Geschickt in alle(n) Welten

„Es ist sehr schön zu spüren, welche Kraft eine solche Gemeinschaft entfaltet, wie wir sie heute hier erleben“, sagte Landesbischof Ralf Meister auf einem Generalkonvent der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Mehr als 1.200 Pastorinnen und Pastoren waren der Einladung in den Kuppelsaal in Hannover gefolgt und diskutierten über ihren „Beruf mit Berufung“ …

Anlässlich des Reformationsjubiläums trafen sich 1.200 Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers im Hannover Congress Centrum. Das Thema des Generalkonvents, der zum ersten Mal für alle Pastorinnen und Pastoren aus der Landeskirche gemeinsam stattfand, lautete „Geschickt in alle(n) Welten …“ – Ordination und Berufungsgewissheit im 21. Jahrhundert. Eingeladen hatten Landesbischof Ralf Meister und die sechs Landessuperintendentinnen und Landesuperintendenten, die an der Spitze der Sprengel der Landeskirche stehen. Nach dem Hauptvortrag des Soziologen Prof. Dr. Rainer Schützeichel (Bielefeld) standen 18 Workshops auf dem Programm, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Aspekten des Pastorenberufs auseinandersetzt. Die Referentinnen und Referenten kamen hier auch aus nichtkirchlichen Berufsgruppen wie Polizei, Justiz oder Medizin. Der Tag schloss mit einem Abschlussgottesdienst mit Abendmahl im Kuppelsaal, in dem Landesbischof Ralf Meister predigte. Er sagte: „Vom Polizeipräsidenten über die Ärztin bis zum Gründer einer politischen Initiative – wie andere ihren Beruf als Berufung erleben oder an dieser Berufung zweifeln, sollte ebenso eine Rolle spielen wie theologische Fragen rund um den Beruf eines Pastors bzw. einer Pastorin.“

In Vorträgen, Diskussionen und Workshops überlegten die Theologinnen und Theologen, wie das Pfarramt zwischen inneren und äußeren Herausforderungen, zwischen Tradition und Strukturwandel beweglich und stark bleiben kann. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Spannungen zwischen der inneren Gewissheit der Berufung, Pastorin oder Pastor zu sein, und den aktuellen Anforderungen an den Dienst in der Gemeinde.

Die Berufung unterscheide den Pastorenberuf von anderen Berufen, sagte der Bielefelder Soziologe Prof. Rainer Schützeichel in seinem Hauptvortrag: „Pastorinnen und Pastoren sind das Gesicht der Kirche“, so Schützeichel. Er sei sehr beeindruckt, wie sehr die Pastorinnen und Pastoren selbst um ihr Berufsbild ringen, und finde es gut, dass sie die Berufung als zentrales Moment erkennen.

Zur Stärkung der Berufungsgewissheit erinnerte Landesbischof Meister im Abschlussgottesdienst des Generalkonventes an die Ordination der Pastorinnen und Pastoren: „Bei unserer Ordination wurden wir mit Gebet und Auflegen der Hände in den Dienst als Pastorin oder Pastor berufen. Wir wurden gesegnet und gesendet. Daran wollen wir uns erinnern.“ Mit der feierlichen Erinnerung an die Ordination und dem gemeinsamen Abendmahl endete der erste landeskirchliche Generalkonvent.

STICHWORT Generalkonvent

In den sechs Sprengeln der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers laden die Landessuperintendentinnen und Landessuperintendenten einmal im Jahr die Pastorinnen und Pastoren zu einer eintägigen Tagung ein, dem sogenannten Generalkonvent. Diese Tagungen finden üblicherweise für jeden Sprengel getrennt statt. Aus Anlass des Reformationsjubiläums gab es erstmals einen gemeinsamen Generalkonvent, zu dem alle Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eingeladen waren.

Zwischen Klage und Gewissheit
Stimmen vom Tage

Nicola Wendebourg, Oberlandeskirchenrätin

„Wir brauchen Freigeister, die vertieft nachgedacht haben und sich einen eigenen Kopf machen.“

Christian Schefe, Pastor in Bremerhaven

„Was ich mitnehme: Mir kommt das sehr entgegen, das Klagen wahrzunehmen.  Aber wir dürfen eben nicht immer nur klagen, sondern müssen auch einfach mal sagen, wir machen jetzt was! Und wir haben ja einen tollen Beruf, das ist mir nochmal sehr bewusst geworden.“

Bärbel Wallrath-Peter, Superintendentin Hannover-Mitte

„Für mich war der Generalkonvent eine große Gemeinschaft und ein Wiedertreffen von Kollegen und Weggefährten. Und eine große Vergewisserung und eine kritische Vergewisserung, warum wir in unserem Beruf unterwegs sind – und: es ist ein toller Beruf!“

Stefan Wollnick, Pastor in Katlenburg

„Ich finde es spannend, mit Vikarinnen und Vikaren und Pastorinnen und Pastoren darüber zu diskutieren, wie sie Beruf und Berufung erleben und wie wir auch neu denken können für die Zukunft, wie der Beruf des Pastors, der Pastorin in einer neuen Gesellschaft aussehen kann.“

Reina van Dieken, Pastoralpsychologische Beraterin

„Das Thema Berufung finde ich interessant. Denn in den Supervisionen habe ich oft damit zu tun, dass Pastoren über ihr Amtsverständnis nachdenken, sie in Zweifel kommen oder ihnen etwas wegbricht und sie darum ringen, eine neue Berufungsgewissheit zu bekommen.“