Bild: Jens Schulze

Aussprache über den Bischofsbericht

Bericht 23. November 2016

Im Zentrum der Aussprache über den Bericht des Landesbischofs standen die Themen Umgang mit dem Populismus, demografischer Wandel und und Landwirtschaft.

Dr. Jörg Zimmermann (Lüneburg) machte darauf aufmerksam, dass Volkskirche als Kirche für das Volk zu verstehen sei. Und es sei ein wichtiger Auftrag für die Landessynode, sich in diesem Zusammenhang auch über die Kirche von Morgen Gedanken zu machen. Eine solche zukunftsgewandte Diskussion müsse in den verschiedensten Gremien diskutiert werden. Dabei sollten die Finanzen nicht Leitstern der Diskussion sein.

Professor Dr. Florian Wilk (Göttingen)  machte darauf aufmerksam, dass hinsichtlich des Themas „Populismus“ viel aus dem christlich-jüdischen Dialog zu lernen sei. Eine Grundlage dieses Dialogs sei es, das Gegenüber ernst zu nehmen und auf den Weg der Wahrheitssuche zu verpflichten. Das schließe ein, dass die eigene Überzeugung unter Vorbehalt gerate, aber auch die Verpflichtung des Gegenübers, sich auf den Weg der Wahrheitssuche zu begeben. Auch sei Ernst zu nehmen, was man aus der Antisemitismusdebatte lernen könne: Eine bloße Kontrastierung verschärfe den Dissens.

Der Jugenddelegierte Claas Goldenstein gab zu bedenken, dass das, was im Populismus als Sorgen bezeichnet werde, eigentlich Ressentiments seien. „Ressentiments und Hetze sind keine Sorgen. AfD-Leute können nicht Kirchenvorsteher werden“, so Goldenstein.

Hinsichtlich der Frage, wo es möglicherweise Grenzen gibt, ob jemand ein kirchlicher Funktionsträger werden könnte, regte Rolf Bade (Hannover) an, zu überlegen, wie den Kirchengemeinden Hilfestellungen gegeben werden könnten, ohne dabei schablonenhaft zu werden.

Eine starke synodale Aufmerksamkeit erhielten die Ausführungen des Landesbischofs zum Umgang mit der Sprache. Synodale setzten sich in ihren Redebeiträgen für eine verständliche Sprache in der Kirche ein.

In seinen Antwort auf die Rückmeldungen der Synodale ging Landesbischof Ralf Meister noch einmal ausführlich auf seine Ausführungen zum Thema Sprache ein. Sein Bischofsbericht sei eine massive Kritik an unseren Umgang mit der Sprache, so Meister. „Wenn ein Sprachliebhaber wie ich über Sprache redet, dann übe ich auch Kritik an meiner eigenen Sprache und der Sprache der Kirche.“

Der Landesbischof betonte, es sei gut, eine Sprache zu verwenden, wie sie das Volk spreche, die andererseits aber auch für sich beanspruche, Worte zu verwenden, die nicht jeder kenne. „Das, worüber wir sprechen ist existentiell, weil es unser Leben trägt, und das ist unendlich kostbar! Das Kostbarste geben wir nicht in der billigsten Sprache!“, so Meister.

Hinsichtlich des Dialogs mit der AfD fragte der Landesbischof danach, wie die Balance zwischen einem klaren „Nein“ und der Moderation gelingen könne. Die Grenze liege nicht allein in der bloßen Parteizugehörigkeit zur AfD. Wo genau die Grenze liege, sei gemeinsam in der Landessynode auszuloten. Dies sei keine einfache Aufgabe. Klar sei aber: „Menschenfeindlichkeit und Rassismus lehnen wir eindeutig ab.“

Mit dem demografischen Wandel könnte sich die Landessynode auf einer ihrer nächsten Tagungen ausführlicher beschäftigen. Ein Antrag von Dr. Fritz Hasselhorn (Osnabrück) nahm die Anregung des Landesbischofs auf, zu überlegen, ob das Thema „Kirche der Zukunft“ Schwerpunkt einer Synodentagung werden solle.

In einem sehr persönlichen Wortbeitrag machte Christine Lührs (Osnabrück) auf die schwierige Situation der Landwirte aufmerksam. Im Bericht des Landesbischofs würden Fakten genannt, mit denen kleine Betriebe schon lange leben müssten. „Landwirte machen eine gute Arbeit, achten auf ihre Tiere und den Acker. Wir erleben, dass nachts in die Ställe eingebrochen wird bei Landwirten, die sich zu Wort melden“, berichtete Lührs. Ein Klima der Angst verbreite sich. Dies sei auch eine Folge des Populismus.

Dr. Bettina Siegmund (Ostfriesland-Ems) sah im betreffenden Abschnitt des Bischofsberichts im Wesentlichen den Respekt und die Wertschätzung gegenüber den Landwirten. Die Kirche müsse die Landwirtschaft wahrnehmen und den Dialog mit den Landwirten vor Ort suchen, um auf Problemlagen hinzuweisen.

In seinem Schlusswort betonte Landesbischof nochmal die besondere Wertschätzung für kleine Kirchengemeinden: „Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Situation in den kleinen Gemeinden Beachtung findet. Deswegen bin ich gerne dort vor Ort.“

Er sei dankbar für die Impuls aus der Landessynode, verschiedene der  angesprochenen Themen auf den kommenden Tagungen der Landessynode vertiefend zu behandeln.