Bericht Landeskirchenamt: Klimaschutz

Nachricht 28. November 2019

Zum aktuellen Stand landeskirchlicher Klimaschutzmaßnahmen

Bild: Jens Schulze

Für das Landeskirchenamt hat Reinhard Benhöfer (Referat für Umweltangelegenheiten) der Landessynode über den aktuellen Stand landeskirchlicher Klimaschutzmaßnahmen berichtet. Er benannte "einzelne Stellschrauben für den Klimaschutz" in der Landeskirche.

Benhöfer teilte mit, dass im Frühjahr die staatliche Förderung der Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts der Landeskirche ausgelaufen sei. Deshalb hätten zwei befristete Vollzeitstellen beendet werden müssen. Der Landessynode sei es aber gelungen, eine der Stellen auf Projektbasis weiter zu finanzieren, sagte Benhöfer. Generell werde im Bereich Klimaschutz besonders Personal für eine gute Informations- und Öffentlichkeitsarbeit gebraucht.

Bei der Energiebeschaffung sei es wünschenswert, wenn in Zukunft alle Kirchenkreise günstigen Ökostrom bester Qualität beim Anbieter ihrer Wahl einkauften. Die Wahl der Anbieter sollte laut Benhöfer aber nicht zentral verordnet und für alle gleich geregelt werden. 

Als wichtigen Faktor im kirchlichen Klimaschutz nannte Benhöfer das Gebäudemanagement. "Durch die Gebäudenutzung verbrauchen wir die meiste Energie, erzeugen die höchsten Treibhausgasemissionen und haben gleichzeitig die größten Einsparpotentiale", betonte Benhöfer. Entsprechend ratsam sei es, den Gebäudebestand zu verringern, um Energie zu sparen. "Betriebskosten führen oft noch ein Schattendasein bei der Bewertung von Gebäuden und bei den Entscheidungen über Investitionen", beklagte Benhöfer. In Zukunft sei es nötig, auch den Hauptenergieverbrauch als ein Kriterium neben anderen bei der Entscheidung über den Weiterbetrieb von Gebäuden stärker zu berücksichtigen.

Neue Heizungen langfristig betrachten

Benhöfer sagte, man dürfe etwa bei neuen Heizungsanlagen auch nicht nur die Investitionskosten ansehen. "Für die Wirtschaftlichkeit einer neuen Heizung ist entscheidend, was sie im Laufe ihrer Lebensdauer kostet. Das bedeute, die Investitionskosten, die Instandhaltungskosten und die Energiekosten müssten über die zu erwartende Lebensdauer betrachtet werden, so Benhöfer. Eine Idee wäre die Umstellung der vorhandenen Heizungsanlagen in Kirchen auf körpernahe Beheizung, etwa von Sitzkissen. Das könne in einzelnen, oft genutzten Raumzonen, bis zu 30 Prozent der Energie einsparen. Generell würde  Benhöfer zufolge der Verzicht auf fossile Brennstoffe im Gebäudebereich als ein glaubwürdiges Zeichen verstanden werden, dass die Kirche nicht nur über Klimaschutz und Schöpfungsbewahrung redet, sondern auch ernst damit macht.

Mit der Rundverfügung G7/2019 habe das Landeskirchenamt den Rahmen für die Beteiligung an Unternehmen definiert, um Hemmnisse für Klimaschutzmaßnahmen bei der Beteiligung an Windkraftanlagen, bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen und Blockheizkraftwerken, abzubauen. Besonders durch den Ausbau von Photovoltaik sollte die Landeskirche mit ihrem großen Gebäudebestand ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

„Dort, wo es wirtschaftlich ist, sollte man nicht zögern, eine Photovoltaik-Anlage zu installieren“, betonte Benhöfer. Die staatliche Denkmalpflege in Niedersachsen verhalte sich derzeit sehr ablehnend gegenüber Photovoltaik-Anlage auf Baudenkmalen. Hier müsse in Zukunft intensiv weiter diskutiert werden, so Benhöfer.

Benhöfer berichtete, dass die Landeskirche in den vergangenen Jahren Sondermittel für Energieeinsparinvestitionen an die Kirchenkreise vergeben habe. Im Sinne des Klimaschutzes sollten in Zukunft nur Klimaschutzmaßnahmen gefördert werden, die sonst nicht gemacht würden. So könnte die Bezuschussung von konventionellen Ersatzbeschaffungen ausgeschlossen werden.

Zuletzt nannte Benhöfer weitere Beispiele für Klimaschutz in der Landeskirche:

  • Projekt „Zukunft leben“: Nachbarschaftsgruppen finden sich und beschließen, kleine Klimaschutzprojekte zu realisieren. Kirchengemeinden bieten dafür Räumlichkeiten, der Staat finanziert 70 Prozent der gesamten Projektkosten, die Landeskirche übernimmt 30 Prozent aus Eigenmitteln.
  • Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen: Zwei Festangestellte helfen Friedhofsträgern, den Wandel in der Bestattungskultur erfolgreich zu bestehen, indem sie Flächen ökologisch und ästhetisch aufwerten und gleichzeitig die Biodiversität fördern.
  • Pilotprojekt E-Autos: Über einen Dreijahreszeitraum stehen jeweils 20.000 Euro jährlich zur Verfügung für 20 Fahrzeuge. Bislang fahren sechs. (eines in Leine-Solling, zwei in Lüchow-Dannenberg und drei in Hittfeld.)
  • E-Bikes: Kirchliche Körperschaften, die ein E-Bike anschaffen, erhalten einen Zuschuss von 1000 Euro.
  • Ladestationen: Es gibt eine Förderung für die Anschaffung und Installation nichtöffentlicher Elektro-Ladestationen.
  • Lastenfahrräder: 20 Lastenfahrräder werden im Rahmen eines Mobilitätsprojektes an kirchliche Kindertagesstätten (Kita) vergeben. Die Kitas verleihen die Fahrräder an Familien, die lernen sollen, dass man Kinder auch ohne Auto in die Kita transportieren kann. Nach Projektende gehen die Räder ins Eigentum der Kitas über. Das Projekt wird von der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes unterstützt, ein Eigenanteil kommt von der Landeskirche.
  • Energie- und Umweltmanagement (Grünes Datenkonto; Der Grüne Hahn): In den vergangenen Jahren wurden bereits hunderte Energiebeauftragte im Energiemanagement in Schulungen, Anwenderworkshops fortgebildet. Benhöfer betonte: "Solange Energie- und Umweltbeauftragte nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie beispielsweise ein Frauenkreis, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir nicht genügend Ehrenamtliche in diesem Bereich haben." Hoffnung auf Wirksamkeit, Anerkennung in Beziehungen und gelingende Gemeinschaften seien Faktoren, die die Motivation stärken.

In der anschließenden Aussprache äußerte Bernd Rossi (Sprengel Hildesheim-Göttingen) den Wunsch, dass der kirchliche Denkmalschutz intern daran arbeiten möge, gegenüber dem staatlichen Denkmalschutz eine klare Position für Grünstrom aus Kirchendächern zu vertreten. 

Der Jugendvertreter Ruben Grüssing bat Benhöfer darum, die Website www.kirche-umwelt.de bekannter zu machen. Der Internetauftritt sei in den sozialen Medien nicht präsent. Es sollte möglichst bald eine mobile Version der Website geben, da inzwischen überwiegend das Smartphone zum Recherchieren im Internet verwendet wird. 

„Wenn man etwas Gutes tut, muss man es merken. Alternativen müssen zu sehen sein“, sagte der Synodale Michael Gierow (Sprengel Lüneburg) und warb für die öffentliche Darstellung von guten Beispielen wie die sogenannte „Winterreise“, ein regionales Gottesdienstprojekt in der Winterzeit, um Heizemissionen zu verringern.

Karin Köhler (Sprengel Hildesheim-Göttingen) erinnerte daran, dass Klimaschutz auch immer mit dem Thema Frieden zusammenhängt und bat darum, die weiteren Überlegungen in der 26. Landessynode nicht nur in den Umwelt- und Bauausschuss, sondern auch in den Ausschuss für Mission und Ökumene zu überweisen.