Tätigkeitsbericht Landessynodalausschuss

Nachricht Hannover, 24. November 2020

Baukosten, Personalpolitik und Kommunikation im Stresstest

Bild: EMA (screenshot)

Jörn Surborg (Sprengel Hildesheim-Göttingen), Vorsitzender des Landessynodalausschusses (LSA), hat auf neun Monate Corona zurückgeblickt und sich in dem Tätigkeitsbericht des LSA auf folgende Themen konzentriert:

  • Kostensteigerung im Kloster Loccum,
  • Pfarrstellen der Landeskirche und
  • innerkirchliche Kommunikation im Stresstest durch Corona.

Die öffentlichen Diskussionen um die Beschränkung von Freiheitsrechten, um Präsenz und Zurückhaltung während des Zweiten Lockdowns hätten auch die Kirche und ihre Gremien erfasst, sagte Surborg. Als Beispiel nannte er die äußerst knappe Abstimmung über die Tagungsformen im LSA. So habe die Pandemie das erste Amtsjahr der Synode stark geprägt: „Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns - vor uns liegen die Mühen der Ebenen“, zitiert Surborg aus einem Gedicht von Bertolt Brecht.

Die Kostensteigerungen bei der Baumaßnahme am Kloster Loccum (von ursprünglich 13 Millionen Euro 2014 auf jetzt knapp 34 Millionen) will Surborg nicht mit dem BER oder gar einer „landeskirchlichen Elbphilharmonie“ verglichen wissen. Vielmehr erklärten sich die über die Jahre gestiegenen Kosten laut Surborg im Wesentlichen durch Veränderungen im Planungsverlauf und -umfang, unerwartet aufgetretene Bauschäden bei der Sanierung des alten Klostergebäudes und Mehrkosten aufgrund von Zeitverzögerungen. Die Kostensteigerungen nannte Surborg "konkret, nachvollziehbar und begründet".

Die im September bekanntgewordenen Mehrkosten durch ausstehende Honorarforderungen der Architekten sollen auf dem Verhandlungswege reduziert werden. Weitere Kostensteigerungen könne man so gut wie ausschließen, das Bauprojekt sei sehr weit fortgeschritten und werde 2021 abgeschlossen.

Stellenverhältnis Gemeindepfarramt – Pastoren der Landeskirche (PdL)
Surborg sprach auch die Zahl der Pfarrstellen an. Diese werde sich bis zum Jahr 2030 von knapp 1.800 auf 1.200 reduzieren, zitierte er das Landeskirchenamt. Eine gute Nachwuchsarbeit sei daher wichtig. Gleichzeitig müsse bei einem solchen Rückgang in der Versorgung der Gemeinden auch die Zahl der übergemeindlichen Stellen (Funktions- und „sonstige Pfarrstellen“) reduziert werden. Deren Zahl sei in diesem Jahr erstmals seit 2013/2014 wieder auf unter 400 gesunken. Gleichzeitig betonte Surborg die Bedeutung dieser „beweglichen“ Stellen für eine flexible Personalpolitik der Landeskirche: Weil Pastorinnen und Pastoren immer älter seien und immer häufiger Belastungen ihrer Gesundheit und Erkrankungen wie Burnout ausgesetzt seien, müsse man die "beweglichen" Stellen unbedingt beibehalten. 2007/2008 hätten sie knapp fünf Prozent des gesamten Stellenvolumens betragen. Für die Haushaltsjahre 2021/2022 sollen es Surborg zufolge 7,4 Prozent sein. Man müsse mit Augenmaß vorgehen und im Blick behalten, die Pastorinnen und Pastoren in den Gemeinden zu entlasten, so der LSA-Vorsitzende.

In seinem dritten Punkt nahm Surborg die innerkirchlichen Kommunikationswege während der Corona-Krise in den Blick. „Sie unterziehen sich gerade einem Stresstest“, sagte er. Handlungsbedarf werde nicht nur deutlich bei „unserer Dauerbaustelle, ein funktionierendes Adressmanagement bis auf die Gemeindeebene“ aufzubauen. Doch das sei nur ein Aspekt der Kommunikation. Mit der Abschaffung des Kirchensenats fehle eine zentrale Austauschplattform der kirchenleitenden Organe, so Surborg: „Nötig ist aus unserer Sicht ein grundsätzlicher und vertiefender Austausch zu Aspekten, die für alle Organe von zentraler Bedeutung sind. Nicht nur eine anlassbezogene Kommunikation“. Dies müsse „auf einer Ebene geschehen, die das gegenseitige Verstehen und Vertrauen fördert“, mahnte der LSA-Vorsitzende an. Sein konkreter Vorschlag im Namen des LSA: Die Spitzen der landeskirchlichen Leitungsorgane sollen sich zu diesem Schwerpunktaustausch zu Jahresbeginn für zwei bis drei Tage treffen.

Aussprache zum LSA-Bericht

Die Aussprache zum Landessynodalbericht hat vor allem die zukünftige Tagungsformen der Landessynode, die Finanzierung der Umbau-Mehrkosten des Predigerseminars Loccum und den drohenden Wegfall finanzieller Mittel für die „Inlandsarbeit“ von Brot für die Welt zum Thema gehabt (zu den Punkten 4, 7 und 14).

Der Synodale Bernd Rossi (Sprengel Hildesheim-Göttingen) hielt es für den demokratischen Prozess der Landessynode für wichtig, zukünftig auch die Möglichkeit zu haben, präsent tagen zu können. Die Synode stimmte seinem Antrag zu, das Präsidium zu bitten, rechtzeitig vor Beginn der IV. Tagung der Landessynode alternative Tagungsmöglichkeiten zu prüfen.

Der Synodenpräsident, Dr. Kannengießer, machte darauf aufmerksam, es sei wichtig, verschiedene Tagungsmöglichkeiten offen zu halten und sich dabei organisatorisch und finanziell nicht zu überfordern.

Christian Berndt (Sprengel Lüneburg) fragte nach, die Mehrkosten der Baumaßnahmen am Predigerseminar Loccum in Höhe von bis zu 1 Million Euro dem bereitgestellten Etat in Höhe von 1,7 Millionen für den nicht umgesetzten Erweiterungsbau des Zentrums für Seelsorge zu entnehmen.

Oberlandeskirchenrat Adalbert Schmidt hält solch eine Umwidmung des Geldes für möglich, nachdem die Fachabteilung im Kolleg keine absolut zwingende Notwendigkeit zur erweiterten Baumaßnahme im Seelsorgezentrum sah. Auf die Frage von Birgit Spörl (Sprengel Stade), ob die anderen Landeskirchen, die in Loccum ausbilden lassen, sich an den Baukosten des Predigerseminars beteiligen, sagte Schmidt, dass dies nicht der Fall sei. Die anderen Landeskirchen zahlten pauschal für jede Vikarin und jeden Vikar.

Die Synodalen Jörg Zimmermann (Sprengel Lüneburg), Dr. Karin Köhler (Sprengel Hildesheim-Göttingen) und Marie-Luise Brümmer (Sprengel Hannover) sorgten sich um die finanzielle Förderung der „Inlandsarbeit“ von Brot für die Welt. Würde diese wegfallen, wäre es auch schwieriger, Auslandsprojekte in die Gesellschaft zu tragen, weil das Fundraising geschwächt würde, so Zimmermann. „Wenn die Inlandsförderung wegbricht, ist es nicht mehr möglich, hier ein entwicklungspolitisches Bewusstsein zu schaffen“, sagte Karin Köhler. Marie-Luise Brümmer machte darauf aufmerksam, dass die Kürzung in diesem Bereich im Zusammenhang mit den Kürzungen gesehen werden müsse, die die Evangelische Kirche in Deutschland bis 2030 plane. Die EKD sei hier weiter einzubinden, so Brümmer.

Die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Dr. Stephanie Springer, sah die Kürzung dieser Mittel bei Brot für die Welt als Reaktion auf das Einbrechen der Kollektenmittel in Folge der Corona-Pandemie. Sie entnahm den Redebeiträgen der Synodalen, dass die Landeskirche Hannovers die Förderung der „Inlandsarbeit“ von Brot für die Welt weiter hoch einschätzt.