"Eine zukunftsfähige Kirche wird eine Herkulesaufgabe"

Nachricht Hannover, 10. Juli 2020

Bericht des Landessynodalausschusses

Jörn Surborg hat die aktive Gestaltung einer zukunftsfähigen Kirche als Herkulesaufgabe bezeichnet. Dabei mahnte der Vorsitzende des Landessynodalausschusses (LSA) in seiner Rede zur Einbringung des turnusgemäßen Berichts zu konsequentem Handeln: "Durch Corona rennt uns die Zeit davon, spätestens im nächsten Frühjahr müssen wir den Prozess initiieren." Dabei setzt der LSA-Vorsitzende auf Partizipation und Beteiligung: "Wir entscheiden zusammen, in guter hannoverscher Tradition."

Bereits der im Herbst zu beschließende Doppelhaushalt 2021/2022 müsse Weichen stellen, ließ Surborg erkennen.  "Hier müssen wir zu einem Umsteuern kommen, das einerseits das Ausgabenvolumen reduziert, andererseits auch vorsichtig Prioritätensetzungen ermöglicht." Die Pandemie stelle von Neuem die Frage von Ungleichheit und Gerechtigkeit, so Surborg. "Lehrt uns Corona nicht weniger Globalisierung, weniger Kapitalismus und Profitstreben um jeden Preis?"

Die Auswirkungen der Pandemie auf Kirche und Gesellschaft bestimmten die Rede des LSA-Vorsitzenden im Großen Saal der Henriettenstiftung in Hannover. Dabei lobte Surborg die Kirchenleitung für ihr Handeln in der Krise: "Es wurde schnell agiert und reagiert." Auch die Gemeinden vor Ort hätten neue Wege der Kommunikation realisiert. Allerdings sei ihm der Blick nach außen zu kurz gekommen, übte der LSA-Vorsitzende auch Selbstkritik: "Wo bleibt der ökumenische Dialog in der Krise? Wo bleiben Diskurs und Solidarität mit unseren Partnerkirchen weltweit?"

Die Folgen der Corona-Krise brächten im laufenden Jahr schätzungsweise 75 Millionen Euro Mindereinnahmen bei der Kirchensteuer mit sich. Trotz der "Verdüsterung des konjunkturellen Klimas" seien aktuell keine Änderungen der Gesamtzuweisungen für 2020 geplant. Wie es für die Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche insgesamt finanziell weitergeht, sei im Oktober zu beraten.

Um die Arbeit in der EC Tagungsstätte Altenau und im Missionarischen Zentrum Hanstedt zu sichern, hat die Landeskirche den kirchennahen Trägervereinen kurzfristige Liquiditätsdarlehen gewährt. Sofern die Rückzahlung innerhalb eines Jahres nicht möglich sein sollte, müsse geklärt werden, ob die Einrichtungen längerfristig finanziert werden können.

Der Haushaltsabschluss 2019 erbrachte bei Erträgen von 669,8 Millionen Euro und Aufwendungen von 662,7 Millionen Euro ein positives Ergebnis in Höhe von 7,1 Millionen Euro. Unter den Erträgen stechen die Einnahmen aus der Kirchensteuer mit 611,8 Millionen heraus. Allerdings scheiden in den nächsten Jahren vor allem Mitglieder mit hohen Kirchensteuerzahlungen aus dem aktiven Erwerbsleben aus, gibt der Bericht mit Blick auf die Projektion der sogenannten "Freiburger Studie" zu bedenken.

Dem steigenden Aufwand zur Unterhaltung der Gebäude sei durch Reduzierung des Gebäudebestandes und Konzentration auf hochwertige Gebäude zu begegnen. Dass von rund 750 Millionen Euro Personalkosten 300 Millionen Euro aus Drittmitteln finanziert werden, sei "als Risiko verstärkt in den Blick zu nehmen", formuliert der LSA eine weitere Aufgabe.

Aussprache zum LSA-Bericht

Auf Nachfrage des Synodalen Grüssing (Ostfriesland-Ems) nach den vorliegenden Anträgen der Tagungshäuser auf Unterstützungshilfen berichtete Dr.Krämer von insgesamt 7 Anträgen. Aktuell sind drei genehmigt, weitere noch in Bearbeitung, einer wurde zurückgezogen, einer abgelehnt. Das LKA ist im Gespräch mit den Antragstellern.

Die Anträge der Synodalen Brümmer (Hannover) zur frühzeitigen Übermittlung des HH-Planentwurfs durch das LKA an die Synodalen (vier Wochen vor der Herbsttagung) sowie des Synodalen Salm (Hildesheim-Göttingen), die Checkliste der Evangelischen Jugend zur nachhaltigen Durchführung etwa von Gemeindefesten an den Umwelt- und Bauausschuss wurden mit großer Mehrheit angenommen.

Auf Nachfrage des Synodalen Hansen (Lüneburg) erläuterte Dr. Surborg die Funktion der auf Seite 11 beschriebenen "kleinen Arbeitsgruppe", die einen optimalen Informationsfluss vor dem Hintergrund der neu zusammengesetzten Synode gewährleisten soll. Man suche hierbei nach einer geeigneten, transparenten Lösung.