Zukunft des Religionsunterrichts

Nachricht Hannover, 03. Juni 2021

Gemeinsam und ökumenisch – so soll die Zukunft des Religionsunterrichtes nach einem Positionspapier der evangelischen Kirchen und der katholischen Bistümer in Niedersachsen aussehen, das Mitte Mai veröffentlicht wurde. Die Landessynode hat die Idee eines gemeinsamen verantworteten christlichen Religionsunterrichts nun erstmals ausführlich beraten.

„Der christliche Religionsunterricht soll von den Gemeinsamkeiten ausgehen, die Differenzen verstehen und beide Konfessionen in ihrer spezifischen Frömmigkeitspraxis achten“, erläuterte Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track am Donnerstag und beschrieb damit den Grundgedanken des bislang bundesweit einmaligen Vorhabens. Ebenso gehe es um strukturelle Fragen. „Der christliche Religionsunterricht ist kein Sparmodell – weder für die Kirchen, noch für das Land“, betonte die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Konfessionelle Differenzen seien bei der Erarbeitung des nun erreichten Konsenses in die zweite Reihe gestellt worden. Die vorbereitenden Gespräche seien von der Dynamik geprägt gewesen, dass man gemeinsam mehr tun könne, um den Religionsunterricht zu stärken. Gäfgen-Track wies darauf hin, dass durchaus Eile geboten sei. „In der Regel brauchen ökumenische Konsenspapiere 5 bis 10 Jahre. So viel Zeit haben wir nicht. Wenn wir nichts ändern, wird es den Religionsunterricht in 10 Jahren in der gegenwärtigen Form nicht mehr geben“, betonte die Theologin. Daher beginne erst mit der Veröffentlichung des Papiers und nicht schon zu Beginn dessen Erstellung ein Beteiligungsprozess, wofür die Verantwortlichen durchaus Kritik in Kauf nähmen. Bereits durch Expert*innen geklärt seien gleichwohl Fragen fundamentaltheologischer und verfassungsrechtlicher Form.

Gäfgen-Track freue sich nun auf die nun bevorstehenden Diskussionen in der Breite. „Es gibt einen neuen, sicher kontroversen Diskurs um den Religionsunterricht und auch um die Ökumene und am Ende hoffentlich neue rechtliche Normen für den Religionsunterricht“, sagte Gäfgen-Track hörbar zuversichtlich. Es sei ein neuer Weg eingeschlagen, der letztlich anspruchsvoller sei, als der bisherige konfessionelle Unterricht.

Bis auf vereinzelte Kritik ,vom Vorstoß lediglich aus der Zeitung erfahren zu haben, fand das Vorhaben in der anschließenden Aussprache breite Zustimmung in der Synode. „Der gemeinsame christliche Religionsunterricht ist ein Schritt in die richtige Richtung, der Schulen entlastet. Ich freue mich über diesen Impuls“, sagte Johanna Schröder, die als Vorsitzende des Bildungsausschusses eine konstruktive Begleitung zusicherte. Ruth Scheffler-Hitzegrad dankte für den aufgebrachten Mut: „Das ist Ökumene in Reinform.“

Gut ausgebildete Religionslehrkräfte seien ein Aushängeschild der Kirche, so die Synodale aus dem Sprengel Stade. Kea Irmer aus dem Sprengel Ostfriesland-Ems machte indes auf das Problem aufmerksam, dass die alten Sprachen, wie Latein und Hebräisch, oft ein Hindernis seien, sich für ein Lehramtsstudium zu entscheiden.

In Niedersachsen besuchen nahezu 75% der Kinder und Jugendlichen den Religionsunterricht, obwohl die evangelischen und katholischen Schüler*innen nur einen Anteil von 57% ausmachen. An immer mehr Schulen werden katholische und evangelische Schüler*innen bereits gemeinsam unterrichtet. Beim bereits praktizierten konfessionell-kooperativen Modell entscheidet sich an der Konfession der Lehrkraft, ob es sich um katholischen oder evangelischen Unterricht handelt.

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Symbolbild. Bild: epd-bild

Die Kirchen in Niedersachsen schlagen ein neues Kapitel auf: Sie setzen sich für die Einführung eines gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterricht in allen Schulformen des Bundeslandes ein.
Die Initiative solle in den kommenden Monaten mit den zuständigen staatlichen Stellen, den Religionslehrkräften und auch innerhalb der beteiligten Kirchen und Bistümern diskutiert werden, kündigten die Bildungsexpert*innen der evangelischen Kirchen und katholischen Bistümer an. 

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