Eine Kirchenbank macht Geschichte

2013 entstand die Idee, eine mobile Kirchenbank durch das Gebiet unserer Landeskirche zu schicken und auf der Reise zu begleiten. Aufgestellt an Orten außerhalb eines Kirchenraumes und somit herausgelöst aus traditionellem Umfeld sollte sie Symbol sein für: „Kirche ist da, wo Du bist; Kirche ist überall und Kirche überrascht.“ Gebaut wurde der Prototyp in der hannoverschen ASG-Tischlerwerkstatt, die junge Menschen auf Berufe im Handwerk vorbereitet. Tischlermeister Till Hahlbeck konstruierte eine leicht zerlegbare und dennoch stabile Version, die auch in einen PKW passt.

Die typischen Wangen an den Seitenteilen lassen auch kirchenferne Menschen sofort erkennen, dass es sich um eine Kirchenbank handelt. Und dann ging es los mit den ersten Fototerminen. 

Hölzernes Topmodel

Erste Erfahrungen im Posieren sammelte unsere Kirchenbank für den Jahresbericht 2015. Das eigens dafür eingerichtete Fotostudio im Haus kirchlicher Dienste bot über Tage die Kulisse für illustrierende Bilder zu den Berichten. Die Requisiten füllten zwei große Umzugskartons, und Fotograf Jens Schulze schuf viele spannende Stillleben.

Mit der Kirchenbank auf Reisen

„Von der Weser bis zur Elbe, vom Harz bis an das Meer ... in Niedersachsens Bergen und in blühend roter Heide“ – Unsere Bank bereiste die vielen unterschiedlichen Landschaften in unserer Landeskirche. Ach, was musste sie dabei nicht alles aushalten: Dicke Luft im Kuhstall, feuchte Luft auf dem Kutter, eine frische Brise am Strand und eine Klettertour in der Harzer Bergwelt. Für Fotoaufnahmen zum Jahresbericht 2016 ging es auf eine sechstägige Rundreise von Nord nach Süd, und gleich zu Beginn wurde es ungemütlich: Der Wind wehte das Möbel vom Deich, und Fotograf Heiko Preller musste mit Leim und Schraubzwinge Erste Hilfe leisten.

Bei der Arbeit

Am Flughafen Hannover atmete die Kirchenbank den Duft der großen weiten Welt und modelte erstmals in internationalem Umfeld. Hier war Auftakt der Fototour für den Jahresbericht 2016, bei der Motive aus der Arbeits- und Lernwelt im Fokus standen. Denn: Kirche ist überall – Kirche ist da, wo Du bist. Auch am Arbeitsplatz oder in der Schule. So waren im Stahlwerk Hitze, Staub und Lärm die Begleiter unseres fleißigen Topmodels, und das ohne passenden Schutzhelm. An der Evangelischen IGS Wunstorf absolvierte die Bank noch einen Ganztags-Schultag inklusive leckerem Schulessen. Besonders interessiert nahm sie am Englischunterricht teil, obwohl Sport in der ersten Stunde ihr Lieblingsfach war. Einstimmige Meinung der Schülerschar zum Einsatz: „Zeugnisnote Eins!“ Vier Teile für ein Halleluja: Minibank ganz groß Als Bastelbogen auf dem Jahresbericht- Titel 2017 gelangte die Bank als Minimodell direkt zu den Lesenden. Wir waren neugierig: „Zeig‘ uns Deine eigene Kirchenbank“ ist die Fotoaktion, bei der die kleine Papierbank am jeweiligen Lieblingsplatz abgelichtet und das Bild eingeschickt werden kann. Wunderbare Fotos mit kleinen persönlichen Geschichten erreichten uns nach diesem Aufruf, einige Beispiele finden Sie in diesem Jahresbericht. Wir bedanken uns bei den bisher Teilnehmenden und freuen uns auf weitere Bilder.

Mit der Kirchenbank auf dem Wochenmarkt

Drei Kirchenbänke stehen auf dem traditionellen Markt in Langenhagen (Region Hannover) in zweiter Reihe hinter den Obst- und Gemüseständen. Drei Menschen sitzen darauf, neben ihnen ist noch Platz: Pastorin Sabine Behrens von der Langenhagener Emmaus-Kirchengemeinde, Bürgermeister Mirko Heuer und Birgit Baumann, Mitarbeiterin der Lebensberatungsstelle.

Zwischen den Marktständen weisen Bernd Buchholz und Miriam Temme auf die Kirchenbänke hin und halten Postkarten mit einer Einladung zum Platznehmen bereit. Hedwig Kuhl, eine alte Dame aus Langenhagen, die ihre Einkäufe auf dem Markt erledigt hat, setzt sich als Erste – sie wählt den Platz neben Mirko Heuer (Foto). Aufmerksam hört der Bürgermeister zu, macht sich ein paar Notizen, nickt zustimmend, fragt nach. Hedwig Kuhl hat ein ganz konkretes Anliegen: Zwei Ampeln und deren kurze Grünphase für Passanten machen es ihr schwer, zum nächsten Lebensmittelmarkt zu gelangen.

„Alte Leute können einfach nicht mehr so schnell laufen“, sagt sie. Abhilfe verspricht der Bürgermeister an diesem Tag nicht, aber alle, die neben ihm Platz nehmen, können sicher sein, dass er gut zuhört. Birgit Baumann und Sabine Behrens hören etwas andere Geschichten: von Krankheit und Durchhaltewillen, von fehlendem Gemeinsinn, von Erlebnissen mit der Familie und in der Stadt. Auch sie hören genau hin, fragen nach und behalten das Gehörte im Kopf. Am nächsten Sonntag wollen sie in der Emmaus-Kirche von dem Gehörten berichten und es im Gottesdienst thematisieren. Dann werden auch Vertreterinnen der Polizei, des Seniorenbeirates und der Wohnungsbaugesellschaft KSG von dem berichten, was ihnen zu Ohren gekommen ist: Die drei Kirchenbänke vom Marktplatz werden in der Woche der Diakonie ein zweites Mal auf einem Spielplatz in Wiesenau aufgebaut. Jede erlebte Geschichte ist es wert, gehört zu werden – davon sind Pastorin Behrens und Bernd Buchholz von der evangelischen Lebensberatungsstelle in Langenhagen überzeugt.

„Sehr oft aber bleiben diese Geschichten unerzählt und ungehört, oder aber sie werden mit Abwehr aufgenommen: ‚Das ist ja unerhört!‘, heißt es dann“, sagt die Pastorin. Überzeugend findet Behrens vor diesem Hintergrund die aktuelle Kampagne „Unerhört! #zuhören“ der Diakonie in Deutschland, der sich auch der Diakonieverband Hannover-Land angeschlossen hat.

Gemeinsam mit dem Team der Lebensberatungsstelle, die im Langenhagener Stadtteil Wiesenau in direkter Nachbarschaft zur Emmaus-Kirche einen Standort hat, entwickelte Behrens für die Woche der Diakonie ein Format, das das Zuhören würdigt: analog und direkt, ohne Einschränkung der Themen und ohne Kommentierung.

Die Bank kommt auch zu Ihnen

DIE BANK KOMMT AUCH ZU IHNEN! Unsere mobile Kirchenbank kann ausgeliehen werden. Es gibt eine große Bank für Erwachsene und ein Kindermodell. Für eine Terminabstimmung wenden Sie sich bitte an kirchenbank@evlka.de 

Bastelbogen zur Kirchenbank bestellen

STICHWORT: KAMPAGNE „UNERHÖRT! #ZUHÖREN“

Die Diakonie Deutschland wirbt mit ihrer Kampagne „Unerhört! #zuhören“ für eine offene Gesellschaft: Viele Menschen haben heute das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt, Gerechtigkeit droht auf der Strecke zu bleiben. Doch jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden. Die Kampagne, die von 2018 bis 2020 laufen soll, will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört, Lösungen bereithält und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Diakonie will diese Diskussion anstoßen und führen, sie will zur Plattform für einen Diskurs rund um soziale Teilhabe werden.

Denn: „Es ist ein kostbares Gut geworden, wenn Menschen sich gegenseitig ausreden lassen und einander zuhören. Das wünsche ich mir mithilfe der Kampagne ‚Unerhört‘: dass wir denen wieder zuhören, die ansonsten in unserer Gesellschaft überhört werden“, meint Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen.

Mit der Kirchenbank im Bastelkeller

Reto Othmer aus Harsum hat viele Leidenschaften – eine davon ist die Kirche. „Ich könnte eigentlich noch mal so eine Kirchenbank bauen.“ Reto Othmer steht vor seiner Werkbank und spannt das Sägeblatt ein. Mit geübten Handgriffen führt er das Holz und sägt die aufgezeichneten Formen aus. Auf einem der Regale im hellen Kellerraum steht seine kleine Sperrholzkirchenbank. Die hat er letztes Jahr für ein Preisausschreiben der Landeskirche gebaut. Auf der Titelseite des Jahresberichts gab es Stanzteile zum Bau einer Miniaturkirchenbank aus Pappe, dazu einen Aufruf „Zeig‘ uns Deine eigene Kirchenbank“. Gesagt, getan.

Die Vorlage war aus Karton – der 15-Jährige hat die Bank lieber als stabilere Holzversion gebaut und sie dann in der Harsumer St.-Andreas-Kirche fotografiert. (siehe S. 12) „Irgendwann hat mein Stiefvater mir ein paar Batterien und Glühbirnen gegeben, und ich habe damit ein bisschen rumexperimentiert, und das Ganze hat sich dann zum Leidwesen manch anderer immer weiterentwickelt“, erzählt Reto Othmer lachend. Alles, was im Haus kaputt gegangen ist, hat er sich vorgenommen und versucht, es zu reparieren. Und nicht nur das. „Ich kann mich noch an ein Siku- Auto erinnern, was einen Zahnbürstenmotor auf dem Dach montiert hatte und was dann durch die Stube fuhr. Das war die Tesafilmphase, da wurde alles noch mit Tesafilm zusammengehalten“, sagt seine Mutter Gabriele Hornburg- Othmer.

„Früher war meine Werkstatt ein Pappkarton, der auf meinem Schreibtisch stand, und wo ein bisschen Zeugs drin war. Jetzt habe ich im Keller die Werkbank, an der ich viel Zeit verbringe“, erzählt ihr Sohn. Reto ist aber viel mehr als nur ein Bastler. Wenn man ihm so zuhört, was er alles so anstellt, muss man sich fragen, ob seine Woche mehr Stunden hat als die eigene. Er spielt Handball im Verein, macht zweimal die Woche einen Tanzkurs, nimmt an der Theater-AG teil und hat Klavierunterricht. „Nicht, dass ich nicht auch mal zocken würde. Ich versacke auch mal vor der Konsole“, sagt Reto. Auch in der Kirche ist er aktiv. Er ist in der Jugendarbeit in der Kirche tätig.

Als Teamer begleitet er Konfirmandenfreizeiten. Im Herbst dieses Jahres will er die Jugendleiterkarte- Ausbildung machen. „Das ist quasi das Schwimmabzeichen der Jugendarbeit“, erklärt Reto. „Also da heißt es dann: wenn die Kinder Silber haben, dürfen die ins Meer, und wenn du auf bestimmten Freizeiten als Teamer mitfahren willst, brauchst du die Jugendleiterkarte.“ Der Bezug zur Kirche kommt aus der Familie. Seine Mutter macht bei der Gemeindezeitung mit und ist im Kirchenvorstand. „Die Kinder sind damit so groß geworden. Ich habe die immer mitgenommen in den Gottesdienst. Reto hat da immer geschlafen. Er hat sich wohl ziemlich wohlgefühlt“, sagt Retos Mutter.

Die Verbindung des Jugendlichen zur Gemeinde äußert sich auch in der Art und Weise, wie er sich durch die Kirche bewegt. „Ich liebe den Geruch hier“, sagt er. Man merkt, dass sie Teil seines Alltags ist. Und er steht dazu, auch wenn andere Jugendliche in seinem Alter das vielleicht nicht verstehen. „Die fragen dann: ‚Echt, du betest auch und so?‘, und dann sage ich ‚Ja, klar, ich bete auch.‘“