Tätigkeitsbericht Diakonisches Werk

Nachricht Hannover, 26. November 2021
Bild: Jens Schulze

Der Vorstandssprecher des Diakonischen Werks in Niedersachsen (DWiN), Hans-Joachim Lenke, hat den Mitgliedern der Synode den Tätigkeitsbericht der Diakonie unter den Voraussetzungen der Corona-Pandemie vorgestellt. Zugleich forderte der Theologe die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. "Ausdrücklich bitten wir als Diakonie um die Prüfung einer allgemeinen Impfpflicht. Wir haben die Sorge, dass wir ohne Impfpflicht nicht aus den Fängen der Pandemie herauskommen", sagte Lenke.

Die meisten der rund 75.000 Mitarbeitenden der Diakonie seien dem zuvorgekommen: "Viele haben sich schon sehr früh impfen lassen und ihre berufsethische Verantwortung gezeigt." Er danke allen Mitarbeitenden, die in den vergangenen Monaten dazu beigetragen haben, dass das Gesamtsystem nicht kollabiert sei. Impfunwillige führten jedoch auch zu Konflikten in den Einrichtungen. Daher unterstütze das DWiN bereits länger zumindest eine einrichtungsbezogene Impfpflicht.

Die Pandemie habe große Herausforderungen verstärkt und noch mehr offengelegt. In den Kindertagesstätten, in Pflegeberufen, in der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik herrsche ein teils gravierender Mangel an Fachkräften, der sich nicht rasch beheben lasse. "Der oftmals gemachte Hinweis, dass das an der Bezahlung im sozialen Bereich läge, ist meines Erachtens nicht zutreffend." Der Tarifvertrag stelle ein attraktives Vergütungssystem dar. Eine Pflegefachkraft, so Lenke, verdiene zu Beginn 3.000 Euro brutto. Die knappe Personaldecke wirke sich jedoch auch auf die Arbeitsverdichtung aus.

Zugleich sehe die Diakonie eine fortschreitende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Noch immer sei die schulische Laufbahn von Kindern abhängig von Stand und Einkommen der Eltern. Kinder benachteiligter Familie seien durch das Homeschooling in der Pandemie oft abgehängt gewesen. Die Digitalisierung in der Pandemie habe jedoch auch zu digitalen Beratungsangeboten der Diakonie geführt. Insbesondere in ländlichen Räumen solle nach Möglichkeit dieses Angebot auch nach dem Ende der Pandemie aufrechterhalten werden. Auch vernetzte System zwischen Pflege und Hausarzt hielt Lenke für notwendig – mit einer neuen Diskussion zwischen Datenschutz und digitalen Chancen.

"Unseres Erachtens muss Sozialpolitik in den Programmen der Parteien wieder mehr Gewicht bekommen." Kirche und Diakonie müssten im politischen Raum weiter sozialanwaltlich agieren.
So fehle es etwa an Wohnraum, sagte der Diakonie-Vorstandssprecher und warb darum, dass Kirchengemeinden ihren Gebäudebedarf überprüfen und – unter Zuhilfenahme des Fonds Gemeindenahe Quartiersentwicklung – Gebäude oder Teile derer einer sozialen Nutzung zuführten. "Es lohnt sich, in partnerschaftliche Zusammenarbeit zu investieren. Beide, Diakonie und Kirche, stehen ein für die Menschenfreundlichkeit Gottes."
 
Dabei sei die Diakonie eine zentrale Schnittstelle zur Gesellschaft – auch zu Bereichen, in denen Kirche nicht mehr selbstverständlich einen Zugang habe. Das Angebot der Diakonie reiche von der Schwangerschaftskonflikt-Beratung bis hin zur Begleitung in Hospizen. "Diakonie ist ein Qualitätsversprechen – Gott zur Ehre, dem Menschen zum Nutzen."
 
Fast eine Stunde diskutierten die Mitglieder der Synode im Anschluss den Bericht und dankten Lenke und den Mitarbeitenden der Diakonie. "Es ist ein Segen, dass es Sie gibt und Sie dem Evangelium ein Gesicht geben", sagte etwa Pastorin Corinna Engelmann (Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder/Sprengel Hildesheim-Göttingen). Eine religiöse Sprache sei jedoch kaum mehr vorhanden. Daher stellte Engelmann den Antrag, dass in der Diakonie religionspädagogische Grundkurse ausgeweitet werden.

Der Synodale Norbert Wolf (Kirchenkreis Bremervörde-Zeven/Sprengel Stade) verwies auf viele neue, in der Pandemie erprobte Formen: "Ich weiß, wie belastend das ist, aber ich hoffe, die bleiben erhalten." Kirche und Diakonie seien wichtige soziale Akteure. Auch Landesbischof Ralf Meister und Regionalbischof Friedrich Selter lobten die Tätigkeit des DWiN. Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr sprach sich zudem ebenfalls für die Unterstützung einer allgemeinen Impfpflicht aus.
 
Der Bericht wurde zur weiteren Bearbeitung in den Ausschuss für Diakonie verwiesen. Der Antrag von Corinna Engelmann wurde mit großer Mehrheit angenommen.