Bericht Scoping-Ausschuss: "Zukunft Kirche"

Nachricht Hannover, 24. November 2021
Bild: Jens Schulze

Um sich auf Herausforderungen, wie Mitgliederrückgang, Personalmangel und schrumpfende Ressourcen besser einzustellen, plant die Landeskirche Hannovers einen Zukunftsprozess mit dem Motto „#Kirche2030 – Gemeinsam mehr sehen!“. Laufende oder geplante Innovationsvorhaben auf allen kirchlichen Ebenen sollen gesammelt, kreative Ideen ausgetauscht und miteinander vernetzt werden, um die weitere Kirchenentwicklung und das Hinterfragen von hinderlichen Strukturen anzuregen.

Am Mittwochabend beriet die Synode mit dem Aktenstück 25B die weitere Prozessgestaltung. Kirche dürfe sich zwar ändern, müsse aber ihrem Auftrag treu bleiben, schickte Wencke Breyer (Stadtkirchenverband Hannover /
Sprengel Hannover) der Diskussion voraus. „Wir müssen sorgfältig schauen, mit welchen Formen kirchlichen Lebens wir das können und wo wir neue Formen finden“, so die Synodale. Der Zukunftsprozess beabsichtige eine „ehrliche Bestandsaufnahme“. Bestehendes müsse geprüft, Erhaltenswertes gestärkt und Neues entdeckt werden. „Transformation bedeutet nicht Bestehendes wegzureißen, sondern neu zu gestalten. Das wollen wir alle gemeinsam tun“, sagte Breyer ohne zu verbergen, dass es auch schmerzhafte Schritte geben könne.

Die konkrete Umsetzung soll ein Zukunftsprozess-Team übernehmen, für das Fachleute aus Bereichen wie Projekt- und Veranstaltungsmanagement, Kommunikationsmanagement oder Marketing eingestellt werden sollen. Dafür sind 4,5 Vollzeitstellen vorgesehen. Laut Roger Cericius (Kirchenkreis Laatzen-Springe / Sprengel Hannover) soll das Team beim Aufbau von Pilotprojekten helfen, externe Fachleute suchen und neue Beteiligungsformate entwickeln. Hauptaufgabe sei es, für einen umfangreichen Informationsfluss zwischen allen Beteiligten sowie für transparente Abläufe zu sorgen. In einem „digitalen Ideen- und Beteiligungsportal“ sollen die Erfahrungen mit den Veränderungsvorhaben dokumentiert und für alle Ebenen in der Kirche zugänglich gemacht werden. Bei diesem Vorhaben seien selbst Fehler „im Kleinen und im Großen“ erlaubt, so Cericius. Auch das Scheitern gehöre „auf die Hauptbühne und ins Scheinwerferlicht“, um daraus zu lernen.

Ferner sollen sogenannte Forschungsteams auf „Expedition“ gehen und Lösungsansätze außerhalb von Kirche sammeln, wie zum Beispiel Wirtschaftsunternehmen, Kommunen und Verwaltungen mit der digitalen Transformation umgehen oder Vereine neue Mitglieder gewinnen. In Erkundungsworkshops sollen auf allen Ebenen der Landeskirche Erfahrungen und Zukunftsbilder ausgetauscht werden. So soll sichergestellt werden, dass der Zukunftsprozess nicht als „von oben“ verordnet wahrgenommen wird, sondern es eine „gleichwürdige Interaktion“ aller Beteiligten von der Kirchengemeinde bis zur landeskirchlichen Ebenen gibt.

Begleitet und beaufsichtigt wird der Zukunftsprozess von einem Koordinierungsrat. Dieses Gremium sei aber kein „Superentscheidungsgremium” der Landeskirche, nimmt Cericius manche Bedenken vorweg. Der Koordinierungsrat diene der internen Vernetzung unter den kirchenleitenden Organen und der Entwicklung von strategischen Leitlinien. Dem Gremium sollen Vertreter*innen aus der Landessynode, dem Landessynodalausschuss und dem Landeskirchenamt angehören sowie neben dem Landesbischof auch ein Regionalbischof oder Regionalbischöfin.

Wencke Breyer betonte, dass der nun geplante Zukunftsprozess laufende Innovationsbemühungen an anderer Stelle weder ersetze noch relativiere: „Das Gegenteil ist der Fall“. Es gehe vielmehr darum, bisherigen Arbeitsergebnisse und Erkenntnisse der zahlreichen Formate koordiniert zusammenführen und an Interessierte weiterzugeben.
Der Kritik in den vorbereitenden Beratungen und etwaigen noch bestehenden Bedenken sieht Cericius gelassen entgegen: „Insgeheim bin ich sogar ganz glücklich über die kritischen Stimmen, denn sie geben mir auch die Hoffnung, dass alle, die hier Sorge haben, sich nicht wegducken, sondern wachsam und aufmerksam bleiben und konstruktiv kritisch sind.“ Natürlich sei nicht alles abschließend geklärt. Der Zukunftsprozess sei lediglich der Anfang eines „Transformationsprozesses, der uns auch künftig begleitet.“