Die Arbeit der Konföderation evangelischer Kirchen

Nachricht 18. Mai 2019

Als inhaltlicher Schlusspunkt der gemeinsamen Synodentagung in der Braunschweiger Brüdernkirche stand der Bericht der Beauftragten über die Arbeit der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Die Oberlandeskirchenrätinnen  Dr. Kerstin Gäfgen-Track und Dr. Andrea Radtke hielten diesen Bericht gemeinsam.

Der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen gehören die hannoversche, die braunschweigische, die oldenburgische, die schamburg-lippische und die reformierte Kirche an. Diese Vielzahl an Kirchen evangelischen Bekenntnisses im Land zwischen Harz und Nordsee ist bundesweit einzigartig. Mit der Landeskirche Schaumburg Lippe umfasst sie einer der kleinsten, mit der hannoverschen Landeskirche die größte der Gliedkirchen der EKD. Um gegenüber Politik, Verwaltung und Gesellschaft in Niedersachsen eine starke, gemeinsame Stimme zu bilden, werden Gremienvertretungen, innerkirchliche Gesetzgebungsprozesse und der gesamte Bereich des öffentlichen Wirkens von Kirche durch die gemeinsame Geschäftsstelle der Konföderation koordiniert.

Seit Längerem lasse sich beobachten, dass die evangelische und katholische Kirche trotz des Mitgliederschwunds neu zu einer öffentlichen, politisch beachteten Größe werden, führte Kerstin Gäfgen-Track aus. Die breite, aus der Landesregierung initiierte Kampagnen „Niedersachsen für Europa“ oder auch das „Bündnis Niedersachsen packt an“ würden das unterstreichen: „Der christliche Glaube, insbesondere die aus ihm hervorgehenden Werte, die Würde des Menschen und die Menschenrechte würden neu zur Legitimierung politischen Handelns genutzt.“ In der Einführung des Reformationstages als gesetzlichem Feiertag sei es gelungen, die bleibende Bedeutung der Reformation für die Gesellschaft und die Bereitschaft der Kirchen in Niedersachsen zur Gestaltung dieses Tages zu vermitteln.

Evangelisches Markenzeichen sei eine „Frömmigkeit, die vom Gottesdienst und der Gemeinschaft getragen wird und die mitten unter den Bedingungen des Alltags, mitten im Diesseits und nicht hinter Mauern, die vom Jenseits künden, gelebt werden will,“ unterstrich die Theologin.

Aktuell liegen der Konföderation vor allem der Sonntagsschutz und Ladenöffnungsgesetz, die Gefängnisseelsorge, das Arp Schnitger Jubiläum 2019, der Auftritt der Kirchen auf dem Tag der Niedersachsen, die Finanzhilfe und Schulgeldfreiheit für Schulen in freier Trägerschaft und das Thema Kirchen und Europa am Herzen.

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen sind daneben Träger von über 1.000 Kindertagesstätten und damit der größte freie Träger (Niedersachsen insgesamt: 5.243 Kindertagesstätten). Sie bringen aus Eigenmitteln über 35 Mio. Euro zur Mitfinanzierung der Einrichtungen auf und würden somit einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Niedersachsen leisten. „Die Vertretung dieses großen Arbeitsbereiches hat angesichts der vielfältigen Herausforderungen eine große Bedeutung. Die Kirchen haben den Ausbau der Kinderbetreuung in Niedersachsen auch mit eigenen Mitteln unterstützt, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch das Vorhalten verlässlicher Betreuungssysteme zu unterstützen,“ sagte Kerstin Gäfgen-Track.

Ziel des neuen Konföderationsvertrag sei es gewesen, die Wahrnehmung des kirchlichen Öffentlichkeitsauftrags deutlich zu profilieren. Dieser Aufgabe hat sich der Rat der Konföderation erfolgreich gestellt, auch durch den Neuaufbau der Arbeit der Geschäftsstelle. Auch die Wahrnehmung des Öffentlichkeitsauftrags ist besser möglich auf der Basis der Zusammenarbeit und Kommunikation von allen fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Zugleich ist als klares Ziel benannt worden, die Zusammenarbeit der Kirchen zu vertiefen. Neben dem gemeinsamen Wirken nach Außen ist allen Beteiligten die Notwendigkeit von intensiver Kommunikation nach innen deutlich. Die Bereiche Bildung und Diakonie haben öffentlich Bedeutung und sind auch innerkirchlich wichtig. Die Vorteile konföderierter Zusammenarbeit binnenkirchlich zeigten sich beispielsweise bei der Ausbildung der Vikarinnen und Vikare im Predigerseminar Loccum.

Für beide Oberlandeskirchenrätinnen steht fest, dass es weiterhin einer starken Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Niedersachsen bedarf. Die Konföderation ist dazu ein geeignetes Instrument. „Im Interesse von Mensch, Gesellschaft und Umwelt ist ein kirchliches Engagement im öffentlichen Bereich von Landtag über Genderfragen bis Schule, von Landwirtschaft über atomares Endlager bis Wissenschaft, von Asyl über Armut bis Dialog der Religionen dringend vom Auftrag unserer Kirchen her geboten.“, so das Fazit.