Debatte über Klimaschutz in der Kirche

Nachricht 17. Mai 2019
Bild: Jens Schulze

Die Landessynode hat Maßnahmen zu einer besseren Umsetzung des landeskirchlichen Klimaschutzkonzeptes auf den Weg gebracht. Nach einer intensiv geführten Debatte mit vielen Vorschlägen beschlossen die Synodalen zu prüfen, wo rechtliche Reglungen abgebaut werden können, die derzeit Klimaschutzbemühungen hemmen. Ebenso soll die Möglichkeit eines landeskirchenweiten Rahmenvertrags für Ökostrom ausgelotet werden sowie die Anschaffung von dienstlichen E-Bikes.

Weiter soll überlegt werden, wo Klimaschutzmanager einzusetzen sind, wie das Energiemanagement von Gebäuden als Pflichtaufgabe verankert und Best-Practice-Beispiele stärker bekannt gemacht werden können.

Die aktuelle Bilanz der landeskirchlichen Klima-Ziele fiel zuvor ernüchternd aus. „Die Landeskirche ist trotz vieler Maßnahmen kein Leuchtturm, was den Klimaschutz angeht. Es geht nur schleppend voran.“, betonte der Synodale Karsten Sierk (Loccum) bei der Vorstellung des Berichts zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes der hannoverschen Landeskirche. So werde sich beispielsweise die durch Gebäude hervorgerufene CO2-Emission nur verlangsamt um 30% senken lassen. Die angestrebte CO2-Reduktion von 20% im Bereich Mobilität könne hingegen nicht erreicht werden. Bei der Landnutzung gibt es nach Sierks Ansicht viele ökologische Möglichkeiten. „Die Realität der Bewirtschaftung sieht oft völlig anders aus. Strenge Regularien sind angesichts fehlender Auswahl an Pächtern jedoch nicht durchsetzbar,“ so Sierk.

Auch die vorhandenen Angebote zu energetischer Beratung würden zu wenig genutzt. Am „Grünen Datenkonto“ zur Dokumentation von Strom-  und Wärmeverbräuchen hätten sich lediglich 300 der 1.300 Kirchengemeinden der Landeskirche beteiligt. „Die Ergebnisse der Umsetzung der Klimaschutzziele sind unbefriedigend. Dabei geht es um eine zentrale Herausforderung an das glaubwürdige Verhalten aller Christen, Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen.“, fasste Sierk abschließend zusammen. „Eine erhebliche Steigerung der bisherigen Anstrengungen auf allen Ebenen ist notwendig. Alle reden davon und halten das Thema für wichtig. Unser Tun und Handeln kommt dem jedoch nicht nach.“

In der anschließenden, lebhaft geführten Aussprache gab es neben zahlreichen klimafreundlichen Ideen, wie etwa Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge an Kirchen, auch emotionale Statements.  Die Synodale Christine Lührs (Grafschaft Diepholz) machte auf die besondere Situation der Landwirte aufmerksam, die sich „tagtäglich mit den Anforderungen der Klimaveränderungen“ teils unter hohem finanziellen Risiko auseinandersetzten. 

Die Synodale Magdalena Hentschel (Laatzen-Springe) fragte das Plenum: „Wie erkläre ich meinem Enkel, dass ich für meine Lebensweise 2,5 Erden brauche?“, und forderte: „Wir müssen nicht nur groß denken, sondern auch bei der eigenen Verantwortung ansetzen, selbst wenn es manchmal wehtut.“ Steffen Creydt, Synodaler aus Göttingen, gab zu bedenken: „Als Kirche sollten wir ein Bisschen mehr tun, als das, wozu wir andere aufrufen.“ Jonas Jacob Drude, Jugenddelegierter aus Göttingen, betonte, dass Nachhaltigkeit nicht allein ein ökologisches, sondern ein zentrales theologisches Thema sei.

Auch Landesbischof Meister meldete sich zu Wort: „Ich bin dankbar für die ernste Debatte und die vielen Ideen. Wenn wir heute davon sprechen, dass wir uns schämen, für all das, was wir bisher beim Klimaschutz versäumt haben, ist das ein wichtiger erster Schritt. Ich wünsche mir, dass diese Diskussionen von gestern und heute in die Arbeit der neuen Landesynode einfließen. Und vielleicht gelingt es uns dann schon im kommenden Sommer zu entscheidenden Beschlüssen zu kommen, was die Landessynode tun kann und was in der gesamten Landeskirche möglich ist.“

Reinhard Bennhöfer, landeskirchlicher Umweltbeauftragter fasste die Diskussion zusammen: „Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und das Bewusstsein, aktiv zu werden, ist tief verankert. Wir haben in unserer Landeskirche zahlreiche Möglichkeiten für den Klimaschutz. Doch die Umsetzung ist ein Problem.“ Bennhöfer hob allerdings auch hervor: "So eine ernsthafte und engagierte Debatte zum Klimaschutz wie heute mit so konkreten Vorschlägen und Beschlüssen - das hat es in den letzten Jahren noch nicht gegeben. Dass das heute so geschehen ist, ist ein ermutigendes Zeichen."