Diakonie

Mit 11 PS durch die Landeskirche
Eine ganz besondere Tour machte auf „Brot für die Welt“ aufmerksam. Ein italienischer Kleinlieferwagen rollte als „Litfaßsäule“ durch die Landeskirche und besuchte an 60 Tagen mehr als 60 Orte. Denn vor genau 60 Jahren begann die Hilfsaktion der evangelischen Kirche.

Die Sonne kitzelt in der Nase, ein letzter Schluck Kaffee und noch ein prüfender Blick auf alle Klappen und Luken des Mobils, bevor die Tür der kleinen Ape Piaggio mit einem blechenden Rums ins Schloss fällt. So begannen viele Tage der Jubiläums-
tour. Denn mitten in der schönsten Urlaubszeit fand die Geburtstagstour von Brot für die Welt statt.

Die Idee zur Aktion ist so einfach wie verrückt: Vor 60 Jahren wurde die Organisation gegründet, um für mehr Gerechtigkeit in der Welt zu kämpfen. Diesen runden Geburtstag wollte das kleine Team der Landeskirche Hannovers zusammen mit seinen Unterstützer*innen feiern und sie in ihren Orten, Gemeinden und Kirchen besuchen. Ein kleines Fahrzeug sollte als rollender Info-Tisch in die Regionen kommen und die Menschen vor Ort zu kreativen Aktionen anstoßen. Schließlich ist die Unterstützung aus den Gemeinden schon seit 60 Jahren das Fundament der Arbeit von Brot für die Welt.

Als Mobil für die Tour entschied sich das Team für einen dreirädrigen italienischen Kleinlastwagen der Marke Piaggio in der großen Ausführung mit 125 m³. Diese Fahrzeuge sind eigentlich für den Lieferverkehr in den engen und kurvigen Straßen Italiens entworfen. In Deutschland kennt man sie von Wochenmärkten als Kaffeewagen, die zwischen den Einsatzstellen auf einem Anhänger transportiert werden. So weite Strecken zu fahren, wie das Team es vorhatte, wird nur sehr selten gewagt.

Zudem will das Fahren mit drei Rädern und einer sehr überschaubaren technischen Ausstattung geübt sein. Daher begann die Tour erst einmal ganz unspektakulär mit einem Fahrtraining für alle Fahrer und das Vorbereitungsteam. Dies wurde vom Inhaber des Verleihers Schira-Mobil zusammen mit einer technischen Einweisung sogar persönlich durchgeführt. 

Danach durfte es endlich losgehen. Voller Vorfreude und Aufregung startete die Ape die Reise. Immer wenn Menschen vor Ort eingeladen hatten, wurde das Team bereits freudig erwartet. Dabei waren die Unterstützer*innen sehr kreativ und bereiteten dem Brot-Dreirad jeweils einen bunten Empfang. So besuchte das Mobil während der Aktion Gemeinden vor ihren Kirchenläden in den Innenstädten, vor Gemeindehäusern oder auf dem städtischen Wochenmarkt. 

Gefahren wurde die Ape Piaggio von drei Mitstreitern, Andreas Scharnhorst, Lukas Wessel, Reiner Focken-
Sonneck, die extra für die Tour das Team verstärkten. Uwe Becker und Madlen Schneider aus dem Team Brot für die Welt Hannovers waren für die inhaltliche Begleitung an den meisten Tagen vor Ort oder fuhren so manche der insgesamt 4.525 gefahrenen Kilometer selbst. Die Aktion verdankt ihren Erfolg aber vor allem dem Engagement und den zahlreichen kreativen Ideen der Unterstützer*innen in den verschiedenen Regionen: Von selbst gebastelten Pappfiguren als Begrüßungskomitee, über Livemusik von Chören und Bands bis zu großen Bastelaktionen wurde viel geboten. Natürlich durfte Kuchen, der die Begegnungen versüßte, nicht fehlen. Das an einigen Stationen verteilte Brot symbolisierte treffend das seit sechs Dekaden andauernde Engagement der Organisation für mehr Gerechtigkeit in der Welt.

Auch dank der Kontakte der Gemeindemitglieder in ihren Regionen entstanden immer wieder spannende Gespräche über nachhaltige Lebensführung und Verantwortung mit Passant*innen. In fast allen Kirchenkreisen besuchten die Superintendent*innen das rollende Infomobil. Auch dadurch bestimmten Ape, Aktion und die Themen der Einen Welt für einige Wochen die Regionalpresse der Landeskirche.

Im Herbst 2019 konnte Uwe Becker, der Beauftragte Brot für die Welt in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, sich über hohe Beteiligung an der Tour freuen. Der Erfolg zeige die Verbundenheit der Gemeinden zur weltweiten Ökumene und den Themen von Brot für die Welt, berichtete der Beauftragte. Damit hätte das Team einen wichtigen Teil seiner Arbeit für die Landeskirche erreicht: Brot für die Welt mit einer Vielzahl von Angeboten als Teil des Gemeindelebens lebendig werden zu lassen.

Zum Schluss sollte auch noch ein stummer, aber wichtiger und (gerade bei den Kindern) präsenter Begleiter der Tour nicht unerwähnt bleiben: Emilio, der Esel. Er war ein Weggefährte für die Fahrer*innen während der manchmal doch recht langen Fahrtabschnitte und keinem Radio an Bord. Darüber hinaus half er als Gesprächseinstieg und war eine greifbare Verbindung in den globalen Süden, wo Esel in vielen Ländern mit gering ausgebauter Infrastruktur als wichtige Transportmittel dienen. Zu guter Letzt zeigte Emilio als Tier aus der Bibel auch die christlichen Werte von Brot für die Welt auf.

Die Tour in Kürze

  • 60 Jahre Brot für die Welt
  • 60 Tage durch die Landeskirche Hannovers
  • (Mehr als) 60 Orte
  • 11 PS
  • 38 km/h Durchschnitts-
  • geschwindigkeit
  • 4.525 Kilometer gefahren
  • 5 Fahrer*innen
  • 1 Esel
  • 3 Tuben Sonnencreme
  • Viele Tassen Kaffee

Brot für die Welt

Vor 60 Jahren, im Advent 1959, begann eine besondere Weihnachtsgeschichte:
Zum ersten Mal wurden Spenden für die Aktion Brot für die Welt gesammelt. Seit dieser Zeit setzt sich Brot für die Welt für die Überwindung von Ungerechtigkeit, Hunger und Armut in der Welt ein. Die Unterstützung aus den Gemeinden war dabei in den vergangenen
60 Jahren immer das Fundament der Arbeit von Brot für die Welt. Der runde Geburtstag ist daher ein willkommener Anlass, einmal Danke zu sagen:
„Wir wollen in 60 Tagen 60 Orte in der Landeskirche Hannovers besuchen“, sagt Uwe Becker, der Beauftragte Brot für die Welt in der
Landeskirche. Vom 25. Juni bis 23. August war das Team Hannovers mit einem italienischen Kleinlieferwagen unterwegs.

Wo Brot für die Welt aktiv ist

Seit 60 Jahren kämpft Brot für die Welt für die Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. Brot für die Welt ist seit 1959 aktiv. Das weltweit tätige Hilfswerk der evangelischen Landes- und Freikirchen fördert heute in mehr als 90 Ländern Projekte zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. Im Jahr 2019 wurden 617 Projekte in 93 Ländern neu bewilligt, davon sind mit 203 Projekten die meisten in Afrika. Im Zentrum stehen langfristige Maßnahmen, die Hunger und Mangelernährung überwinden, Bildung und Gesundheit fördern, Zugang zu sauberem Wasser schaffen, die Achtung der Menschenrechte und Demokratie stärken und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen unterstützen.

Im Jahr 2018 bewilligte Brot für die Welt 726 Projekte im Umfang von rund 263 Millionen Euro. Die Zahlen für 2019 lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

120 Projekte weltweit*

Mangelernährung, Ungleichheit und die Folgen des Klimawandels sind nicht allein auf regionaler Ebene zu bekämpfen. Deshalb vernetzt sich Brot für die Welt international mit Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, um die globalen Herausforderungen zu lösen.

* Hierzu zählen auch 31 Projekte aus den Bereichen Stipendien, personelle Förderung und Ziviler Friedensdienst.

129 Projekte in Lateinamerika

Das Grundproblem Lateinamerikas ist die extrem ungleiche Verteilung des Reichtums. Auch die Demokratisierung vieler Länder hat daran nichts geändert, weil sie rein formal war. Die größte Hilfe ist daher, die tatsächliche
Anwendung der demokratischen Rechte zu fördern.

15 Projekte in Europa

Die Projektarbeit in Europa konzentriert sich auf Ost- und Südosteuropa. Alle Projektländer sind gekennzeichnet durch korrupte Verwaltungen, schwache Regierungen, hohe Arbeitslosigkeit und mangelhafte Infrastruktur, worunter die Menschen sehr leiden.

246 Projekte in Afrika

Afrika leidet nach wie vor unter gewalttätigen Konflikten und weitverbreiteter Armut. Dabei ist der Kontinent reich an Bodenschätzen, natürlichen Ressourcen und Menschen, die es besser machen können.

 

216 Projekte in Asien

Der asiatische Kontinent erstreckt sich vom Nahen Osten bis zum Pazifik  über nahezu ein Drittel des Erdumfangs. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind enorm, doch eine Gemeinsamkeit haben sie.