden Propheten den Kindern vor Augen zu führen. Diakonin Astrid Farwick aus der Werlter Lukasgemeinde freute sich über die gelungenen Beiträge: „Ich glaube, die Kinder konnten gut verstehen, dass Angst haben zum Leben dazugehört, aber wir Gott vertrauen dürfen, wie schwierig eine Sache auch erscheint. Das Wissen um einen wunderbaren Gott, der bei uns ist auf unseren Wegen, kann Kinder stark machen.“

Nach einem reichhaltigen Mittagessen mit Hotdogs und Nudeln folgte der vielfarbige Markt der Möglichkeiten im und am Schulzentrum. Spielen, rennen, basteln, schminken, schreiben, malen, alles, was das Kinderherz fröhlich stimmt, fand an diesem Tag seinen Platz und auch die passenden Abnehmer. Jede teilnehmende Gemeinde hatte ein Mitmachangebot mitgebracht, sodass für Langeweile keine Zeit blieb. Aber natürlich gab es auch den Waffelstand und die Schminkarena. Besonders vor den im Akkord backenden Waffelbäckern bildeten sich immer wieder Kinderschlangen. „Ich weiß nicht, wie viel Liter Teig die verbraten haben, aber es war echt viel. Hut ab vor all den Mitarbeitern aus den Gemeinden, die hier so viel Engagement zeigen. Ohne die wäre ein so großer Kinderkirchentag nicht zu stemmen“, bedankte sich Diakon Krieger bei allen Aktiven.

Der bunte Tag mit seinen Köstlichkeiten für Leib und Seele endete viel zu schnell bei strahlendem Sonnenschein mit einem Abschlusssegen auf dem Sandrutschberg inmitten des Schulhofes. Nach Gebet, Musik und Abschlusswinken machten sich alle auf den Heimweg. Müde, erschöpft und gefüllt mit vielen stärkenden Eindrücken.

Konfis beziehen Stellung: Frieden schaffen – Frieden leben

Bild: Wanja Neite

„Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde bebt und wankt“: Der 9. November ist ein denkwürdiger Tag in vielerlei Hinsicht. An diesem Tag kamen in der St.-Lamberti-Gemeinde 240 Jugendliche zum Konfirmand*innentag zusammen, eingeleitet mit eindringlichen Worten aus Psalm 46. Ein 50-köpfiges Team Haupt- und Ehrenamtlicher sowie viele Referent*innen, koordiniert von Kirchenkreisjugendwartin Elske Gödeke und ihren Kolleg*innen aus dem Kirchenkreisjugenddienst, hatten lange Zeit auf diesen Tag hingearbeitet.

Es war der erste Konfirmand*innentag des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt und zugleich der Jahrestag von Mauerfall und Reichs-
pogromnacht. Das hatte das Team als Anlass genommen, ein Programm aus Workshops, Musik und Andachten zusammenzustellen, das sich mit diesen politischen Themen aus einer christlichen Sicht befasste. „Evangelische Jugend schafft Frieden“ war das Motto des Tages.

Zu diesem Anlass hatte sich eigens eine Popband formiert, ein ganzes Set politischer und christlicher Lieder zusammengestellt und auch vor „Kamellen“ wie „Aufstehen, aufeinander zugehen“ nicht haltgemacht. Zu dieser Gelegenheit passte der Text allerdings auch wie die Faust aufs Auge: „Es wird Zeit, sich zu bewegen, höchste Zeit, dass was passiert.“

Dazu schrieben die Jugendlichen Friedenslieder, spielten Liverollenspiele über Gruppendynamiken, beschäftigten sich mit gewaltlosem Widerstand und Faschismus, zeichneten Comics und sammelten Visionen für eine lebenswerte Zukunft für alle auf diesem Planeten.

Auch die Klimabewegung hielt Einzug im Programm: „Konfis 4 Future“ war der Titel eines der Workshops, in dem sich die Teilnehmenden kreativ austoben und sich die eigene Handlungsfähigkeit bewusst machen konnten.

Als der lange Tag sich schließlich zum Ende neigte, wollten die Hundertschaften an Konfirmanden gar nicht mehr aufhören zu klatschen. Das Team hatte den Tag mit Inhalten gefüllt, deren Dringlichkeit spürbar war, und zugleich ein friedliches und hoffnungsvolles Gefühl von Gemeinschaft geschaffen. Songzitat: „Jeder hat was einzubringen, diese Vielfalt: wunderbar.“

Auch Superintendent Mirko Peisert – der Kirchenkreis hat den Tag zusammen mit der Heinrich-Dammann-Stiftung und dem Fonds Frieden Stiften der Landeskirche Hannovers ermöglicht – fand zum Abschied noch einmal klare Worte: „Frieden fängt mit uns allen an“, sagte er und verwies auf die brennenden Synagogen von 1938 – nur wenige Hundert Meter vom Ort seiner Rede erinnerte ein Denkmal am Gelben Stern an diese Nacht. Man dürfe nicht noch einmal tatenlos dem Unrecht zusehen, schloss Peisert und nahm alle Versammelten in die Verantwortung.