Bibelarbeit

Nachricht Hannover, 04. Juni 2021

Bibelarbeit: Die Taufe leben

Die Präsidentin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien, Pfarrerin Silvia Beatrice Genz, hielt die Bibelarbeit während der Synodentagung am Freitagmorgen und damit zu Beginn des letzten Beratungstages. Sie sprach über das Jahresthema 2021 „Die Taufe leben: Gaben in den Dienst stellen.“
 
Ihre 650.000 Mitglieder umfassende lutherische Kirche gibt sich seit 1976 jedes Jahr ein Jahresthema, das zur Reflexion und zum Handeln anregt.
 
In diesem Jahr steht das Thema „Taufe“ im Mittelpunkt. Sie sei das Werk der Liebe Gottes, mit dem Gott jeden einzelnen berufe, ihn mit Gaben beschenke und zum Dienst verpflichte.
 
Dies alles geschehe in der Liebe Gottes zum Aufbau der Gemeinde, in der viele Glieder einen Leib bilden, den Leib Christi. „Das Zeichen des Kreuzes, das wir durch die Taufe tragen, ist das Zeichen der Liebe Gottes“, so Genz. „Durch die Taufe ruft Gott uns auf, in seinem Dienst zu stehen. Der Mensch in seinem Dienst wird nicht untätig sein. Wir kämpfen täglich gegen das Böse“, sagte die Präsidentin der Kirche lutherischen Bekenntnisses und verwies auf das Plakat, das für das Jahresthema gestaltet worden ist: Drei Wassertropfen stellen die Taufe dar und symbolisieren das Handeln Gottes. Ein grüner kleiner Pflanzentrieb steht für die Dienstleistungen des Menschen. „Gott beschenkt uns mit Gaben und schenkt uns die Werkzeuge für seinen Dienst durch den Heiligen Geist“, erläuterte Genz das Plakatbild.
 
Nach der Vorstellung des Jahresthemas 2021 ging die Theologin auf den biblischen Leitspruch ein, der in diesem Jahr das Jahresthema begleitet: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) „Wir leben in der Hoffnung auf die Zukunft, die von Gott erschaffen wird“, sagte Pfarrerin Genz. Und zugleich sei das neue von Gott stammende Leben in Jesus Christus bereits sichtbar geworden: Der Himmel auf Erden.
 
In der gegenwärtigen Situation sei dieser biblische Leitspruch besonders relevant. Genz nahm Bezug auf die aktuelle Situation der Pandemie insbesondere in Brasilien. „Die ganze Welt leidet unter der Corona-Pandemie. Über 450.000 Menschen sind in Brasilien bis zum jetzigen Zeitpunkt gestorben. Wir erleben Angst, Schmerz und Verzweiflung. Neben der Pandemie bereitet uns das Umweltproblem in Brasilien Sorge, die Abholzung des Regenwaldes, Waldbrände und Dammbrüche.“ Dies alles seien Auswirkungen menschlichen Handelns. Es mangele an Verpflichtung von Seiten des Staates.
 
Das Thema der Achtsamkeit der Schöpfung gegenüber sei besonders im März 2021 durch den Nationalrat der Evangelischen Jugend gegeben, der sich zur Aufgabe gesetzt habe, junge Menschen für das Thema „Umweltgerechtigkeit“ zu gewinnen. Genz zeigte sich sehr erfreut über dieses besondere Engagement junger Menschen.
 
„Gott ruft uns auf, Menschen zu trösten und Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung zu üben.“ Es sei eine bleibende Herausforderung, Liebe und Wahrheit weiterzugeben und Hoffnung zu schenken. Jede Person habe ausgehend von der Taufe etwas dazu beizutragen.

Das Jahresthema 2021 „Die Taufe leben: Gaben in den Dienst stellen“, ermutige dazu, dass jeder Mensch seine Gaben einsetzt, Leiden zu mindern und Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. „Gott möge uns stärken, dass wir im Jahr 2021 die Taufe in viel Hoffnung und Glauben leben können“, sagte die leitende Geistliche aus Brasilien.
 
Dankbarkeit und Betroffenheit im Plenum

Im Anschluss an die Bibelarbeit gab es Gelegenheit für ergänzende Bemerkungen, da ein Gespräch mit der Theologin aus technischen Gründen nicht stattfinden konnte.
 
Die Fotos von den unzähligen Gräbern der Covid-Opfer führe das Leid der Covid-Pandemie in Brasilien den Synodalen unmittelbar vor Augen und führe zur Frage, wie die Partnerkirche in Brasilien außer mit der Online-Kollekte der Synodentagung unterstützt werden könnte, so Marianne Gorka (Sprengel Hildesheim-Göttingen).
 
Für die Bibelarbeit dankbar zeigte sich Landesbischof Ralf Meister: „Ich bin sehr dankbar über diesen Einblick in die Partnerschaft mit der brasilianischen Kirche, mit der wir seit vielen Jahrzehnten verbunden sind.“ Die Lage dieser Kirche sei hochdramatisch, sagte der Landesbischof, der vor zwei Wochen sich in einem Gespräch mit Präsidentin Genz per Videokonferenz darüber einen Eindruck verschaffen konnte. Im Jahr 2018 hielt sich Landesbischof Meister für einige Wochen dort auf und konnte spontan den Wiederaufbau der zerstörten lutherischen Kirche in Sao Paulo unterstützen. Auch hatte er vor Ort einen Einblick in die kirchliche Arbeit mit der indigenen Bevölkerung bekommen. Sehr beeindruckt habe ihn deren Umgang mit dem Land, auf dem sie leben. Für sie sei es heiliges Land und das Abholzen des Urwaldes ein geistliches Verbrechen.
 
Der für Mission und Ökumene zuständige Oberkirchenrat im Landeskirchenamt Hannover, Dirk Stelter, sagte, die Ausführungen in der Bibelarbeit über die Taufe verwiesen auch auf die Grundlage einer Partnerschaft zwischen den Kirchen. Nicht die Partnerschaft schaffe die Verbindung, sondern der Grund der Partnerschaft liege in der Taufe. In der Landeskirche Hannovers gebe es in acht Kirchenkreisen Partnerschaften zur Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien. Ihre Entstehung sei auf deutsche Auswanderer zurückzuführen. Ihre Position befinde sich in der Mitte zwischen der römisch-katholischen Kirche und einer immer stärker werdenden Pfingstkirche. In diesem Jahr werde Cristina Scherer als Pastorin aus der brasilianischen Partnerkirche in Walsrode erwartet. In der Landeskirche Hannovers sei es üblich, zwei Pfarrstellen für vier Jahre aus Partnerkirchen zu besetzen.
 
Regionalbischof Dr. Hans-Christian Brandy (Sprengel Stade) hält die Bibelarbeit gerade in dieser Zeit für sehr bereichernd, da sie den Blick über die eigene Situation hinaus lenke. Es sei bereichernd in der Partnerschaftsarbeit, wenn Partnerkirchen gegenseitig an ihrer Situation Anteil nehmen und füreinander beten. Zudem gebe die Digitalisierung die Möglichkeit an Gottesdiensten oder Veranstaltungen der Partnerkirche teilzunehmen.

Dass die Tagung der Landessynode durch die Bibelarbeit aus Brasilien sehr bereichert wurde, brachten auch Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes (Sprengel Hannover), Superintendent Dr. Martin Krarup (Sprengel Stade) und Professor Dr. Tobias Georges (Sprengel Hildesheim-Göttingen) in ihren Wortbeiträgen zum Ausdruck.
 
Regionalbischof Friedrich Selter (Sprengel Osnabrück) hob die Verbindung der politischen Situation, der Themen Umwelt und Jugend hervor, wie sie sie bereits 1990 in den zehn Grundsätzen der Ökumenischen Synode von Seoul festgehalten hatten. Die Konzilstexte aus Stuttgart, Basel und Seoul seien nach wie vor eine aktuelle Arbeitsgrundlage für die Thematik der Schöpfungstheologie und dem Verhältnis der Generationen zueinander.
 
Der Präsident der Synode, Dr. Matthias Kannengießer, wird Präsidentin Genz den Dank der Synode zukommen lassen.

Das Video zum Nachgucken

Zum Jahresthema 2021 „Die Taufe leben: Gaben in den Dienst stellen“ hielt die Präsidentin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), Pfarrerin Silvia Beatrice Genz, die Bibelarbeit während der IV. Tagung der 26. Landessynode. Der biblische Leitspruch dazu lautet: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5).
Unter diesem Link können Sie die Bibelarbeit jederzeit ansehen.