Popkultur trifft Reformation

Über 12.000 Besucher haben in Hannover den Tournee-Auftakt des Pop-Oratoriums „Luther“ erlebt. In der TUI-Arena erzählten Solisten und zwei Mega-Chöre mit insgesamt mehr als 2.400 Sängerinnen und Sängern aus ganz Niedersachsen im Musical-Sound die Lebensgeschichte des Reformators Martin Luther (1483–1546).

Das zweieinhalbstündige Stück mit Rockband und Orchester stammt aus der Feder des Komponisten Dieter Falk und des Musical-Autors Michael Kunze. Es entstand anlässlich des Reformationsjubiläums 2017. Die Rahmenhandlung orientierte sich am Reichstag zu Worms 1521, als Luther sich weigerte, vor dem Kaiser seine kirchenkritischen Schriften zu widerrufen.

Das Pop-Oratorium zeige, das Martin Luther überhaupt nicht verstaubt sei, sagte der geistliche Vizepräsident des evangelischen Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries. „Und falls er es war, wird er heute Abend entstaubt.“ „Vieles wird im Ohr bleiben“, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, am Rande der Aufführung. „Ich bin überzeugt, einige Lieder werden neue evangelische Schlager werden.“

Luther-Darsteller Frank Winkels berichtete, die Hartnäckigkeit und Standfestigkeit des Reformators sowie sein Mut beeindruckten ihn sehr. Komponist Falk sagte, Luther sei so etwas wie eine „heilige Kuh“ des Protestantismus. Er dankte der Kirche für ihr Vertrauen.

Hauptveranstalter des Pop-Oratoriums war die Stiftung Creative Kirche im westfälischen Witten. Schirmherr war neben Margot Käßmann der Fernseh-Moderator Eckart von Hirschhausen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers präsentierte das Erfolgsmusical „Luther“ mit Stars der Musical-Szene, einer Band und Chören mit mehr als 2.000 Sängerinnen und Sängern in vier Regionalaufführungen. Die musikalische und organisatorische Federführung der vier Konzerte in Hildesheim, Aurich, Loccum und Celle lag beim „Michaeliskloster Hildesheim“ in Hildesheim.

Beim Luther-Musical singen tausende Niedersachsen in der TUI-Arena

„Ein Typ mit Ecken und Kanten“

Dieter Falk, Sie sind der Komponist des Stücks: Ein Pop-Oratorium über Luther – wie sind Sie auf die Idee gekommen? Wir hatten vor fünf Jahren schon ein Vorgängerprojekt zu den zehn Geboten. Da unser Konzept, lokale Chöre an einem großen Bühnenstück zu beteiligen, so gut ankam, haben wir gedacht, machen wir doch noch ein neues. Das Thema Luther bot sich an wegen des 500. Reformationsjubiläums. Der Autor Michael Kunze und ich hatten wirklich große Lust, ein Stück über Luther zu schreiben. Aber nicht als „normale“ Biografie, sondern mit dem Reichstag zu Worms 1521 als Rahmenhandlung.
Warum nur Worms? Da steckt Drama und Spannung drin. Es ist ja im Prinzip ein Prozess, der Luther gemacht wird. Da lässt sich auch gut zeigen, was Luther für ein Typ war. Natürlich ein begnadeter Rhetoriker, der aber auch kantige und auch schwache Momente hat. Eben keine Hero-Story, keine Helden-Geschichte. Einen Menschen mit allen Ecken und Kanten zu zeigen war unser Ziel.
Welche Musik passt dazu? Es ist relativ rockig an einigen Stellen, das passt zu dieser kantigen Figur Luther. Mir war wichtig, dass man auch die Original-Zitate immer wieder mal hört. Es ist auch zum Teil eine Rundreise durch die Kirchenmusik. Wir haben einige Choräle von Luther, die zum Teil als Bigband-Swing umarrangiert sind. Luther war ja der erste, der durch seine Choral-Adaptionen von Volksliedern Popmusik in die Kirche gebracht hat.