Neustrukturierung der Baufachverwaltung

Nachricht Hannover, 24. November 2022
Oberlandeskirchenrat Adalbert Schmidt. Bild: Jens Schulze

Aus Sicht des Landeskirchenamts stellt die Einrichtung von Baufachzentren in Kirchenkreisen oder Kirchenkreisverbünden ein empfehlenswertes Modell für die kirchliche Baufachverwaltung dar. Das geht aus dem Bericht zur Neustrukturierung der Baufachverwaltung der Landeskirche hervor. Er enthält unter anderem Ergebnisse und Perspektiven aus einem Erprobungsprojekt in der Modellregion Ostfriesland-Nord. Zudem könnte das im Kirchenamt Wunstorf erprobte Modell „Rahmenverträge mit freien Architekten“ den örtlichen Bauaufgaben dienlich sein. 

„Beide Systeme beziehungsweise Organisationsformen werden nach ausführlicher Untersuchung und Gesprächen mit den örtlich beteiligten Personen und Institutionen als positiv und zielführend bewertet, um die jeweiligen Bauaufgaben zu erledigen und die kirchlichen Eigentümer der Objekte zu unterstützen“, resümiert der von Oberkirchenrat Adalbert Schmidt und dem Landeskirchlichen Baudirektor Werner Lemke eingebrachte Bericht. Beide Systeme korrespondierten miteinander und könnten nebeneinander und ergänzend für die Bearbeitung von baufachlichen Aufgaben und Beratungsaufgaben etabliert werden.

Baudirektor Werner Lemke. Bild: Jens Schulze

Der Baubedarf angesichts hoher Gebäudezahlen und zunehmender Planungen für die Reduktion, Umnutzung und Nutzungserweiterung des Bestandes werde mittelfristig hoch bleiben. Daraus ergebe sich ein erheblicher Personalbedarf für die Sicherstellung baufachlicher Arbeits- und Beratungsfunktionen.

Als Ziel der Neustrukturierung definiert das Landeskirchenamt den Aufbau eines integralen Systems, um einen in den nächsten Jahren deutlich zu reduzierenden Gebäudebestand in einen attraktiven und bedarfsgerechten Zustand zu versetzen. „Dabei muss neben der langfristigen Senkung der Verwaltungskosten vor allem die signifikante Reduzierung der CO²-Emissionen im Vordergrund stehen, um das Ziel einer Klimaneutralität bis spätestens zum Jahr 2045 zu erreichen.“

Bettina Siegmund. Bild: Jens Schulze

Für die Vorsitzende des Umwelt- und Bauausschusses Dr. Bettina Siegmund (Sprengel Ostfriesland-Ems, Kirchenkreis Leer) ist mit dem Aktenstück ein teils auch kontroverser Prozess an sein Ende gekommen. „Wir haben ein breites Spektrum an Erkenntnissen und Daten gewonnen“, sagte die Synodale etwa mit Blick auf den Personalbedarf baufachlicher Begleitung von Baumaßnahmen. Indes sei das Ziel von Kosteneinsparungen nicht erreicht, stattdessen auf die Kirchenkreise und Gemeinden verlagert worden. „Insgesamt war das eine Nullnummer“, klagte Siegmund. Bei Strukturfragen sollten künftig alle Ebenen im Blick sein.

Von einer gewissen Ratlosigkeit sprach der Synodale Rainer Müller-Brandes (Stadtkirchenverband und Sprengel Hannover) angesichts der Erwartung an die Kirchengemeinden, die Kubatur (Bauvolumen) ihrer Gebäude zu reduzieren. Man könne nicht alle zwei Jahre 20 Prozent der Räumlichkeiten „abschneiden“.
Als ein gutes Beispiel nannte Baudirektor Lemke unter anderem die hannoversche Melanchthongemeinde, die als Kulturkirche fungiert und ihre Räumlichkeiten vermietet.