Verabschiedung Gorka/Rathing

Nachricht Hannover, 26. November 2020
Eckhard Gorka (links) und Dieter Rathing Bild: EMA (screenshots)

Der Präsident der Landessynode Dr. Matthias Kannengießer hat am Donnerstagabend die beiden Regionalbischöfe Dieter Rathing (Sprengel Lüneburg) und Eckhard Gorka (Sprengel Hildesheim-Göttingen) als langjährige Teilnehmer der Synode verabschiedet. Beide Theologen gehen im kommenden Frühjahr in den Ruhestand und beenden damit ihre Tätigkeit im Bischofsrat.
 
Kannengießer wünschte Dieter Rathing im künftigen Ruhestand mehr Zeit und „Freude an der gewonnenen größeren Freiheit“. Der Lüneburger Regionalbischof sei, wie er sebst sagte, zwar „noch nicht im Abschiedsmodus“, zog dennoch Bilanz und gab den Synodalen einen Einblick in die beruflichen und sehr persönlichen Beweggründe seines vorzeitigen Ruhestandes: „Eigentlich würde ich der Landeskirche und dem Sprengel Lüneburg einen anderen Regionalbischof wünschen, als ich es bin oder als ich es sein kann.“
 
Er habe sich zunehmend wahrgenommen, als jemanden, der Vergangenheit fortschreibe: „Schon mal Gedachtes noch mal gedacht, schon einmal Gesagtes noch einmal gesagt. Und für alles, was die Zukunft der Kirche bedenkt und angeht, sehe ich mich nicht mehr als hilfreichen Mitgestalter.“ Es müsse, so Rathing, vermutlich anders gepredigt und gebetet, andere Fragen müssten gestellt und andere Antworten gegeben werden.

Auf der persönlichen Ebene sei ihm auch Zeit ohne dienstliche Verpflichtung mit seiner Frau wichtig: „Mir ist das Privileg bewusst, das ich damit in Anspruch nehme, und die Frage, ob das zu egoistisch gedacht und entschieden ist, bleibt mir.“Dennoch hadere er nicht, nicht mit seinem Dienst und nicht mit der Kirche. An verschiedenen Orten habe der 63-Jährige „die schönsten Aufgaben gehabt und Erfüllung gefunden“. Und denke besonders an die Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden. Seit 2011 steht Rathing dem Sprengel in Lüneburg als Landessuperintendent und seit 2020 als Regionalbischof vor.

Auch bei Regionalbischof Eckhard Gorka verabschiedete sich Kannengießer: „Ich habe nach Eckhard Gorka und Synode gegoogelt und 6.500 Einträge gefunden – bei ‚Eckhard Gorka Humor‘ aber 16.500.“ Das sei kein Zufall: „Deine ansteckende Fröhlichkeit hat uns gut getan in der Synode“, sagte der Synodenpräsident.

Nach eigenen Angaben sei Gorka seit 26 Jahren „live dabei“ gewesen. Der 65-Jährige sei dankbar für diese Möglichkeit und habe bei den Tagungen Sternstunden erleben dürfen: „Die Landessynode, die Kirchenkreissynoden – überhaupt die Gremien, die wir in unserer Kirche haben, gehören für mich zum Schulwerk der Demokratie, zum Lernfeld für Respekt und Streitkultur und auch Grundstube eines guten Umgangs miteinander.“

Beeindruckt hätten die Begegnungen 1990 mit der sächsischen Partnerkirche in Dresden. „Diese Begegnung hat uns leiser werden lassen und wir wurden zu Hörenden.“ Auch die Bibelauslegung des früheren Landesbischofs Eduard Lohse habe starken Eindruck hinterlassen.

Zu den Sternstunden zähle jedoch vor allem auch das Ringen um eine neue Formulierung des Verhältnisses von Juden und Christen: „Ich bin froh und dankbar darüber, dass wir angesichts großer Schuld und theologisch aufgeladenen Hochmuts neue gute Wege zueinander gefunden haben.“

Die Synodalen bestärkte Gorka darin, neu über Kirchenmitgliedschaften nachzudenken. Es störe ihn, dass diese nur an den Zahlen der Standesämter festgemacht werde. „Es ist bislang nicht im ausreichenden Maße gelungen, die bleibende Taufe und die volatile Kirchenmitgliedschaft theologisch adäquat aufeinander zu beziehen.“ Und so würden ausgetretene Getaufte mitunter wie Ungetaufte behandelt. Das dürfe nicht so bleiben, sagte Gorka.
 
Gorka stand seit dem Jahr 2000 dem Sprengel Hildesheim und später dem fusionierten Sprengel Hildesheim-Göttingen als Landessuperintendent  beziehungsweise als Regionalbischof vor: „Ich hätte auch nicht alle Erfahrung in meiner Dienstzeit gebraucht. Aber auf die Dissonanzen möchte ich als Teil von Gottes guten Plan begreifen lernen.“