Bischofsbericht 2: Kirchliche Gebäude und Schöpfungsgerechtigkeit

Bericht 31. Mai 2018

Kirchen seien nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägten als „symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch.“ Kirchen würden unbedingt gebraucht, so Meister. „Wenn diese Gebäude fallen, fallen Deutungsorte und Schutzräume unserer Gesellschaft. Dann fällt ein architektonisches Merkzeichen für die Humanität unserer Gesellschaft.“

Meister sprach sich dafür aus, Kirchen so oft wie möglich zu öffnen, denn sie seien „keine geschlossenen Museen.“ Gleichzeitig sollte auch bei Kirchengebäuden die Schöpfungsverantwortung eine Rolle spielen, sodass es im Winter gerechtfertigt sei, Kirchen nur punktuell zu nutzen. Schließlich plädierte Meister dafür, mutiger bei Veränderungen zu sein, etwa bei der Inneneinrichtung von Kirchen.

Gebäudebestand reduzieren

Beim übrigen Gebäudebestand empfahl Meister in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren eine Reduktion um mindestens 15 bis 20 Prozent. „Wie soll ein Bestand, der einstmals vor 18 Jahren von 3,2 Millionen Mitgliedern getragen wurde, heute von 20 % weniger Mitgliedern getragen werden?“ fragte Meister. Weiter sei eine spürbare Reduktion des Energieverbrauchs notwendig. Sanierungsförderungen könnten daran geknüpft werden, dass durch die Baumaßnahmen eine um sechzig- bis achtzigprozentige Verbesserung der Energie-Bilanz erreicht würde. Dabei sei auch der Neubau von Gemeindehäusern durchaus denkbar: „Bei kluger Planung kann ein Neubau dazu führen, dass die Kirche eine Quartiersentwicklung befördert und gemeindliche Aufbrüche durch die Verantwortung für den Sozialraum provoziert.“

Welche Zukunft haben unsere Friedhöfe?

Angesichts der zurückgehenden Zahl der Sargbestattungen sprach sich Meister dafür aus, die entstehenden Freiflächen auch als ökologische Nischen zu nutzen. Zudem sollten mehr Gottesdienste zu Ostern auf Friedhöfen gefeiert werden.

Was kann Kirche für die Schöpfungsgerechtigkeit tun?

In Bezug auf kirchliche Ländereien warb Meister für eine verstärkte Bereitstellung als ökologische Ausgleichsflächen. “Sollte sich in diesem Bereich in den kommenden Jahren nichts signifikant verändern, verlieren wir als Kirche viel Glaubwürdigkeit in Sachen Schöpfungsgerechtigkeit,“ so Meister. Er forderte hier insgesamt mehr Einsatz: „Wir als Kirche müssen weiterhin konkrete Maßnahmen konsequent ergreifen und eine Geschichte erzählen, die neben Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit immer auch von der Zukunft der Erde spricht.“ Hier sei aus seiner Sicht der notwendige Denkwandel noch nicht vollzogen.

Meister regte an, über ein Klimaschutzgesetz unserer Landeskirche nachzudenken, das klare Regelungen und konkrete Zielsetzungen formuliert. Fördermaßnahmen sollten eindeutiger an Klimaschutzaspekte geknüpft werden. Auch sei es denkbar, dass von der Kirche die Initiative zu einer Niedersächsischen Klimakonferenz ausgehe. Ziel sei ein verbindlicher Report der Klimaschutzmaßnahmen und ein Austausch über Themen wie Energieeffizienz, Verkehr, Transport, Schutz der natürlichen Ressourcen und eine Verringerung des Abfallaufkommens.