„Kirche bietet ...“ – Berufe mit Berufung

Kirche bietet Berufe mit Berufung und sucht „Berufene“. W ie eine Kirchenmusikerin aus Leidenschaft, eine Diakonin im Einsatz für Jugendliche oder der Lokomotivführer auf dem Weg zum Pfarrberuf: Spannende Lebenswege künftiger Mitarbeitender ...

Eine künftige Kirchenmusikerin stellt sich vor ...

Warum genau ich mich ausgerechnet für die Orgel entschieden habe, kann ich rückblickend gar nicht sagen. Die Orgel sah besonders schön aus und war so ein großes Instrument im Kirchenraum – faszinierend! Den ersten Unterricht erhielt ich in meiner Heimatgemeinde Einbeck bei Kreiskantorin Ulrike Hastedt. Die ersten Stunden waren sehr anstrengend: Gleichzeitig mit zwei Händen Tasten zu drücken, das kannte ich aus meinem Klavierunterricht – aber jetzt auch noch mit den Füßen?! Mit Zeit und Übung wurde es schnell besser.

In meinem USA-Auslandsjahr nahm die Gastfamilie mein musikalisches Hobby sehr ernst. Obwohl wir in einer ländlichen Gegend wohnten, brachte mein Dad mich regelmäßig zu einer Orgel „in der Nähe“ (etwa 45 Auto-Minuten entfernt). Diese Erfahrung zeigte mir: Meine Zeit an der Orgel ist kostbar. Bei meiner Rückkehr stand fest: Ich möchte weiter Orgel spielen. Meine Lehrerin übernahm wieder den Unterricht. Sie schlug auch einen Besuch in der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte Schlüchtern vor. In einem ehemaligen Kloster werden dort Kurse zu verschiedenen Themen abgehalten. Besonders schön war diese Erfahrung, weil ich von vielen Gleichaltrigen umgeben war. Dort erhielt ich auch meinen ersten Chorleitungsunterricht. In der Kantorei zu Hause durfte ich dann zur Übung hin und wieder ein Einsingen gestalten oder einen Kanon einstudieren. Erste eigene Gottesdienste waren sehr aufregende Situationen voller Lampenfieber und Unsicherheit. Aber die Liturgie wurde bald vertraut. Es machte Freude, daran mitgestalten zu können, Stücke für die Umrahmung auszuwählen oder kleine musikalische Botschaften zu verstecken. Irgendwann stand die Entscheidung, Kirchenmusik zu studieren. Das Studium ist sehr vielseitig, von Musiktheorie über Chorleitung, Musikwissenschaften und Orgelunterricht ist alles dabei. Viele Fächer werden als Einzelunterricht erteilt, daher kann individuell auf Schüler eingegangen werden. Das ist zwar sehr fordernd, aber natürlich auch großer Luxus.

Mir macht es Spaß, mit den Menschen in der Gemeinde regelmäßig oder auch nur projektweise arbeiten zu können, mit ihnen an Kompositionen zu wachsen und gemeinsam auf spannende Auftritte zuzugehen. Es macht Spaß, Konzerte zu organisieren, Programmtexte zu überlegen oder Projekte zu planen. Es macht Spaß, Gottesdienste zu begleiten und musikalisch zu bereichern. Und es macht mehr als Spaß – es macht glücklich!

Isabelle Grupe, Kirchenmusik (Bachelor of Music), Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, seit April 2018 im 6. Semester

Ein künftiger Pastor meldet sich zu Wort

1996 wurde ich in Polen geboren und wuchs in einem kleinen Dorf auf. Meine Familie ist katholisch, entsprechend wurde ich erzogen. Ich erinnere mich daran, dass ich immer gern in die Kirche ging. Mein Glaube füllte schon damals einen großen Teil meines Lebens aus. Nach der Kommunion wurde ich Messdiener und übte diesen Dienst mit großer Freude aus. Mit elf Jahren kam eine große Veränderung: unser Umzug nach Deutschland. Ich habe diesen Wechsel aber nie als Belastung empfunden, sondern vielmehr als ein Abenteuer. Die deutsche Sprache lernte ich schnell, fand Freunde und lebte mich in die Gesellschaft ein. In der Schule fesselte mich das Thema „Reformation“. Ich vertiefte mich in Glaubensfragen und entdeckte auch durch mein Orgelspiel die Liebe zum evangelischen Gottesdienst, so dass ich die notwendigen Konsequenzen zog und konvertierte.

Lange überlegte ich, was ich nach meinem Abitur machen möchte. Im Gegensatz zu den Überlegungen meiner Freunde war es bei mir aber keine Wahl zwischen tausenden Berufen, sondern nur zwischen zwei: Lokführer oder Pastor.

Ich habe mich zuerst für den Weg auf der Schiene entschieden und begann meine Ausbildung als Lokführer. Dort erlebte ich eine interessante und bereichernde Zeit, die allerdings schnell endete. Nach acht Monaten Ausbildung wurde bei mir Epilepsie festgestellt. Ein krankheitsbedingtes Ausschlusskriterium für den Beruf des Lokführers. Die Ausbildung konnte ich somit nicht beenden.

Damit aber kam die andere Möglichkeit für mich wieder in den Blick, die mich nie losgelassen hatte: Berufswunsch Pastor. Bei einem Angebot der theologischen Nachwuchsförderung der Landeskirche Hannovers mit Pastor Mathis Burfien machte ich mich gemeinsam mit anderen jungen Menschen auf den Jakobsweg. Auch um Klarheit zu finden für mich.

Die Zeit dort, die gemeinsamen Gespräche und Freundschaften, die Gebete, Andachten, Impulse und die Zeit für Stille auf diesem Pilgerweg bestätigten meine Entscheidung. Seit 2017 studiere ich nun evangelische Theologie auf Pfarramt. Ich könnte mir nichts Schöneres und Spannenderes mehr vorstellen, als die alten Sprachen zu erlernen und die Geschichte der Menschen mit Gott zu erforschen. Und dann später einmal, als Pastor, diese Geschichte weiter zu schreiben. So kann ich zu dem jetzigen Zeitpunkt meines Lebens sagen: Es fühlt sich so an, als ob Weichen für mein Leben gestellt wurden. Und es fühlt sich richtig und gut an!

Dawid Zakrzewski, 21, polnischer Ex-Katholik, Ex-Lokführer-Azubi, Student evangelische Theologie mit dem Ziel Pfarramt.

PastorInnenCheck

Eine künftige Religionspädagogin erzählt aus ihrem Studium

Mein Weg führte mich über ein FSJ im Theater in Wolfsburg und ein Studium der Skandinavistik und Pädagogik in Kiel nach Hannover an die Hochschule, um hier inzwischen im sechsten Semester Religionspädagogik und Soziale Arbeit zu studieren. Man könnte sagen, ich habe Umwege gemacht in meinem Lebenslauf. Ich kann nur sagen, dass es jeden Schritt gebraucht hat, um mich hierhin zu bringen. Ich bin froh darüber, ein FSJ gemacht zu haben, und ich bin froh, mein erstes Studium in Kiel erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Ich habe viel gelernt dabei, was mir immer wieder weiterhilft und was mich begleitet. Ich brauchte die Zeit, um genau die richtige Entscheidung für mich zu treffen und Mut zu fassen: In Hannover mit einem zweiten Bachelorstudium von vorne zu beginnen.

Die Entscheidung, den Weg in Richtung eines kirchlichen Berufs einzuschlagen, war eine große für mich, obwohl ich lange in der evangelischen Jugend aktiv war. Im Endeffekt haben aber meine Neugier und mein Interesse gesiegt über die Zweifel.

An der Hochschule in Hannover studiere ich nun schon bald drei Jahre und genieße die Freiheit, zu lernen und zu entdecken genauso wie die Gemeinschaft im Studiengang Religionspädagogik. Im Studium darf ich mich mit den großen theologischen Fragen beschäftigen und gleichzeitig religionspädagogisches Handwerkszeug sowie Inhalte der Sozialarbeit erlernen.

Ich habe mit dem Neustart in Hannover viel von mir entdeckt. Ich hatte großes Glück in dem, was sich hier zusammenfügte, in Arbeit, Studium, Ehrenamt und Freundschaften, und bleibe doch (glücklicherweise) weiter auf dem Weg. Wohin es mich nach dem Studium genau trägt, bleibt spannend, viel gibt es noch, was ich lernen und ausprobieren möchte. Doch eines steht für mich fest: Ich werde Diakonin. Und ich freue mich darauf!

Fotoaktion „himmlische Botschaften“ auf dem Landesjugendcamp: Anja Goral (vorne) informiert Jugendliche über kirchliche Berufe.

„Und was hast du in der Kirche erlebt?“ Schülerinnen und Schüler über ihren möglichen Weg ins Pfarramt

– Meine Talente entdeckt und entfaltet
– Verantwortung übernommen

Carina, 19, Studienwunsch Theologie

– Gemeinsam unterwegs gewesen und Gemeinschaft entdeckt
– Diskutiert mit anderen Gläubigen in meinem Alter

Janik, 17, Studienwunsch Theologie

– Mut gewonnen, vor vielen Menschen Klavier zu spielen
– Einen Witz vor fast 100 Leuten gemacht, der nicht mal lustig war, aber trotzdem haben alle gelacht
– Ausgesprochen, was ich glaube
– Gemerkt, wie wichtig Wasser ist

Wiebke, 17, Studienwunsch Theologie

– Halt und Sicherheit gefunden
– Fragen beantwortet bekommen, auf die sonst keiner eine Antwort hatte
– Eine Beziehung zu etwas außerhalb dieser Welt aufgebaut
– Meine Sicht für Unsichtbares geweckt

Hanna-Lena, 17, Studienwunsch Theologie

– Gott getroffen
– Leute getroffen, die denselben Glauben haben
– Leute getroffen, die meinen Glauben verstehen

Marla-Jun, 19, Studienwunsch Religion/Lehramt

– Mit Gott in Verbindung gekommen
– Zusammenhalt / Gemeinschaft erlebt
– Richtig Spaß gehabt
– Mich selbst ausprobiert
– Als ICH akzeptiert worden

Florian, 18, Studienwunsch Theologie

Auf dem Weg in kirchliche Berufe der hannoverschen Landeskirche*
* Stand: Wintersemester 2017/2018, Liste der hannoverschen Landeskirche

Religionspädagogik und Soziale Arbeit: Theologie: Kirchenmusik: 164 Studierende in der Liste
(106W /58M)


281 Studierende in der Liste
(186W/95M)

 

Master- und Bachelorstudierende
(bundesweit ca. 380)
(12W/6M)

 

Zum Wintersemester 2017/2018 freuen sich Studierende der Sozialwissenschaften über ihren Studienplatz an der Hochschule Hannover.