Kompetenz für Mitarbeitende: Zentrum für Seelsorge

Kein halbes Jahr war die junge Pastorin auf ihrer ersten Stelle. Dann diese Beerdigung. Das einzige Kind war im Swimmingpool der Eltern ertrunken. „Das ganze Dorf hat Anteil genommen“, erzählt Angela Grimm noch 28 Jahre später. „Nach der Beerdigung habe ich gedacht, ich will diese Eltern, die ihr Kind verloren haben, besser verstehen.“ Damals ging Grimm auf ihre erste Fortbildung zum Thema „Seelsorge“, seit August 2018 leitet die Theologin das „Zentrum für Seelsorge“ (ZfS) der Landeskirche Hannovers.

Bis zu 100 Kursangebote für hauptund ehrenamtlich Mitarbeitende macht das Zentrum im Jahr, bis zu 2.500 Interessierte nehmen teil. Von „Altenseelsorge“ über die Psychologische Beratung und den Basiskurs „Seelsorge für Ehrenamtliche“ bis „Telefonseelsorge“ reichen die Stichworte im über 200 Seiten dicken Programm. Dazu gehören auch Angebote im Rahmen der Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren.

Den Begriff „Seelsorge“ erklärt Grimm übrigens in aller Kürze so: „Schweres mit einem Menschen aushalten, aber auch Lustvolles im Leben begleiten.“ Ist nicht jede Gemeinde ein „Zentrum für Seelsorge“? „Jede Kirchengemeinde ist die Keimzelle der Seelsorge“, betont die ZfS-Direktorin, es gebe aber Aufgaben, für die eine besondere Aus- oder Fortbildung nötig sei. Grimm nennt als Beispiele die Notfallseelsorge und die Palliativ- und Hospizseelsorge. Dort werde künftig das Wissen über andere Religionen und Kulturen an Bedeutung gewinnen.

„Sie werden zu einem muslimischen Mann gerufen, der seine Frau verloren hat. Was sagen Sie dem? Die Frage kann jede Kollegin und jeden Kollegen treffen.“ Ein aktueller Schwerpunkt für die Direktorin ist die Digitalisierung. „Seelsorge im Netz wird ein Zukunftsthema sein“, sagt Grimm. Mit der Telefon- und Chatseelsorge, der Hauptstelle für Lebensberatung und der Evangelischen Medienarbeit (EMA) werde bereits seit 2016 am Thema gearbeitet. „Wir brauchen Portale auch für die Lebensberatung.

Die Leute müssen dort schnell finden, was sie brauchen.“ Ihre Idealvorstellung beschreibt Grimm so: „Ich wünsche mir eine App fürs Handy, auf der man Seelsorge und Beratungsangebote findet und nutzen kann.“ Netzgemeinden könnten an Bedeutung gewinnen für Mitglieder, die beispielsweise beruflich viel unterwegs sind. „Stellen Sie sich eine deutsche Bankerin vor, die in London lebt und Kontakt zur Heimatkirche sucht. Ihren Bedürfnissen können Einzelne oder auch einzelne Kirchengemeinden im Netz nicht gerecht werden.“

Die oft geführte Debatte über zentrale Einrichtungen der Kirche sieht Grimm gelassen. Bevor sie 2018 zum ZfS kam, war sie 13 Jahre Superintendentin im Kirchenkreis Harlingerland. „Die Gemeinden an der Küste haben auch lange diskutiert, ob es eine eigene Urlauberseelsorge braucht.“ In den vergangenen Jahren seien im ZfS viele vorhandene Stellen zusammengeführt worden, neu geschaffen wurden dagegen nur wenige, etwa die für das neu entstehende Arbeitsfeld „Mediale Seelsorge“. Die 43 Köpfe, die zum ZfS gehören, hätten dort oft nur halbe oder Viertel-Stellen, einzelne lediglich eine Beauftragung ohne Stellenanteil. Grimm nennt ihr Haus „ein echtes Kompetenzzentrum“. Durch die Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger gebe es zum Beispiel Verbindungen zum „Zentrum für Gesundheitsethik“, wichtige Fragen, wie die nach dem Ende des Lebens oder dem Einsatz von Robotern in der Pflege, würden gemeinsam bedacht.

Die zahlreichen Expertinnen und Experten des ZfS gehen darüber hinaus auch auf individuelle Fortbildungswünsche ein: „Wir halten ,On-Demand-Angebote’ bereit, und Kirchenkreiskonferenzen oder Gruppen können Seminare zu Themen buchen, die für sie aktuell und wichtig sind.“