300 Kilometer für die Seele

Unterwegs auf dem Pilgerweg. Bild: Landeskirche

Er hat sich an dem Weg der 13 Mönche aus dem Zisterzienserkloster Volkenroda orientiert, die 1163 ausgezogen sind, um in den Niederungen des Steinhuder Meeres ein Tochterkloster zu gründen: das heutige Kloster Loccum. Der Autor Jens Gundlach – ehemals Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung – nahm die Idee auf und wanderte vom Solling aus auf eigenen Wegen die Strecke von Loccum nach Volkenroda und veröffentlichte darüber in seiner Zeitung einen Reisebericht. Dieser Bericht stieß auf großes Interesse.

Von vielen Seiten wurde Jens Gundlach dazu aufgefordert, ein Buch über seine Wanderung zu verfassen. Es erschien 2005 unter dem Titel: „Zwischen Loccum und Volkenroda. Ein Pilgerbuch“. Gleichzeitig ist mit dem Buch die Idee geboren worden, mehr als ein solches Projekt zu machen: Im Hinblick auf den Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover wurde parallel zum Buch von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ein markierter Weg – der „Pilgerweg Loccum-Volkenroda“ – geschaffen. Der 300 Kilometer lange Pilgerweg mit insgesamt 17 Etappen folgt seitdem einer abwechslungsreichen Naturlandschaft entlang Weser, Leine und Unstrut. Er führt über das Wesergebirge, den Vogler, den Solling und durch das Eichsfeld bis nach Thüringen.

Die Eröffnung fand am 5. April 2005 durch die damalige Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann im Hamelner Münster statt. Verantwortung und Trägerschaft liegt seit 2008 in den Händen des Hauses kirchlicher Dienste, das für gemeindliche und gemeindeübergreifende Arbeit in der Landeskirche Hannovers zuständig ist. So wurde aus einem Projekt ein verlässlich nutzbares Angebot. 2008 wurden gemeinsam mit ehrenund hauptamtlichen Mitwirkenden aus den Kirchengemeinden und Vertretern der Touristik am Pilgerweg die verlässlich gastfreundlichen Angebote für Pilgernde und Kirchengemeinden entwickelt. Inzwischen bieten 85 der 100 Kirchengemeinden und Klöster auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda – je nach ihren Möglichkeiten – jeweils von Ostern bis zum Reformationstag verlässliche gastfreundliche Angebote an. Das können Andachten oder Kirchenführungen sein, Pilgerherbergen, Pilgerstempelstellen oder verlässlich von 9 bis 18 Uhr geöffnete Kirchen.

Pilgernde haben so schon im Vorfeld die Möglichkeit sich darüber 300 Kilometer für die Seele Zehnjähriges Jubiläum feierte der Pilgerweg Loccum-Volkenroda im Jahr 2015. Am Anfang hat er klein begonnen: Als Pilgerweg für ein Projekt des Europäischen Jugendbildungszentrums im Kloster Volkenroda in Thüringen. Zur Expo 2000 eröffneten Jugendliche den ökologisch orientierten Jodokusweg von Volkenroda über Hannover nach Loccum. 50 zu informieren, wo eine Toilette vorhanden oder wo ein Glas Wasser für sie bereit gestellt ist. All diese Angebote und die beteiligten Kirchengemeinden und Klöster sind neben den per GPS erfassten Etappen über den Pilgerweg- Navigator auf der Homepage www. loccum-volkenroda.de abrufbar.

So kann jede Pilgerin und jeder Pilger die Pilgerreise im Vorfeld planen. Wer pilgert weiß, was ihn vor Ort erwartet. Das ist das Besondere, was den Pilgerweg Loccum-Volkenroda von vielen anderen Pilgerwegen unterscheidet. Die Verlässlichkeit der Angebote auf dem Weg. Zudem gibt es Unterkünfte in Hotels und Pensionen. Man kann sich allein oder in einer Gruppe auf den Weg machen. Es gibt Angebote für das Pilgern mit Hund. Es sind schon Pilger mit Pferd oder auch mit einem Lama gesichtet worden. In Volkenroda steht der Christuspavillion von der Expo 2000 in Hannover. Nicht wenige der mehr als 3000 jährlichen Pilgerinnen und Pilger starten in Volkenroda. Ein Pilgerweg nicht zu einem Grab, sondern von und zu Lebensorten.

Im Unterwegs sein finden viele nachhaltige Begegnungen statt. Zum zehnjährigen Jubiläum des Pilgerwegs fand am Sonntag, 10. Mai 2015, ein Sternpilgern statt. Zertifizierte ehrenamtliche Pilgerbegleiterinnen und Pilgerbergleiter boten beim Sternpilgern den über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedene Pilgertouren mit Ziel Kloster Bursfelde an. Immer wieder ist der Weg seit Beginn ein Thema von Bachelor- und Master bzw. Examensarbeiten in verschiedenen Disziplinen. Mittlerweile wurde ein vierter Ausbildungskurs „Pilgerbegleitung“ durchgeführt. Im November 2015 wurden zehn Interessierte zu ehrenamtlichen zertifizierten Pilgerbegleiterinnen und Pilgerbegleitern eingesegnet. Die ehrenamtlichen Pilgerbegleiter bieten Tagesetappen und mehrtägige Pilgerreisen auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda an, die gefüllt sind mit spirituellen und liturgischen Gestaltungselementen und die einladen, sich auf den inneren Weg zu machen. Gehen im Schweigen, ein Wegegespräch zu zweit, Lieder, Kirchenerkundungen und ein gemeinsamer Tagesabschluss sind nur einige dieser Elemente.

Pilgerweg Loccum-Volkenroda

Zehnjähriges Jubiläum feierte der Pilgerweg Loccum-Volkenroda im Jahr 2015. Am Anfang hat er klein begonnen: Als Pilgerweg für ein Projekt des Europäischen Jugendbildungszentrums im Kloster Volkenroda in Thüringen. Zur Expo 2000 eröffneten Jugendliche den ökologisch orientierten Jodokusweg von Volkenroda über Hannover nach Loccum.