Bericht Bildungsausschuss: Chancen

Nachricht Hannover, 03. Juni 2021

Räume zum Lernen

Bild: EMA

Das Homeschooling in der Pandemie hat viele Schüler*innen vor große Herausforderungen gestellt. Gerade dort, wo die Wohnsituation beengt ist und familiäre Unterstützung sowie technische Ausstattung fehlen, droht nicht wenigen Kindern und Jugendlichen, dass sie den Anschluss an die schulische Bildung verlieren. Darauf hat das ökumenische Modellprojekt „Kirche schafft Lernraum“ reagiert, in dem kirchliche und gemeindliche Räume für die Lernunterstützung von Grundschüler*innen geöffnet und digitale Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt wurden.

Die Landessynode zog am Donnerstag erste Bilanz zum laufenden Lernräume-Projekt und reflektierte ebenso die langjährigen landeskirchlichen Bemühungen für mehr Bildungsgerechtigkeit. „In der Coronakrise spitzt sich dieses gesellschaftliche Problem zu“, betonte Johanna Schröder, Vorsitzende des Bildungsausschusses. Die kirchliche Bildungsarbeit müsse sich an den Bedürfnissen und Ressourcen der Menschen in ihren jeweiligen Sozialräumen orientieren. „Genau dafür stehen das Lernraum-Projekt und andere Projekte - für mehr Bildungsgerechtigkeit“, hob Schröder hervor.

Innerhalb eines Jahres wurden 75 Lernräume gefördert. So seien rund 5.500 Kinder und Jugendliche erreicht worden, heißt es im Aktenstück. Der Dialog mit Schulen, Lehrkräften sowie mit anderen Bildungsinitiativen sei auch für die ausrichtenden Kirchengemeinden gewinnbringend gewesen. „So kann Vernetzung gelingen und gemeinsam nach dem Besten für Stadt, Ort oder Dorf gesucht werden“, fasste Schröder zusammen.

„Als Bürgerinnen und Bürger des Landes und als Christen liegt uns Bildung am Herzen“, fügte Bildungsausschuss-Mitglied Norbert Wolf hinzu und dankte den Schulen, Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen für ihre Flexibilität und ihren engagierten Einsatz. Es sei dennoch schwierig gewesen, allen Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. „Die Corona-Zeit fordert allen Akteuren im Bildungssektor alles ab. Kinder und Jugendliche leiden sehr in dieser Zeit, da während des gesamten Schuljahres Kontakte zu Gleichaltrigen in Schule und Freizeit fehlten“, so Wolf.
Diese Kontakte seien jedoch grundlegend für die Entwicklung. „Das Lernräume-Projekt ist eine gute und sinnvolle Möglichkeit, um gezielt zu helfen“, bilanzierte Wolf und dankte allen, die sich eingebracht haben.

Neben Nachhilfe hätten die Lernräume auch für Begegnung und sozialen Austausch gesorgt. „Ich wünsche mir, dass wir in der Landeskirche, den Gemeinden und Kirchenkreisen viel mehr auf die Lebenssituation der Schwachen schauen“, forderte Wolf abschließend. „Sensibilisieren wir uns weiter und wirken dem Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Gruppen entgegen.“

In der anschließenden Aussprache berichtete Brigitte Kumkar, Synodale aus dem Sprengel Hannover, von ihren persönlichen Erfahrungen aus einem Lernraum-Angebot. Entscheidend sei die kontinuierliche Beziehungsarbeit mit den Schüler*innen. „Da ist jemand, der zuhört.“ Das gelte auch für Eltern und Lehrkräfte. „Viele Menschen, die unsere Kirche aufgesucht haben, waren überrascht über das Angebot“, sagte Kumkar. So begegnete Kirche Menschen, die von sich aus nie kommen würden.  

Das Modellprojekt „Kirche schafft Lernräume“ wird getragen von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und den katholischen Bistümern in Hildesheim und Osnabrück. Caritas und Diakonisches Werk in Niedersachsen sind Kooperationspartner. Das Land Niedersachsen fördert und unterstützt das Projekt finanziell.

Die Landessynode überwies das entsprechende Aktenstück an den Bildungsausschuss sowie an den Diakonieausschuss, um über eine stärkere Verzahnung von kirchlicher Bildungsarbeit und Gemeinwesenarbeit zu beraten.

So funktionieren Lernräume

Mit Rechenschieber und Whiteboard lernt Lehramtsstudentin Katharina Korte im Haus der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Lüneburg mit der achtjährigen Evelyn Mathe (Foto: Carolin George /epd).
Mit Rechenschieber und Whiteboard lernt Lehramtsstudentin Katharina Korte im Haus der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Lüneburg mit der achtjährigen Evelyn Mathe (Foto: Carolin George /epd).

Solange nicht alle Kinder und Jugendlichen zur Schule gehen konnten, mussten sie per "Home Schooling" zu Hause lernen. Doch nicht alle haben die nötige Technik und Betreuung dafür. In Lüneburg und vielen anderen Orten haben sie Hilfe in einem Modellprojekt bekommen.

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