Evangelische Schulen

Kirche macht Schule
Das Evangelische Schulwerk feierte 2019 sein zehnjähriges Bestehen. Zu den bisher sechs bestehenden Einrichtungen sollen noch weitere evangelische Schulen aufgebaut werden. Sie orientieren sich am evangelischen Bildungsverständnis, dem christlichen Menschenbild und an den Grundsätzen christlicher Ethik. So wollen sie einen Beitrag zur Identitätsbildung und Gelingen der Bildungsbiographie junger Menschen leisten.

Bild: Jens Schulze

Kerstin Gäfgen-Track, Leiterin der Bildungsabteilung im Landeskirchenamt, erläutert die Ausrichtung Evangelischer Schulen.

Frau Gäfgen-Track, was ist das Besondere an evangelischen Schulen?

Evangelische Schulen wollen Lern- und Lebensorte sein, Orte der Christengemeinde innerhalb der Bürgergemeinde. Christlicher Glaube braucht ein Verständnis von Gott, Mensch und Welt, elementare Kenntnisse der biblischen Texte, der religiösen Praxis und anderer Religionen. An Comenius angelehnt kann man auch sagen: Sie sollen Werkstätten der Menschlichkeit sein. Evangelische Schulen sind Orte gelebten Glaubens und neuen theologischen Denkens. Sie bieten Begleitung und Orientierung über den Unterricht hinaus, damit Schülerinnen und Schüler ihre Identität entwickeln und ihre Persönlichkeit ausprägen können. Jede Schule verfolgt dabei ihr eigenes Konzept in Abstimmung mit ihrem Umfeld und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren wie etwa Musikschulen.

Sind evangelische Schulen nur für evangelische Kinder?

Nein, unabhängig von der Religionszugehörigkeit stehen sie allen Interessierten offen. Aktuell gibt es an unseren Schulen rund 4.000 Schülerinnen und Schüler christlicher Konfession – etwa 59 Prozent von ihnen sind evangelisch, 13 Prozent katholisch, 19 Prozent haben keine Konfession und 5 Prozent sind Muslime. Die Offenheit der Schulen nach außen ist sehr wichtig.

Wie zeigt sich die evangelische Ausrichtung im Schulalltag?

Es gibt reguläre und anlassbezogene Gottesdienste, Gebete, Andachten und gemeinsame Exkursionen zu religiös geprägten Orten und Pilgerfahrten. Der Religionsunterricht beschäftigt sich mit den Fragen, was Christsein in der heutigen Zeit bedeutet und welche Bedeutung der Glaube für das eigene Leben hat.
Etwas Besonderes ist unser sozialdiakonisches Praktikum: Hier treffen die Schülerinnen und Schüler auf Menschen in unterschiedlichen diakonischen Einrichtungen, lernen andere  Lebensperspektiven kennen und bauen dabei Berührungsängste ab. Und unsere Schulpastorinnen und Schulpastoren verknüpfen die schulische Arbeit mit den Gemeinden im Umfeld.

Die Landeskirche Hannovers hat sechs allgemeinbildende Schulen in ihrer Trägerschaft. Für diese Trägerschaft wurde 2009 das Evangelische Schulwerk gegründet. Es unterstützt den Aufbau der Schulen und begleitet sie. Die Lehrkräfte der Schulen sind beim Evangelischen Schulwerk angestellt, sind Landes- oder Kirchenbeamte. Es ist verantwortlich für Personal und Finanzen der Schulen, Neu- und Umbauten und den Mensabetrieb. Das Schulwerk organisiert auch die Vernetzung zwischen den Schulen und behält die Etablierung und Schärfung des evangelischen Profils im Blick – Schulgottesdienste, Andachten, eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber religiösen Festen sowie verbindlicher Religionsunterricht gehören zum besonderen Profil der evangelischen Schulen. Dabei gilt: Die Schulen sind dem evangelischen Bekenntnis verpflichtet, jedoch inklusiv und offen für alle Menschen.

Die evangelischen Schulen arbeiten auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes: Jedes Kind wird als Ebenbild Gottes wertgeschätzt. Inklusion heißt, dass alle Schüler*innen miteinander und voneinander lernen. Jedes Kind soll individuell bestmöglich unterstützt und gefördert werden.

Evangelische Schulen sind Ganztagsschulen, die ein Ort zum Lernen und Leben sein wollen. Sie bieten Klassen mit einem besonderen Profil an (z.B. Medien- oder Forscherprofil, Bläserklasse).

Das Profil der evangelischen Schulen

Evangelische Schulen wollen Lern- und Lebensorte sein. Wertschätzung, Vertrauen und Ermutigung sind Grundlage unserer Pädagogik.

Evangelische Schulen vermitteln Schülerinnen und Schülern grundlegende Kompetenzen, angemessene Wissensbestände und Problembewusstsein in der Breite der Sachgebiete.

Sie leisten eine pädagogisch und fachlich anspruchsvolle Arbeit, befähigen zu qualifizierten Schulabschlüssen, vermitteln notwendige lebenspraktische Fähigkeiten und ermöglichen durch Berufs- und Hochschulpraktika Übergänge zur Berufswelt. Evangelische Schulen sind einem ganzheitlichen Bildungsverständnis verpflichtet. Sie zeigen, dass auch religiöse Bildung ein wesentlicher Bestandteil aller Bildung ist. Als Teil des öffentlichen Schulwesens sind sie „Werkstätten der Menschlichkeit“ (Johann Amos Comenius), in denen Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, in der Freiheit des Evangeliums zu leben und zu lernen. Sie sind Angebotsschulen. Eltern können so nach Art. 6, Abs. 2 Grundgesetz eine ihren Vorstellungen von Erziehung und Bildung entsprechende Schule für ihre Kinder wählen.

Evangelische Schulen leisten auf der Basis des christlichen Menschenbildes und orientiert an Grundsätzen christlicher Ethik einen entscheidenden Beitrag zur Werteerziehung junger Menschen. Die Professionalität und das besonders starke Engagement der Lehrerinnen und Lehrer für ihre Schüler sind die Voraussetzung dafür, dass aus allgemeinen Aussagen über das christliche Bildungsverständnis eine gelingende Praxis im Schulalltag wird. Lehrkräfte prägen mit ihrem Engagement und ihren Haltungen den besonderen Geist des Miteinanders in einer evangelischen Schule.

Evangelische Schulen zeigen soziales und diakonisches Lernen. Sie zielen auf die Befähigung junger Menschen zu einer Kultur des Mitgefühls und der Barmherzigkeit.

Evangelische Schulen sind inklusive Schulen. Jedes Kind ist als Ebenbild Gottes in seiner Würde und Einzigartigkeit geachtet und wertgeschätzt. Inklusion heißt dabei, dass alle Schülerinnen und Schüler miteinander und voneinander lernen. Auf der Grundlage ihrer Fähigkeiten, Begabungen wie auch Beeinträchtigungen, ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft soll jedes Kind individuell bestmöglich unterstützt und gefördert werden.

Evangelische Schulen gehen neue Wege bei der Rhythmisierung von Lernzeiten, des Unterrichts in Projekten und des kooperativen und individualisierten Lernens. Sie berücksichtigen individuelle Begabungen und Interessen und suchen die Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernpartnern wie Künstlern, Musikern und Therapeuten.

KIRCHE MACHT SCHULE

  • Kirche macht Schule. Evangelische Schulen nutzen pädagogische Freiräume und suchen neue methodisch-didaktische Wege. Jede Schule entwickelt andere Konzepte – diese Vielfalt ist beabsichtigt.
  • Kirche macht Schule für alle Kinder und Jugendlichen. Die Verschiedenheit ist der Normalfall. In evangelischen Schulen lernen darum Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Konfessionen und Religionen, Begabungen und Vorlieben.
  • Kirche macht Schule mit anderen gemeinsam. Evangelische Schulen gestalten das öffentliche Schulwesen am Ort mit und bauen an diakonischen und ökumenischen Lernpartnerschaften in der Nähe und in der Ferne.
  • Kirche macht Schule, weil Wissen Orientierung braucht. Um verantwortlich zu denken und zu handeln, benötigt jeder Mensch Lebenssinn und Ausrichtung. Dafür stehen evangelische Schulen.

Film wirbt um Lehrkräfte

Gerd Brinkmann,
Leiter des Evangelischen Schulwerks

Ziel unseres Films ist die originelle Werbung in der Altersgruppe der jungen Lehrkräfte.
Wir wollen auf unsere evangelischen Schulen aufmerksam machen, mit Humor und Selbstironie.

Entstanden ist also kein klassischer Werbefilm mit Hochglanzbildern.

Pointiert und zugespitzt werden die besonderen Herausforderungen des Lehrkräftealltags in Szene gesetzt.

Viele Lehrkräfte werden sich dabei an eigene Erfahrungen erinnert fühlen.

Der Film ist Teil einer Social-Media-Kampagne zur Gewinnung von Lehrerinnen und Lehrern aufgrund des erhöhten Bedarfs an Lehrkräften durch die Wiedereinführung von G 9 in Niedersachen.

Die hohen Zugriffszahlen auf unseren Film zeigen, dass der Film sein Publikum erreicht hat.

 

Mit leichtem Augenzwinkern und zwei Alpakas als Schauspielern scheint die Botschaft des Films angekommen zu sein:

Wir sind anders –
bei uns findet Ihr Talent ein Klassenzimmer!

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