Christlicher Religionsunterricht

Nachricht Hannover, 21. Mai 2022
Bild: Jens Schulze

Auch die Einführung eines christlichen Religionsunterrichts in Niedersachsen war Thema auf der Landessynode. Dabei machte die für Bildung zuständige Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track ihre Haltung deutlich, dass ein "aufklärender Religionsunterricht" gegen religiösen Fundamentalismus helfe.

Dieser Christliche Religionsunterricht (CRU) dürfe jedoch nicht als Sparmaßnahme missverstanden werden, sagte die evangelische Theologin. Gäfgen-Track ist zugleich Bevollmächtigte für Bildung und Theologie der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Christlicher Religionsunterricht brauche eine gemeinsame Ansprechstelle sowie eine gute Aus- und Weiterbildung der zumeist staatlichen Lehrkräfte.

Die weltanschauliche Neutralität des Staates werde jedoch nicht tangiert, so  Gäfgen-Track: Auch CRU bleibe ein Fach unter staatlicher Schulaufsicht. Bei den Inhalten stünden jedoch weiterhin die Glaubenswahrheiten der Konfessionen im Mittelpunkt. So müssten in Niedersachsen lutherische, katholische und reformierte Bekenntnisse integriert werden. "Was aber sind Glaubenswahrheiten im 21. Jahrhundert?", fragte die Theologin. Differenzen müssten klar benannt, Bekenntnisinhalte eben nicht identisch sein. "Der Religionsunterricht muss offen bleiben für alle Schülerinnen und Schüler."

Zudem würde es einen Austausch mit Theologischen Fakultäten geben, wie die jeweils andere Konfession im Curriculum vertreten sein könnte. Darüber befinde man sich in einem Diskussionsprozess.
 
Mit dem Christlichen Religionsunterricht solle der gesellschaftlichen und kirchlichen Transformation Rechnung getragen werden, heißt es im dazugehörigen Aktenstück: "Mit einer Weiterentwicklung des RU geht es nicht darum, dem Zeitgeist zu folgen, sondern sich der kirchlichen Verantwortung zu stellen." Dazu gehöre die Mitgestaltung des Transformationsprozesses sowie die Weiterentwicklung der Ökumene und des Dialogs mit anderen Religionen.
 
Die Bildungsausschussvorsitzende, Pastorin Johanna Schröder (Kirchenkreis Rotenburg, Sprengel Stade) begrüßte schon das Wort „Christlicher Religionsunterricht“ als einen ökumenischen Fortschritt, gerade in einer Zeit, in der die Plausibilität religiösen Unterrichts zunehmend in Frage stehe. Religionsunterricht sei jedoch ein relevantes Fach an Schulen, das zur religiösen und ethischen Sprachfähigkeit sowie zur Toleranz beitragen könne: "Christlicher Religionsunterricht ist ein Pfund und Schatz, nicht nur für die Kirche."
 
Religionslehrkräfte seien eine unbestreitbar wichtige Berufsgruppe, so die Synodale Merle Garbade (Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck, Sprengel Stade): "Als Landeskirche sind wir emotional und dienstlich mit den Lehrkräften verbunden." Diese erlebten Tag für Tag Jugendliche und die Zukunft der Kirche. Garbade bemängelte jedoch, dass die Vokation, die Beauftragung zur Erteilung von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, zu kompliziert geregelt und die Begrifflichkeit erläuterungsbedürftig sei.
 
Gäfgen-Track nahm den Antrag auf und erläuterte, dass die Vokation keine Erlaubnis, sondern vielmehr eine Bestätigung darstelle. Anfang Juli solle es ein Symposion von evangelischen und katholischen Kirchenrechtlern zur weiteren Diskussion geben, kündigte Gäfgen-Track an.