Aussprache zum Bischofsbericht

Bericht 29. Mai 2013
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Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

„Herr Landesbischof, Sie haben da sehr komplizierte Dinge angesprochen“, erklärte Abt Horst Hirschler als erster Redner der Aussprache zum Bischofsbericht. Insbesondere bezog er sich damit auf den Absatz des Bischofsberichtes zur Intoleranz, erinnerte in diesem Zusammenhang an die scharfe Diskussion um das Abtreibungsrecht.

Von dieser Diskussion in Erinnerung geblieben sei das Mittragen der Straffreiheit bis zum dritten Monat, nicht aber die grundsätzliche Aussage, dass Abtreibung Unrecht sei. Aber: „Wenn wir das nicht festhalten, halten wir unseren Glauben nicht fest“, so Horst Hirschler zur Frage der Toleranz. „Wunde und Gegensätze bleiben bestehen“, stellte er weiter fest – auch wenn die Landeskirche Dinge so leise regele wie das Zusammenleben eingetragener homosexueller Partnerschaften in einzelnen Pfarrhäusern.

„Homosexualität als Sünde zu bezeichnen, ist für mich keine theologische Position“, bekräftigte Landesbischof Ralf Meister in seiner Entgegnung, dennoch müsse jede Lebensform in Akzeptanz des jeweils anderen diskutiert werden, müsse immer wieder die Frage gestellt werden: „Halten wir die Differenzen aus?“

Seine Anerkennung für den anspruchsvollen Bischofsbericht äußerte Gerd Bohlen aus Rhauderfehn in Form eines Antrages: Das Landeskirchenamt solle gebeten werden zu prüfen, ob die Abschnitte 1.1 bis 1.4 des Bischofsberichtes den Fachkonferenzleitungen evangelische Religion an den Oberstufen der Gymnasien als „aktuelle Stimme der Kirche“ zur Verfügung gestellt werden können.

Rolf Bade aus Hannover brachte dazu ergänzend ein, dass das Landeskirchenamt prüfen möge, ob die genannten Abschnitte auch anderen Oberstufen weiterführender Schulen zur Verfügung gestellt werden könnten, etwa Gesamtschulen und beruflichen Gymnasien.

„Danke für Ihre Ausführungen zur Jugend – das hat es so seit Jahren nicht mehr gegeben“, leitete Martin Runnebaum aus Bremervörde-Zeven die Aussprache zum Punkt „Jugend“ im Bischofsbericht ein. Er dankte dem Landesbischof dafür, dass er die Jugend nicht für die kirchliche Arbeit „verzwecke“ und wies auf einen seiner Ansicht nach bestehenden Schwachpunkt der kirchlichen Jugendarbeit hin: Obwohl gerade Jugendliche Verlässlichkeit und Kontinuität brauchten, fehle an vielen Stellen die Nachhaltigkeit, stattdessen würden vielerorts nur zeitlich begrenzte Projekte aneinander gereiht. Dies betreffe insbesondere den Einsatz von Diakonen in der Jugendarbeit. Ihm sei dieser Schwachpunkt bewusst, erwiderte Ralf Meister; über Abhilfe werde intensiv nachgedacht.

Der Jugendausschuss möge den Punkt 3 des Bischofsberichtes zur weiteren Beratung erhalten, stellte Martin Runnebaum abschließend als Antrag.

Kerstin Dede aus Hannover dankte dem Landesbischof dafür, dass er Jugendliche als Menschen und nicht als die Zukunft der Kirche betrachte. „Ich danke Ihnen für Ihren wertschätzenden Blick auf die Arbeit mit Jugendlichen“, so die Synodale aus Hannover.

„Es ist unsere Aufgabe als Christen, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen“, begrüßte Theda Kruse aus Lüchow-Dannenberg die Ausführungen Ralf Meisters zum Endlagersuchgesetz. Das Problem des atomaren Abfalls werde die Menschheit noch Jahrtausende beschäftigen, aus diesem Grund müsse es in den Köpfen aller Menschen ankommen. „Ich danke Ihnen allen für Ihren langen Atem“, so Theda Kruse an die Synodalen gerichtet.

Er selbst hätte es vermutlich weniger diplomatisch ausgedrückt, sagte Rolf Bade aus Hannover zum Wunsch des Bischofs, der Konvent im Kloster Loccum möge erneut über die Aufnahme von Frauen in seine geistliche Gemeinschaft nachdenken. „Hier ist kein Nachdenken mehr nötig, hier muss ein Ende gefunden werden“, plädierte Bade im Namen der Gruppe „Offene Kirche“ für die Aufnahme von Frauen in den Konvent. „Hier sollte nicht nur der männliche, sondern ein geschwisterlicher Geist Raum finden.“

Um Geduld warb dagegen Abt Horst Hirschler: Der Konvent habe eine 850-jährige Tradition; grundlegende Veränderungen müssten daher sorgfältig bedacht werden. „Dennoch danke ich Ihnen für den kleinen Tritt, den Sie mir heute verpasst haben“, so Horst Hirschler an die Adresse des Landesbischofs.

In der Aussprache zur Änderung des Prädikantengesetzes wies Horst Hirschler darauf hin, dass es seiner Meinung nach theologisch präziser sei, von „Berufung“ der Prädikantinnen und Prädikanten zu sprechen und nicht von einer „Beauftragung“. Er wies zudem darauf hin, dass Prädikanten ihren Dienst unter der Gesamtverantwortung des jeweiligen Pfarramtes tun würden.

Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes, machte deutlich, dass der Dienst von Prädikanten und Lektoren sehr eng beieinander lägen. Es gebe allerdings eine bedeutsame kirchenrechtliche Differenz: Prädikanten werden berufen, Lektoren beauftragt.

Susanne Briese, Synodale aus Wunstorf, nahm Stellung zum bischöflich einberufenen Think Tank. Sie verwies auf das demokratische Gremium der Synode und stellte die Frage: „Wie steht ein Think Tank dazu?“

Kerstin Dede (Hannover), Beauftragte für Diakoninnen und Diakone, stellte klar, dass die bessere Zusammenarbeit von Pastoren und Diakonen, aber auch von Haupt- und Ehrenamtlichen ein Anliegen der Diakoninnen und Diakone sei.

Michael Thiel, Superintendent in Gifhorn, wies in seinem Votum auf die grundlegenden Veränderungen im Berufsbild von Pastorinnen und Pastoren hin. Wichtig sei es aus seiner Sicht, nicht über die Verteilung von Aufgaben, sondern über die Verteilung von Verantwortung zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu sprechen.

In seiner Erwiderung machte Ralf Meister deutlich, dass der bisherige Think Tank keine fertigen Beschlussvorschläge mache, sondern einen Prozess in Gang gesetzt habe. „Das Gespräch mit allen Beteiligten beginnt jetzt.“

Thorsten Tillner, Synodaler aus Rotenburg, dankte Bischof Meister für seine Einlassungen zum Sachstand der Verständigung zwischen Diakonie und der Gewerkschaft ver.di zur Entwicklung eines Flächentarifvertrages für die Beschäftigten der Diakonie. „Es ist gut, dass nun Bewegung hineingekommen ist und diese Entwicklung ist sehr wichtig, gerade auch für den Bereich der Altenhilfe.“ Der Flächentarifvertrag sei eine verheißungsvolle Perspektive, auch wenn es noch Stolpersteine gebe. Einer dieser Stolpersteine sei es, wie Wettbewerber im sozialen Bereich sich zu einem Flächentarifvertrag verhalten würden. Er stellte zudem den Antrag, den mündlichen Bericht des Bischofs inklusive der Wortbeiträge dem Diakonie- und Arbeitsweltausschuss zur Beratung zu überweisen.

Christian Sundermann (Hannover), Geschäftsführer Bethel im Norden, konstatierte, dass die bisherige Form des dritten Weges mit der Aussicht auf einen Flächentarifvertrag beendet sei. „Der angestrebte Flächentarifvertrag setzt dem ruinösen Preiskampf in diesem sozialen Sektor etwas entgegen. Dafür ist die Kooperation mit ver.di wichtig.“ Er verwies zudem darauf, dass ein Streikrecht im Gesetz erlaubt sein müsse, wenn weitere Verhandlungen mit der Gewerkschaft erfolgreich sein sollten. „Wir halten es als Kirche in der öffentlichen Diskussion nicht mehr lange durch, nach der Loyalitätsrichtlinie unser Personal in der Diakonie einzustellen.“ Vielmehr sollte sich der Schwerpunkt der Diskussion auf den Begriff der Dienstgemeinschaft richten. „Was genau verstehen wir in unseren diakonischen Einrichtungen darunter? Auf diesem Diskurs muss der Schwerpunkt liegen.“

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Burkhard Guntau, stellte die Frage: „Was machen wir mit Dienstnehmenden, die den Begriff der Dienstgemeinschaft für sich ablehnen?“ Unbeantwortet sei ebenfalls die Frage, wie mit diakonischen Einrichtungen umzugehen sei, eigene Tarifverträge abschließen würden. Nach den Worten Guntaus wäre es bereits 1996 möglich gewesen, den Schulterschluss mit den Gewerkschaften in die Tat umzusetzen. Es gäbe allerdings noch aktuell „Fundamentalisten“ innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die den dritten Weg als einzig mögliche kirchliche Option betrachten würden. „Wir brauchen an diesem Punkt aber den Schulterschluss mit den Gewerkschaften.“