Ausbildung: „Theologie im täglichen Leben üben“

Nachricht 16. Mai 2019
Bild: Jens Schulze

Die Zahl der Theologiestudierenden ist seit 2015 dank gezielter Nachwuchswerbung deutlich angestiegen, das Niveau von gut 280 Personen ist seither stabil. Das ist die gute Nachricht im Bericht des Landeskirchenamtes zur Situation der Theologischen Ausbildung. Die Zahl könne die Pensionierungslücken der nächsten Jahre indes nicht schließen, erläuterte Helmut Aßmann, Oberkirchenrat für Aus- und Fortbildung im Landeskirchenamt. Er berichtete vor der Synode zum Thema „Zahlen, Entwicklungen, Herausforderungen“.

Für junge Geistliche seien Faktoren wie Beziehungsfreundlichkeit, Berufsperspektiven, klare Dienstbeschreibungen und eine gute Begleitung im Pfarramt wichtiger als die Verbundenheit mit ihrer Heimatkirche, nennt der Bericht eine Entwicklung. Als Aufgabe bezeichnet Aßmann unter anderem die Zusammenführung von Theologie, Spiritualität und Lebenswelt. „Die Anwendung der Theologie im täglichen Leben muss man üben“, forderte Aßmann mehr Praxisnähe des Studiums und warb unter anderem für Praktika in anderen christlichen Kulturen.

Die Bereitstellung eines geordneten und strukturierten Pfarramtes sei eine zentrale Aufgabe der Kirchengemeinden, nennt der Bericht eine weitere Herausforderung. Dazu gehörten eine verlässliche Ausstattung der Pfarrbüros, digitale Verwaltung und personelle Ausstattung. Schließlich sei die Frage, „inwieweit die Kirchengemeinde ein attraktiver und einladender Lebens- und Glaubensort sein will und kann“.

In der anschließenden Aussprache übte der Synodale Rolf Bade (Hannover) deutliche Kritik an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen: „Es ist eine große Enttäuschung, wie sich die Fakultät zum Quereinstieg verhält“, beklagte der Synodale deren Entscheidung gegen die Einrichtung eines Masterstudiengangs.

Die Landeskirche verweist deshalb auf Angebote anderer Universitäten wie beispielsweise Marburg oder Heidelberg. Die Landeskirche sollte Quereinsteiger, die sich für ein Studium an anderen Universitäten entscheiden, aktiv unterstützen, forderte Bade. Ein Anliegen, das Dr. Jörg Zimmermann (Celle) unterstützte: „Wo sind denn Theologie und Lebenswelt besser miteinander verschränkt als bei Menschen, die nach Jahren anderweitiger Berufstätigkeit den Weg ins Pfarramt suchen“, fragte der Synodale.

In der Fortsetzung der Diskussion am Abend thematisierte der Jugendsynodale Jonas Jakob Drude (Göttingen) die gestiegene Belastung der Examenskandidatinnen vor dem Hintergrund des Nachwuchsmangels und stellte die Frage nach der Bedeutung der „alten Sprachen“. In der Debatte wurde deutlich: Sie werden als  Hürde, aber notwendig für das theologische Denken gesehen. Der Synodale Rolf Bade warb aber dafür "den Anwendungsbezug der Sprachen anders zu organisieren.“ Um die Hintergründe der Bibel erklären zu können brauche man die alten Sprachen, betonte Kerstin Dede.

Steffen Creydt (Göttingen) sprach den teilweise fehlenden Praxisbezug in der Ausbildung an. Dinge wie Verwaltung, Organisation und in Ansätzen auch Marketing sollten mehr Raum finden. Florian Wilk (Göttingen) betonte, dass es eine bundesweite Strukturdebatte zum Theologiestudium brauche, um die theologische Bildung praxistauglich zu machen.

Oberlandeskirchenrat Helmut Aßmann betonte den Legitimierungsbedarf von Kirche, dem die Ausbildung Rechnung tragen müsse. Die alten Sprachen sollten eher „Nahrung“ als Selbstzweck und Selektionsmechanismus sein. 

Die Synode überwies das Aktenstück als Material an den Ausschuss für kirchliche Mitarbeit.