Kulturarbeit in Kirchen

Nachricht 27. November 2019

Der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit hat auf der Synode seinen Bericht zu den Kulturkirchen vorgestellt. Für den erkrankten Ausschussvorsitzenden Karl Otto Scholz sprach Ortrud Wendt aus Hannover zu den Synodalen. "Wir empfehlen unseren Nachfolgern in der 26. Synode, die eingespielte und bewährte Förderpraxis der Kulturkirchenarbeit fortzuführen und moderat zu erhöhen", sagte  Wendt. So solle die allgemeine Preissteigerung ausgeglichen werden.

Das Förderprogramm wird von der Hanns-Lilje-Stiftung betreut. Gefördert werden in der aktuell zweiten Förderrunde bis 2020 über vier Jahre bis zu vier signifikante Kulturkirchen mit je 50.000 Euro pro Jahr und zwölf weitere Kulturprojekte einmalig mit je 7.500 Euro pro Jahr. Die Erhöhung sieht 60.000 Euro pro Jahr für die vier "Kulturkirchen" und jeweils 8.000 Euro für weitere zwölf Kulturprojekte vor. Zusätzlich sollen 10.000 Euro für Workshops zur verbindlichen Qualifikation und Vernetzung der Projektpartner zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt käme es somit zusätzlich zu Kosten von maximal 346.000 Euro pro Jahr. Neben der Erhöhung der Fördersumme empfiehlt der Bericht den "signifikanten Kulturkirchen" die Fokussierung auf ein Thema und eine konzeptionelle Weiterentwicklung der jeweiligen Kulturkirchenarbeit. Eine durch die Hanns-Lilje-Stiftung erarbeitete, standardisierte Evaluation unterstütze die Kulturkirchen dabei.

Frau Wendt dankt in diesem Zusammenhang Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander von der Hans-Lilje-Stiftung, Prof. Dr. Klaus Grünwaldt vom Landeskirchenamt und Dr. Matthias Surall vom Haus kirchlicher Dienste für die sachkundige Begleitung im Ausschuss. Kulturkirchenarbeit verändere die Wahrnehmung von Kirche und befördere die Kommunikation zwischen kirchlichen und außer-kirchlichen, teilweise auch kritischen Projektträgern. Erfolgreiche Projekte in diesem Sinne seien das Sozialraum-Projekt in Bremerhaven "Wer sind meine Nachbarn" oder die "Syrische Kunst in der Marktkirche" in Hannover. Die Kulturkirchenprojekte hätten oft gemeindebildend und nebenbei in missionarischer Weise gewirkt, "gewissermaßen homöopatisch", so die Synodale Wendt.
Über die Arbeit der Kulturkirchen sei zudem ein wertvolles bundesweites Netzwerk zwischen kirchlichen und nichtkirchlichen Kulturträgern entstanden. "Der Wettbewerbscharakter der Förderpraxis gewährleistet eine hohe Qualität der geförderten Projekte. (…) Wir meinen, wir sollten keine Erbhöfe schaffen", betonte  Wendt.

"Ein echtes Erfolgsmodell"

Jörn Surborg (Hildesheim-Göttingen) erinnerte in der Aussprache daran, dass die Ziele des Projektes "Kirchliche Kulturarbeit" erreicht worden seien. Durch den Wettbewerb seien hohe Standards an Qualität sowohl bei den Kulturkirchen als auch bei den jährlichen Projekten erreicht worden. Auch sei das Ziel erreicht worden, Kulturschaffende innerhalb und außerhalb von Kirche zu vernetzen.
Der Synodale Mirko Peisert (Hildesheim-Göttingen) sprach sich ebenfalls für die Fortführung der Kulturkirchen aus. Sie sind aus seiner Sicht "ein echtes Erfolgsmodell" insbesondere um kirchenfernes Publikum zu erreichen. Problematisch sieht Peisert den "Wettbewerb", dem sich die Kulturkirchen alle vier Jahre stellen müssen. Dadurch fehle ihnen und beteiligten Kulturpartnern für ein halbes Jahr die Planungssicherheit, das gefährde das Netzwerk aus Künstlern, angestellten Projektmanagern und Ehrenamtlichen, die sich für die Kulturarbeit engagieren. Seiner Ansicht nach mache der regelmäßige Bewerbungs-Wettbewerb vor Ort viel kaputt, er fördere das Normalmaß und verhindere Risikobereitschaft. Peisert plädiert für ein Bekenntnis zu den in acht Jahren mit Kompetenz und Erfahrung aufgebauten Kulturkirchen.
Die Synodalen Dr. Karin Köhler und Dr. Florian Wilk (beide Hildesheim-Göttingen) unterstützen die Position Peiserts nach Verstetigung der Förderung für die signifikanten Kulturkirchen. Man könne kirchliche Arbeit nicht nur in Projekten denken, so Dr. Wilk, der den Vergleich mit einem anderen Fonds der Landeskirche zog - den kontinuierlich geförderten "Friedensorten". Kulturarbeit sei auch Beziehungsarbeit und die erfordere Kontinuität, betonte Dr. Köhler.
Landesbischof Meister regte dazu an, zumindest über eine mittelfristige Verstetigung der Förderung der bestehenden Kulturkirchen nachzudenken. Als erfolgreiche "kulturprotestantische Initiativen" nannte er etwa die ursprünglich als Projekt gestartete Stadtkirchenarbeit mit Cityseelsorge. Frau Christine Lührs sprach sich für die Verstetigung gut laufender Projekte aus, allerdings müsse über finanzielle Alternativen nachgedacht werden, die Verantwortliche vor Ort mit einbeziehen. 

Dem Antrag des Ausschusses, das Aktenstück zur Kenntnis zu nehmen, wurde zugestimmt. Außerdem beschlossen die Synodalen, Aktenstück und Redebeiträge an die 26. Landessynode zur weiteren Beratung weiterzureichen.