Landesbischof in Großbritannien

100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat Landesbischof Ralf Meister in Großbritannien zum aktiven Einsatz für Frieden und Versöhnung aufgerufen. „Dieser Krieg mahnt bis heute ganz Europa zum Frieden“, sagte Meister in der Kathedrale von Ripon in Nordengland. Frieden brauche Energie, Mut und Überzeugung.

Er stelle sich nicht einfach ein, wenn der Krieg vorbei sei. „Frieden braucht Leidenschaft. Er ist kein Traumbild, sondern eine konkrete, aktive politische Handlungsoption“, sagte Meister. Meister war anlässlich des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von Compiègne von der Diözese Leeds der anglikanischen Kirche als Prediger zu einem Gedenkgottesdienst am britischen „Remembrance Day“ (11. November) eingeladen worden.

Die hannoversche Landeskirche und die englische Diözese sind seit vielen Jahren partnerschaftlich verbunden. Meister ist auch deutscher Vorsitzender der Meißen-Kommission, in der sich die Kirche von England und die deutschen Protestanten 1991 zur Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verpflichtet haben. In seiner Predigt rief der Theologe die Schrecken des Ersten Weltkriegs in Erinnerung, in dem mehr als neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten ihr Leben verloren: „Dieser Krieg ist nicht nur ein furchtbares historisches Kapitel der europäischen Geschichte, sondern er lebt in den Erinnerungen unserer Familien und unserer Kultur fort.“

Das gelte in England und Deutschland ebenso wie in Frankreich oder Russland. Der Krieg habe Europa zerrissen. Die Menschen in allen europäischen Ländern seien damals überzeugt gewesen, sie gingen in den Krieg, um sich verteidigen zu müssen. „Diese Haltung erscheint uns vertraut“, sagte Meister. Sie gewinne weltweit sogar eine neue Attraktivität. Doch wenn die "nationale Souveränität" verteidigt werden solle, vermischten sich Leidenschaft und Gefühl leicht mit Ressentiment und Abwehr. „Unsere Sprache verroht und wird feindselig. Und schneller als gewollt entsteht aus dieser Verteidigung ein Angriff.“ So könne Ausgrenzung entstehen. Meister rief dazu auf, im christlichen Glauben die Grenzen von Nationen und Rassen zu überwinden.

Auf seiner Reise nach England wurde Meister vom Mädchenchor Hannover begleitet. Der Chor sang am Sonnabend bei einem Friedenskonzert. Mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 zwischen dem Deutschen Reich und den Westmächten Großbritannien und Frankreich endeten vor 100 Jahren die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs. Deutsche und alliierte Offiziere unterzeichneten das Abkommen in einem Eisenbahnwaggon in einem Wald bei Paris.