Der Seele Raum geben

Die hannoversche Landeskirche ist „steinreich“. Rund 8.000 Gebäude sind im Besitz der Kirchengemeinden. Unter ihnen sind rund 1.400 Kir chen sowie 1.000 Pfarr- und 1.200 Gemeindehäuser. Kirchliche Gebäude stiften Identität und sind der „Schatz“ einer Kirchengemeinde. Zugleich sind sie ein Kostenfaktor ... – darum ist „Gebäudemanagement“ gefragt.

Hauptgrund für künftige Finanzierungsschwierigkeiten ist die demographische Entwicklung. Derzeit gehören rund 2,6 Millionen Kirchenmitglieder zur hannoverschen Landeskirche. Bis 2040 rechnet die Landeskirche mit einem weiteren Rückgang der Kirchenmitglieder. Die Finanzkraft wird um die Hälfte sinken. Grund ist der Anstieg der Zahl der über 80-jährigen in Deutschland um 70 Prozent, während die Zahl der jüngeren potenziell Erwerbstätigen deutlich zurückgeht.

Den rückläufigen Kirchensteuereinnahmen stehen schon jetzt deutlich ansteigende Ausgaben für Gebäude gegenüber: Die Preise für Heizöl, Erdgas oder Strom sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Der finanzielle Aufwand für die Bauunterhaltung, Bewirtschaftung (Reinigung, Versicherung, Verwaltung, Energie) und Modernisierung bedeutet eine langfristige bzw. dauerhafte Belastung für die Kirchengemeinden.

Bereits in den Jahren 2005 und 2006 hatte die Landessynode der Evangelisch- lutherischen Landeskirche Hannovers den Impuls gesetzt, auf verschiedenen kirchlichen Ebenen die Zahl der Gebäude in den Blick zu nehmen. So wurden bereits im Jahr 2008 die Kirchenkreise neben der Stellen- und Finanzplanung auch mit einem „Gebäudemanagement“ beauftragt. Im Jahr 2013/14 folgte ein Förderprogramm der Landeskirche, um Gebäudebedarfspläne für alle Gebäude im Bereich der Kirchenkreise zu entwickeln. Viele Kirchengemeinden und Kirchenkreise sind bereits auf dem Weg zu einer kritischen Durchsicht ihres Gebäudebestandes und zur Entscheidung über die nötigen Konsequenzen.

Nötig ist vor allem Kommunikation: Ohne eine Verständigung zwischen Kirchengemeinden und Kirchenkreisen „tragen“ Veränderungsentscheidungen oft nicht. Gebraucht werden außerdem Ausdauer und Geduld, insbesondere die Entscheidungen zur Reduzierung des Gebäudebestands sind oft nicht schnell umsetzbar. Aufgebaut werden soll in den Kirchen ein System der ganzheitlichen Betrachtung von Gebäuden einschließlich einer veränderten Nutzung bis hin zur Aufgabe nichtbenötigter Gebäude. Das Ziel muss sein und bleiben, möglichst überall einladende, bedarfsgerechte und finanzierbare Räumlichkeiten für die inhaltliche kirchliche Arbeit der evangelischen Kirchen anbieten zu können. Und Mut, den „Wandel“ zu gestalten!

Auf dem Bild: Maßarbeit: Pläne einer mittelalterlichen Kirche zur Vorarbeit für Renovierungsarbeiten.

Leitlinien für Gebäudekonzepte

In den Regionen sind für den Zeitraum 2010 bis 2020 Gebäudekonzepte zu erarbeiten und dem Kirchenkreisvorstand vorzulegen. Bei der Erstellung der Gebäudekonzepte in Kirchenkreisen und Kirchengemeinden sind insbesondere folgende Zielvorgaben zu berücksichtigen:

  • Es wird angestrebt, die im Kirchenkreis vorhandenen Flächen in kirchlichen Gebäuden zu verringern.
  • Kirchen sollen in ihrem Bestand erhalten bleiben. Soweit es die Gemeindesituation zulässt und es bautechnisch und denkmalpflegerisch möglich ist, soll eine multifunktionale Nutzung, z. B. für Gemeindeveranstaltungen, angestrebt werden.
  • Flächen in Gemeindehäusern oder Gemeinderäume, die über den zulässigen Höchstflächen liegen, werden bei der Bewilligung von Grund- und Ergänzungszuweisungen nicht berücksichtigt.
  • Der Bedarf an Pfarrhäusern oder -wohnungen richtet sich nach der Stellenplanung. Nach kirchlichem Recht sind die Kirchengemeinden verpflichtet, den Pastoren und Pastorinnen mit einem gemeindlichen Auftrag eine Dienstwohnung zur Verfügung zu stellen. Zurzeit liegen über 90 Prozent der Dienstwohnungen in kircheneigenen Pfarrhäusern. Allerdings können Pfarrstellenkürzungen dazu führen, dass zum Beispiel zwei der insgesamt sechs Pfarrdienstwohnungen einer Region entbehrlich sein werden. Auf Dauer nicht mehr benötigte Pfarrhäuser oder -wohnungen sind zu veräußern.
  • Nicht zum Kernbestand gehörende Gebäude sollen nur erhalten werden, wenn neben den Kosten für regelmäßige Bauunterhaltung und periodische Sanierung auch eine marktübliche Rendite erwirtschaftet werden kann.
  • Der Gebäudebestand soll möglichst auf einen Standort konzentriert werden.
  • Möglichkeiten der Mehrfachnutzung von Räumen und Gebäuden innerhalb der Kirchengemeinden und Regionen oder mit Dritten sind anzustreben.

STICHWORT Gebäudemanagement

Ziel von Gebäudemanagement ist es, dass jede Kirchengemeinde mit ihrem vorhandenen Gebäudebestand bewusster umgeht und die langfristige inhaltliche Arbeit durch Schaffung und Unterhaltung eines bedarfsgerechten, funktionalen, wirtschaftlichen und zeitgemäßen Gebäudebestandes unterstützt. Zu den Maßnahmen zählen:

Verkauf
Verkauf wird sich vorrangig überall dort anbieten, wo kirchliche Gebäude langfristig für kirchliche Zwecke nicht mehr benötigt werden. Mit der Veräußerung werden alle mit der Eigentümerstellung verbundenen Pflichten und finanziellen Lasten dauerhaft abgegeben. An- oder Verkäufe von bebauten oder unbebauten Grundstücken durch Kirchengemeinden bedürfen der kirchenaufsichtlichen Genehmigung.

Neubau
Häufig lassen sich durch einen Neubau Einspareffekte erzielen, wenn ein Neubau deutlich kleiner als der Bestand und energetisch zeitgemäß gebaut ist.

Teilabriss
Wenn der Gesamtzustand eines kirchlichen Gebäudes, das generell und an diesem Standort weiterhin benötigt wird, gut ist, kann sich im Einzelfall auch empfehlen, die Übergröße durch einen Teilabriss zu beseitigen und das Gebäude nur in der künftig benötigten Größe zu behalten.

Nutzungsoptimierung
Wenn der Gebäudebestand durch Abgabe nicht mehr verkleinert werden kann, so lassen sich in einigen Situationen vertragliche Vereinbarungen zur (entgeltlichen) Mitbenutzung (z. B. durch örtliche Vereine oder Gruppen) treffen. Auch Absprachen zur Mitnutzung durch benachbarte Kirchengemeinden helfen, die Bewirtschaftung und Bauunterhaltung sicherzustellen.

Zahl der Gebäude