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Bild: Jens Schulze

Bericht: „Wie geht evangelisch?“ – Landesbischöfin berichtet über den Zukunftskongress

Bericht 15. Juni 2007

Zu Beginn ihres Berichtes vor der Landessynode ging Landesbischöfin Margot Käßmann auf den Kölner Kirchentag ein. „Wie geht evangelisch?“ lautete der Titel einer Talkreihe während der Veranstaltung vor dem Dom in Köln. Die Antwort fänden evangelische Christen bei Luther in der These von der Rechtfertigung des Menschen, der „vor allen Werken, und ohne alle Werke von Gott angenommen wird“ (Martin Luther). Die Landesbischöfin übersetzte diesen theologischen Satz in die Sprache der Ökonomie: „Du hast schon ein Plus auf deinem Lebenskonto, bevor du irgendetwas eingezahlt hast. Gott setzt dich in die schwarzen Zahlen, selbst wenn du überziehst.“

Die Frage nach dem evangelischen Profil stand auch auf dem EKD-Zukunftskongress in Wittenberg im Mittelpunkt, an dem 22 Delegierte aus der Hannoverschen Landeskirche teilnahmen. Es stelle sich jetzt die Frage, wie die Landeskirche die Reformvorschläge aus der Schrift „Kirche der Freiheit“ umsetzen könne. Es geht darum, so die Bischöfin, „den angestoßenen Reformprozess zu konkretisieren, zu differenzieren und zu regionalisieren.“ So werde der Prozess bereits auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland fortgesetzt, die sich im November in Dresden mit dem Thema „Aufbruch in der Kirche“ befassen wird. Das zeige, dass der deutsche Protestantismus bereit sei, „die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen.“ Deutlich werde allerdings auch, dass der Reformdruck von den Landeskirchen unterschiedlich wahrgenommen wird. Käßmann ermutigte, die „Ungleichzeitigkeit der Herausforderungen nicht als Trennungsgrund, sondern als Aufforderung zur Gemeinsamkeit zu verstehen.“ Durch den Vorschlag, bis 2030 die Zahl der Landeskirchen auf 16 zu reduzieren, dürfe auf kleinere Landeskirchen kein Druck zur Fusion ausgeübt werden. Die Hannoversche Landeskirche sei jedoch zu „Kooperationen und Zusammenschlüssen bereit.“ Als Beispiele nannte die Bischöfin den Bereich Fortbildung der Ehrenamtlichen, wo die Badische Landeskirche Partner sein könnte, und das Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik im Michaeliskloster in Hildesheim. Ein weiteres mögliches Projekt sei die Einrichtung eines Kompetenzzentrums „Fundraising“ in Hannover.
In Wittenberg sei aber über das Impulspapier hinaus gedacht worden. Die pastorale Präsenz vor Ort dürfe der Tendenz zur Zentralisierung und Regionalisierung nicht zum Opfer fallen. „Es sollte weniger von Profilgemeinden die Rede sein als von einer Profilierung der Ortsgemeinde.“

Die Landeskirche sei für den Reformprozess gut aufgestellt. Die Umsetzung der Sparbeschlüsse führe zu einem ausgeglichenen Haushalt. Das schaffe Freiräume, über klare Akzente unseres Profils nachzudenken. Allerdings führen diese Beschlüsse in den Kirchenkreisen und in einigen landeskirchlichen Einrichtungen zu „schmerzhaften Kürzungsdiskussionen.“ Die Belastung sei von den kirchenleitenden Gremien ernst zu nehmen. Es bestehe die Sorge, dass zu „wenig das zum Zuge kommt, was ja gut evangelisch ist: Das Wort im Mittelpunkt.“ Dieses Ziel gelte es nicht aus den Blick zu verlieren, sagte die Bischöfin, und zitierte ein weiteres Mal Martin Luther, der mahnt: „Alle Predigt und Lehre, die uns nicht Jesus Christus bringt und vor Augen stellt, ist nicht das tägliche Brot und Nahrung unserer Seele. Sie können auch nicht helfen in einer einzigen Not und Anfechtung.“