flüchtlingshilfe

„Wir vergessen euch nicht!“

Nicht nur in Niedersachsen hat die Landeskirche Aktionen gestartet, um auf die Situation Geflüchteter aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen – auch in vielen anderen Teilen der Welt unterstützt sie Menschen in Not. Im Libanon sind das zum Beispiel vier evangelische Schulen für geflüchtete syrische Kinder.

Bild: Marc Vogelsang

Sie sind aus dem Krieg geflohen und haben ihre Heimat zurückgelassen. Nun leben sie in Camps, in denen es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt und oft das Gesetz des Stärkeren gilt. Auch Kinder müssen auf den Feldern helfen oder betteln gehen, Mädchen werden teilweise schon mit elf oder zwölf Jahren verheiratet. „Viele sind traumatisiert, von der Flucht und Verlusterfahrungen. Was wir in den Camps gesehen haben, hat uns schockiert“, sagt Daniel Küchenmeister, Pastor der Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Göttingen (ESG).

Als Mentor ist der Pastor bereits zweimal mit Studierenden der evangelischen Theologie in den Libanon gereist. „In diese Umstände versuchen die evangelischen Schulen etwas Menschenwürde hineinzubringen“, erzählt der 48-Jährige. Denn die Schulen sind für viele Kinder die einzige Möglichkeit, lesen, schreiben und etwas rechnen zu lernen. Zwischen fünf und zwölf Jahren sind die Kinder alt, „und wir sind uns bewusst, dass es das dann oft war mit der Bildung“, so Küchenmeister.

Bei Jungen gehe es auch darum, sie „von der Straße zu holen“, damit sie nicht von terroristischen Vereinigungen rekrutiert werden. Und gerade für Mädchen sei es schon etwas Besonderes, wenn sie schreiben und rechnen können. Ein wichtiger Schritt, Selbstbewusstsein zu entwickeln und nicht von den Männern der Familie abhängig zu sein. „Mit der Bildung ist es meist vorbei, wenn sie verheiratet sind. Das ist ganz real: Wir haben gesehen, dass Mädchen – und es sind mit elf, zwölf Jahren wirklich noch Mädchen – geschminkt oder mit Ketten behängt zur Schule kamen. Da konnte man von einer Brautschau ausgehen, dass sie bald heiraten sollten. Das geschah nicht oft, es waren einzelne Fälle, aber es kam vor. Und auch wenn andere Eltern nicht so handeln, war das für uns schockierend zu sehen.“

Etwa fünf Jahre lang können die Kinder in die evangelischen Schulen gehen. Sie werden von der „Nation-
al Evangelical Synod of Syria and Lebanon“ (NESSL) getragen, die auch für eine medizinische Grundversorgung sorgt. „Zu Beginn jedes Schuljahres kommt ein Zahnarzt, und die Kinder werden wenigstens grob durchgecheckt, auf Läuse, Tuberkulose etc.“, erklärt Küchenmeister, „da sind die Eltern unheimlich dankbar für, weil die Kinder sonst nie einen Arzt sehen würden.“

Die hannoversche Landeskirche unterstützt die NESSL-Schulen im
Rahmen der Initiative „Begegnen. Stärken. Lernen.“ seit 2015 mit
jährlich etwa 25.000 Euro aus Spenden und Kollekten. Im Jahr 2019 überwies sie zusätzlich 100.000  Euro an die vier evangelischen
Schulen, um ihr Fortbestehen zu sichern. „Das beendet alle Sorgen, dass wir unser Pionierprojekt einstellen müssen“, sagte NESSL-
Generalsekretär Joseph Kassab. „Nun können wir Schulleitern, Lehrern, Schülern und Eltern sagen, dass es zumindest ein Jahr lang weitergeht.“

So wurde die Delegation aus Deutschland im März herzlichst empfangen. Die Theologiestudierenden um Küchenmeister übernahmen tageweise die Rolle der Lehrer*innen und machten mit den Kindern Sport, Musik und bastelten. „Als sie sahen, was wir als Geschenke mitgebracht hatten – Bälle, ein Schwungtuch, Seile, kleine Trampolins, Shirts – gingen ihnen die Augen über“, erzählt Küchenmeister immer noch bewegt. „Und die Lehrer*innen hat es beeindruckt, dass wir all die Probleme hautnah mitbekommen haben: Stromausfall, fehlendes Essen, Spannungen unter verschiedenen Ethnien und Religionen. Die Menschen dort sind uns unheimlich verbunden – viel mehr, als wir es hier vermuten. Für sie zeigen die Besuche, dass wir sie nicht vergessen, dass jemand im fernen Europa an sie denkt.“

Wegen der Corona-Pandemie sind im Jahr 2020 vorerst keine Reisen möglich. „Aber die Spendenaktion läuft weiter, und wenn es wieder möglich ist, werde ich noch mal mit Studierenden dorthin fahren“, sagt Daniel Küchenmeister. „Die vier Schulen, die die Landeskirche dort unterstützt, bringen wirklich viel Bildung, Hoffnung und Miteinander in das Leben der Menschen.“

Fünf Jahre „Soforthilfe“ für die Arbeit mit Geflüchteten

2015–2020 stellte die hannoversche Landeskirche diakonische Sofortmittel zur Verfügung. Insgesamt waren dies:

15,5 Millionen (direkt an Gemeinden ausgezahlt) für Angebote in
den Kirchenkreisen wie Flüchtlingssozialberatung, Ehrenamtskoordination, Schuldnerberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung und Tafel-
arbeit sowie Sprachkurse, Sachkosten und Einzelfallhilfen wie Dolmetscher, Familienzusammenführungen und Schulbedarfe.

Außerdem wurden auf Antrag weitere Mittel bereitgestellt:

2 Millionen für Stellenanteile in der Flüchtlingssozialberatung in den Kirchenkreisen. Schwerpunkte: Verfahrensberatung, sozialrechtliche und psychosoziale Beratung, Begleitung und Beratung Ehrenamtlicher, Vernetzung im regionalen Raum, Multiplikatorenarbeit, Projekte für geflüchtete Menschen.

1,1 Millionen für Stellenanteile in der Ehrenamtskoordination

1,3 Millionen für Projekte mit überregionaler Bedeutung wie im Lager Friedland, im Camp Fallingbostel und in einem Projekt für Menschen ohne Papiere in Hannover.

1,8 Millionen für gemeindliche und diakonische Projekte und Einzelfallhilfen.

Außerdem wurden weitere Mittel
im Bereich der Abteilung Bildung (u.a. Spracherwerb, Erwerb von Alltagskompetenzen, interkulturelle Bildung) bereitgestellt.

„Rettungswesten an Kirchtürmen: Ein Zeichen der Trauer“
Interview mit Axel Kawalla, Pastor in Hannover

Sie haben den Aufruf „Rettungswesten an Kirchtürmen“ an die Kirchengemeinden der Landeskirche versandt. Wie viele haben sich an der Aktion beteiligt?

Ich schätze 60 bis 70 Kirchengemeinden der Landeskirche.

Haben Sie mit einer solchen Resonanz gerechnet?

Viele Gemeinden, Diakon*innen und Pastor*innen haben die Aktion gern gemacht und auf ihre Weise kreativ, inhaltlich und spirituell gefüllt. Für die meisten war es ein klares Zeichen: „Man lässt niemanden ertrinken“ – das ist Menschenrecht und Gottes Gebot. Ich habe kaum von Protesten gegen diese Aktion gehört.

Was hat Ihnen die Aktion als Mitinitiator bedeutet?

Das laute Zeichen ist wichtig, damit diejenigen, die laut gegen Geflüchtete brüllen, auch wissen: Es gibt eine andere, eine Gegenmeinung, und das ist die Mehrheit! Ich bin dankbar zu dem Kontakt zur Gruppe Seebrücke Hannover und halte mich über Aktionen, zurzeit passiv, auf dem Laufenden.

Was ist aus der Aktion geworden?

Die Landeskirche und die EKD finanzieren das Aufklärungsflugzeug „Moonbird“ und ein Schiff, das zurzeit noch nicht in See stechen kann. Dieses Engagement ist sehr gut. Nichts, womit man angeben sollte, aber man darf überall öffentlich machen: Auf dieser Seite steht die Evangelische Kirche in Deutschland.

Anm: Die Sea-Watch4 soll ab Juli 2020 aus Seenot retten.

Gemeinden engagieren sich für Seenotrettung

2019 starben mehr als tausend Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer, berichten die Vereinten Nationen. Viele Kirchengemeinden machten auf dieses Drama aufmerksam: Mit gefalteten Papierbooten sowie mit Rettungswesten an Kirchtürmen und auf Kirchenbänken. Sie unterstützen die Forderung an die Politik in Deutschland und Europa, das Sterben im Mittelmeer zu beenden.

„Fast 1000 gefaltete Schiffchen aus Papier hat die evangelische Kirche Aerzen gesammelt, um sie an Landesbischof Meister und den Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zu übergeben. Ende der Woche entscheidet der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ob die evangelische Kirche ein neues Rettungsschiff unterstützen wird“ – so lautete die Schlagzeile auf der Face-
book-Seite der evangelischen Kirchengemeinde Aerzen bei Hameln am 3. September. Und die evangelische Kirche hat sich ganz klar für eine Unterstützung ausgesprochen.

Doch noch mal einen Gang zurück: Was hat es nun mit der Aktion der gebastelten Rettungsschiffchen auf sich? Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund, an dem auch Gemeindeglieder aus Aerzen teilgenommen hatten, wurde die Evangelische Kirche in Deutschland mit ihren Gliedkirchen aufgefordert: „Schickt selbst ein Schiff in das tödlichste Gewässer der Welt. Ein Schiff der Gemeinschaft, der Solidarität und Nächstenliebe.“ Der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hatte dies deutlich unterstützt: Er befürworte den Vorschlag, ein Seenotrettungsschiff unter Beteiligung der EKD ins Mittelmeer zu schicken. Das Schiff sollte von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen werden – unter Beteiligung der Kirchen „als gewichtiger Player“, so Bedford-Strohm. In der Initiative unter dem Namen „United4Rescue – Gemeinsam Retten!“ haben sich Kirchen, Kommunen, Vereine und Verbände versammelt, der auch die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers angehört. Dieses Bündnis will das Schiff gemeinsam schicken – Logo des Bündnisses ist ein gefaltetes Papierschiffchen. Im Internet hatte ein entsprechender Aufruf bereits rund 40.000 Unterstützer.

Und so startete die Kirchengemeinde Aerzen nach einmütiger Zustimmung des Kirchenvorstands als eine der ersten Kirchengemeinden diese Aktion, um die Überlegungen und Planungen zu unterstützen. Bis zu den Sitzungen der Kirchenkonferenz und des Rates der EKD sollten alle, die das Anliegen befürworten und ihre Meinung unterstreichen möchten, Segelboote aus Papier falten und mit dem eigenen Namen kennzeichnen. Die Segelboote, die im Pfarramt in Aerzen gesammelt wurden, wurden schließlich ins Kirchenamt der EKD gebracht. Verbunden war damit die Hoffnung, dass sich die Kirche und viele zivilgesellschaftliche Kräfte an der Seenotrettung im Mittelmeer beteiligen. Bei verschiedenen Aktivitäten und Gottesdiensten hatten Pastor Christof Vetter und Diakonin Sophie-Marie Kabuß darum gebeten, Segelboote zu falten. Andere Kirchengemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont machten mit. Zum gemeinsamen Abschluss bei einer ökumenischen Andacht anlässlich „80 Jahre Kriegsbeginn“ in der Aerzener Marienkirche waren fast 1.000 Segelboote abgegeben worden.

Rettungswestenaktion an Kirchtürmen

Bild: Daniel Konnerth

Den Anfang der Zusammenarbeit des Aktionsbündnisses „Seebrücke“
mit den Kirchen in Hannover machte die 24-Stunden-Mahnwache „Menschlichkeit statt Abschottung“ am 6. Februar 2019 in der Marktkirche. Die im Juli 2018 gegründete Initiative „Seebrücke“ setzt sich international für sichere Fluchtwege nach Europa und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung ein. Das Aktionsbündnis wird inzwischen von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland getragen. Auf ihre Initiative hin haben sich in Deutschland mehr als 100 Lokalgruppen und mittlerweile fast 50 Städte und Gemeinden zum „sicheren Hafen“ erklärt, darunter Bremen, Braunschweig, Hildesheim, Osnabrück, Oldenburg sowie Region und Stadt Hannover. Auch die vier Bundesländer Berlin, Hamburg, Bremen und Thüringen gehören bereits dazu. Sie wenden sich damit gegen eine europäische Abschottungspolitik gegenüber Geflüchteten. Zudem erklären sie sich bereit, aus Seenot gerettete Menschen zusätzlich zur Verteilungsquote unterzubringen.

24 Stunden lang machten die Organisatoren bei ihrer Mahnwache in der Marktkirche auf die Kriminalisierung von Seenotrettung und das anhaltende Sterben im Mittelmeer aufmerksam. An einem Infostand und bei zahlreichen Programmpunkten wurde informiert, diskutiert, zugehört. Marina Röthlinger von der „Seebrücke“-Gruppe Hannover, die diese Aktion zusammen mit der Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann initiierte, erläutert: „Später ist aus dieser ersten Zusammenarbeit mit Kirche die Rettungswestenaktion entstanden, die sich herumsprach wie ein Lauffeuer.“ Federführend dabei war zudem der Hannoveraner Pastor Axel Kawalla. Auch dabei ging es darum, Solidarität mit Flüchtenden und Seenotrettern im Mittelmeer zu zeigen. Zehn evangelische Kirchengemeinden in Hannover zeigten zuerst Flagge und hängten Rettungswesten an ihre Kirchtürme. „Unsere Solidarität gilt allen Menschen auf der Flucht und in Seenot, denen, die ertrunken sind oder um sie trauern, und allen, die helfen“, sagte Kawalla während der Aktion. Die orangefarbenen Rettungswesten sollten diese Botschaft vermitteln. Und es schlossen sich immer mehr Kirchengemeinden der Hannoverschen Landeskirche vom Harz bis an die Heide an.  

Marina Röthlinger sagt deutlich: „Niemand flieht ohne Grund“. Die meisten Menschen, die verzweifelt versuchten, Europa über das Mittelmeer zu erreichen, fliehen aus libyschen Folterlagern und gerieten dabei in Seenot. „Sie müssen gerettet werden. Man lässt keine Menschen ertrinken“, fordert nicht nur Röthlinger. Die evangelische Kirche habe sich klar positioniert, und das habe ihr imponiert. Auch sie habe für sich ein persönliches Zeichen gesetzt: „Ich bin nach zwei Austritten und vielen Jahren ‚Pause‘ im April 2019 wieder der evangelischen Kirche beigetreten“, erklärt sie.

Laut des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen bleibt der Weg übers Mittelmeer die tödlichste Seeroute der Welt, auch wenn die absoluten Zahlen der Flüchtenden selbst zuletzt zurückgingen.

Im Jahr 2016 ertranken mehr als 5.000 Menschen im Mittelmeer, 2017 waren es mehr als 3.100 Geflüchtete, und im Jahr 2018 waren mehr als 2.300 Tote und Vermisste zu beklagen. 2019 starben mehr als tausend Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer.

Offene Türen im „Deutschlerntreff“

Maren Huschka,
Referentin für Flüchtlingssozial-
arbeit, Referat Migration im Dia-
konischen Werk in Niedersachsen

Von 2015 bis April 2020 fanden 176.338 Menschen nach einer langen und oft lebensgefährlichen Flucht ihr neues Zuhause in Niedersachsen. Nach der beschwerlichen Reise über Land oder Mittelmeer und der Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat baten sie in Niedersachsen um Asyl. Sie wurden vom Land aufgenommen und fanden in den niedersächsischen Kommunen ihren neuen Wohnsitz.

Plötzlich sahen sich auch Kirche und Diakonie mit elementaren Fragen zur Versorgung und zur Integration konfrontiert. Vor dem Hintergrund dieser Not und als Ausdruck christlicher Verantwortung wurden von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Fördertöpfe bereitgestellt. Kirchengemeinden haben Nachbarschaftshilfen organisiert, und diakonische Werke leisteten Beratung zu den Lebenslagen der Geflüchteten. Ebenso öffneten Kirchengemeinden ihre Türen, um die „neuen Nachbarn“ vor Ort zu integrieren und um menschliche Nähe zu spenden.
Landeskirchlich geförderte Flüchtlingssozialberatungsstellen beantworteten unter anderem Fragen zu aufkommenden Problemen rund um den Aufenthaltsstatus, der Existenzsicherung, des Zugangs zu Sprachkursen und der Arbeitswelt. Durch gute Netzwerkarbeit vor Ort zwischen Kirchengemeinden, diakonischen Werken und anderen Institutionen wurden in den Kirchenkreisen stabile Netze gespannt, um geflüchtete Menschen aufzufangen und zu begleiten. Die Flüchtlingssozialberatungsstellen und Koordinationsstellen bauten Brücken zwischen Haupt- und Ehrenamt und zwischen Kirche und Kommune. Sie waren Ansprechpartner für die Sorgen und Probleme der Ehrenamtlichen, organisierten und unterstützten Gemeindeprojekte und boten Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche.

In den Jahren 2019 und 2020 zeichnete sich eine andere interessante Entwicklung ab: Die Geflüchteten fanden sich zunehmend in der deutschen Gesellschaft wieder und empfanden gegenüber den Menschen in Niedersachsen tiefen Respekt und Dankbarkeit. Darum engagierten sich immer mehr Geflüchtete ehrenamtlich in den Gemeinden und übernahmen z.B. Einkäufe für ältere Menschen, halfen bei Gemeindefesten oder nähten Mundschutzmasken.

Es gelang mit vielen kleinen Projekten vor Ort, Menschen mit unterschiedlichen Sprachen zusammenzubringen und eine Verständigung zu erreichen: Es wurden Fahrradwerkstätten gegründet, wo Ehrenamtliche mit Geflüchteten gemeinsam an Rädern schraubten. Einerseits löste es das große Pro-
blem der eingeschränkten Mobilität, andererseits ermöglichte es den Geflüchteten aber auch Erfolgserlebnisse sowie eine Ablenkung von der eigenen Fluchterfahrung.

Des Weiteren entstanden kirchliche Willkommenscafés, wo Alltagsprobleme gelöst wurden und ein erster Klönschnack in gebrochenem Deutsch stattfand. In Gruppenangeboten wie beim internationalen Kochen oder dem gemeinsamen Nähen trafen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft mit den gleichen Interessen. Sprachbarrieren wurden durch Deutschlerntreffs abgebaut, wenn der offizielle Sprachkurs noch nicht starten konnte.

Die ersten Schritte auf dem Weg der Integration sind gegangen. Doch der Weg muss weitergehen, um die Erfolgsgeschichte der Integration von Geflüchteten fortzuschreiben.

Bild: Diakonie Deutschland