Zwischenbericht des Planungsausschusses

Nachricht Hannover, 24. November 2022
Dr. Fritz Hasselhorn. Bild: Jens Schulze

Als Vorsitzender des Planungsausschusses berichtete Dr. Fritz Hasselhorn (Kirchenkreis Grafschaft Diepholz, Sprengel Osnabrück) über die Umsetzung eines umfassenden IT-Konzeptes in der hannoverschen Landeskirche. Das erste Aktenstück zum IT-Konzept stammt aus dem Jahr 2017, seitdem begleitet der Planungsausschuss die Fortschreitung und Umsetzung. Das Aktenstück Nr. 37 A gab einen Zwischenbericht.

Fritz Hasselhorn schickte gleich vorweg, Geduld sei gefragt: „Bis wir die Früchte der Digitalisierung im Hinblick auf einen sinkenden Verwaltungsaufwand und die Reduzierung von Personalstellen in der Kirchenverwaltung ernten können, ist noch eine lange Wegstrecke zurückzulegen“. Es sei eine Mammutaufgabe unter ungünstigen Startbedingungen. Es fehle die nötige Personalausstattung, parallel veränderten sich laufend die Bedingungen.

Die personellen Engpässe im Bereich IT stellen nach Ansicht von Hasselhorn die größte Herausforderung dar. Man spüre jetzt die Folgen der fehlenden Kontinuität im Aufbau einer eigenen IT-Abteilung im Landeskirchenamt. Mit Hergen Harnisch haben man vor drei Jahren die Stelle eines Referenten für Informationstechnologie im Landeskirchenamt kompetent besetzt. Er sei jedoch noch damit beschäftigt, die Grundlagen für eine Digitalstruktur zu schaffen. COMRAMO wiederum verstehe sich als Dienstleister, nicht aber als Stelle, die Probleme für die Einführung digitaler Prozesse in der Landeskirche und ihren Körperschaften systematisch in den Blick nehme und Lösungen entwickele. „Wir haben gegenüber manch anderen Akteuren einen Rückstand von 25 Jahren“, machte Hasselhorn deutlich. Dabei zeige sich, dass bei der Einführung der Digitalisierung die Einteilung in selbständige, voneinander getrennte Einheiten mit wenig Querkommunikation hinderlich sei, erläuterte er.

Einen Lichtblick sehe er in der Einbeziehung von Ehrenamtlichen in das IT-Konzept. Hier sei die Landeskirche auf dem richtigen Weg. Denn technisch gebe es Open Source-Lösungen (Public Domain Software), die eingeführt werden könnten, sobald die personelle Ausstattung des IT-Referats erfolgt sei (Verweis auf die Abschnitte II. 1. ,,IT­Grundstruktur" und 2. ,,Personelle Verstärkung im Referat 64" im Aktenstück 37A).

Nicht so gut liefe es bei anderen Umstellungsprozessen wie dem elektronischen Rechnungswesen, so Hasselhorn. Die Software AppSpace sei zu wenig getestet, funktioniere entsprechend schlecht und produziere einen hohen Support-Aufwand. Die Einführung müsse auf das Jahr 2023 verschoben werden. Auch das Modul WebKasse befinde sich noch im Testverfahren. Aufgrund der verschobenen Einführung der Software AppSpace werde es daher zum Jahresbeginn kein einheitliches Programm zur Erstellung von Rechnungen geben, bedauerte Hasselhorn. Denn vor weiteren Umstellungen müsse man einen verlässlichen Betriebsstand erreichen. Man werde voraussichtlich auf der bestehenden Version im Rechnungswesen und dem ePortal arbeiten. „Ich danke für die trotzdem gute Zusammenarbeit und die zum Teil sehr strapazierte Geduld“, betonte Hasselhorn. Er wisse, wie viel Kommunikationsarbeit durch diese Umplanung zu leisten sei.

Die anschließende Aussprache gestaltete sich kontrovers. Frustration und Unverständnis über die stockenden Prozesse sprachen aus vielen Beiträgen. Neben den bestehenden Einsatzmöglichkeiten von Open Source Software wurden Lösungen für die schwierige Personalsituation debattiert. Der IT-Stellenmarkt sei leergefegt . Wenn keine marktübliche Entlohnung geboten werden könne, müssten daher die Anreize eines familienfreundlichen Betriebs, die Flexibilität, Ausstattung und die Unternehmenskultur stärker ins Spiel kommen. Die Synodale Ines Trzaska (Sprengel Hannover) berichtete außerdem von guten Chancen, Mitarbeitende zu gewinnen, wenn die Beteiligungskultur im Unternehmen stimme. Auch die Ausbildung eines eigenen IT-Nachwuchses in Kooperation mit der Hochschule wurde angeregt.

Einen Schwerpunkt in der Aussprache bildete die Frage nach einer zuverlässigen zeitlichen Perspektive. Die Einhaltung von Deadlines hinge ab von der Stellensituation im IT-Referat, erinnerten Fritz Hasselhorn und Hergen Hanisch, Referatsleiter 64. Doch von den 3,5 bereits genehmigten Stellen der Landessynode werde eine zum 3. Januar 2023 besetzt. Für eine weitere gebe es Interessenten berichtete Harnisch. Man habe auf höher qualifizierte Stellen umgestellt. Dadurch könne die Abarbeitung der aufgelaufenen Projekte in Zukunft erleichtert werden.

Auf die Frage nach nutzbaren Open-Source-Lösungen erklärte Fritz Hasselhorn, diese werden erstmals für den Ehrenamtsbereich eingesetzt – voraussichtlich im Frühjahr 2023. Weitere technische Fragen berührten das DMS und die Belegablage. Es wurde deutlich, dass vielerorts noch sehr umständlich und zeitaufwändig gearbeitet werden muss, da digitale Standards fehlen. Eine Lösung durch Auslagerung von IT-Leistungen sei schwierig, erklärte Referatsleiter Hanisch, da externe IT-Dienstleister aktuell keine Aufträge mehr annehmen und man auch Externe inhaltlich begleiten und kontrollieren müsse. Für diese Betreuung stehe im Referat 64 niemand zur Verfügung. Immerhin habe das Landeskirchenamt aber mit Seafile eine erprobte Open-Source Software inklusive Support eingekauft, die ein E-Mail-System und eine Cloudlösung für Ehrenamtliche verbinde und geringere Kosten verursache.

Der Synodale Dr. Martin Krarup (Kirchenkreis Buxtehude) bat darum, zur Einführung der Software den Nutzern ein handliches, gut erstelltes Manual zur Verfügung zu stellen.

In seinem Schlusswort dankte Hasselhorn für die lebhafte Diskussion und die Anregung einer Hochschul-Kooperation zur Personalgewinnung: „Wir hatten 22 Jahre keine IT-Abteilung im LKA“, erinnerte er abschließend noch einmal. „Mit den 3,5 Stellen im IT- Referat wird die nötige Fachlichkeit und ein nötiger Grundbestand erreicht.“ Auf externe Berater und Dienstleister könne trotzdem auch weiterhin nicht verzichtet werden.